Kooperation mit CDI: Nestlé will Nahrung an menschlichen Zellen testen

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Kooperation mit CDI: Nestlé will Nahrung an menschlichen Zellen testen

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Eine Wissenschaftlerin arbeitet mit Zellen in Zellkulturschalen. Der Nahrungskonzern Nestlé will an Stammzellen den Zusammenhang von Nahrung und Krankheiten erforschen.

von Jana Reiblein

Bisher kennt man Nestlé vor allem von Babynahrung und Instantkaffee - nun will der Konzern in die Nahrungsmittelforschung einsteigen. Dazu vereinbarte Nestlé eine langfristige Kooperation mit einer US-Biotechnologiefirma.

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé will ein weiteres Standbein ausbauen: Die Erforschung der Zusammenhänge von Ernährung und Krankheiten. Zu diesem Zweck ist der Konzern eine langfristige Zusammenarbeit mit der US-Biotechnologiefirma Cellular Dynamics International (CDI) eingegangen. CDI liefere menschliche Zellen an das Nestlé Institute of Health Sciences, teilte CDI am Mittwoch mit.

Die Firma aus Wisconsin stellt aus Spenderproben in industriellen Mengen Stammzellen her. Die Technologie wurde bisher vor allem für die medizinische Forschung und Medikamentenentwicklung verwendet. Mit Nestle kommt nun auch die Nahrungsmittelforschung hinzu. Einem Bericht des "Wall Street Journal" (WSJ) zufolge will Nestlé anhand der von CDI gelieferten Hirn- und Leberzellen den Zusammenhang zwischen Nahrung und Krankheit untersuchen - und so natürlich auch Produkte entwickeln, zum Beispiel mit Nährstoffen angereicherte Getränke und Smoothies, die als gesundheitsfördernd an den Mann gebracht werden können.

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Über die finanziellen Einzelheiten des Deals wurde nichts bekannt. Laut "WSJ" wollen die Firmen noch im Laufe der Woche ihre Kooperation offiziell verkünden. Dem Bericht nach ist Nestlé der erste Nahrungsmittelkonzern, der bei CDI Zellen bezieht.

Nestlés Forscher untersuchen dem Bericht nach bereits, wie Fettsäuren aus Avocados und Olivenöl mit Nervenzellen interagieren. Der Konzern hofft, so Anwendungen in Nahrungsmitteln zu finden, die für ältere Menschen konzipiert sind. Die Zellen würden auch in Bezug auf mögliche Anwendungen bei an Fettleibigkeit, Diabetes oder Alzheimer leidenden Patienten untersucht.

Kritik kommt laut "WSJ" von Ernährungswissenschaftlern und Ärzten, die bezweifeln, dass komplexe Krankheiten mit einer einfachen Optimierung der Inhaltsstoffe unserer Nahrungsmittel in die Knie gezwungen werden können. Bislang habe das Hinzufügen von Nährstoffen nie viel mehr gebracht, als einen eventuell vorhandenen Mangel an eben diesem Nährstoff (zum Beispiel ein Vitamin oder Mineralstoff) auszugleichen, zitiert die Zeitung etwa Marion Nestle, eine Professorin für Ernährung, Nahrungsstudien und Gesundheitswesen an der Universität von New York. "Krankheiten haben vielfältige Ursachen, Nahrungsmittel und Ernährung sind sehr kompliziert", sagte Nestle, die in keiner Verbindung zum gleichnamigen Unternehmen steht.

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Eine Hürde für solche Produkte sind gesetzliche Regelungen in Bezug auf sogenannte "Health Claims" auf Nahrungsmitteln, zu deutsch etwa gesundheitsbezogene Behauptungen. So gilt etwa in der EU die Claims-Verordnung, die klare Vorgaben für solche Angaben auf Lebensmittelverpackungen macht. Darin ist nicht nur verbindlich festgelegt, wann ein Produkt Bezeichnungen wie "fettarm" oder "ballaststoffreich" tragen darf, sondern auch, dass Angaben über die angebliche Reduzierung von Krankheitsrisiken einer Zulassung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bedürfen. Auch in den USA wird in letzter Zeit härter durchgegriffen und Behörden fordern von den Unternehmen Beweise für gesundheitsbezogene Behauptungen ein.

Trotz allem ist der Markt für Lebensmittel mit einem gewissen Extra erfolgversprechend: Laut einer Erhebung durch Euromonitor International wird der weltweite Markt für Spezialnahrung wie Wellness-Drinks und Co. von 772 Milliarden Dollar 2013 bis zum Jahr 2018 auf 944 Milliarden Dollar wachsen - also um 50 Prozent schneller als der Markt für konventionelle verpackte Lebensmittel. Nestlé Health Science ist damit einer der großen Hoffnungsträger des Unternehmens. 2011 als eigenständige Tochter gegründet und mit 500 Millionen Franken für Investitionen ausgestattet, machte die Sparte 2012 bereits 1,9 Milliarden Franken Umsatz. Für 2013 prognostizierte Chef Luis Cantarell im Oktober einen Umsatz von 2,1 Milliarden Franken.

Mit Material von Reuters

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