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Krankenhaus Rating Report: Viele Kliniken vor dem Aus

von Maike Telgheder Quelle: Handelsblatt Online

Der neue Krankenhaus Rating Report zeigt: Jedes sechste Krankenhaus ist von Insolvenz bedroht, wobei die kleinen Häuser schlechter abschneiden als große. Allerdings bringt medizinische Qualität wirtschaftlichen Erfolg.

Die medizinische Versorgung steht an einem kritischen Wendepunkt. Quelle: dapd
Die medizinische Versorgung steht an einem kritischen Wendepunkt. Quelle: dapd

FrankfurtIn Deutschland kämpfen immer mehr Kliniken ums wirtschaftliche Überleben. In diesem Jahr ist jedes sechste Krankenhaus erhöht insolvenzgefährdet, vor zwei Jahren war es noch nur jedes zehnte. Das zeigt der neue Krankenhaus Rating Report 2012 - ein Gemeinschaftswerk des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), der Beratung Accenture und des Instituts für Healthcare Business.

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"Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser hat sich seit 2010 deutlich verschlechtert", beschreibt Sebastian Krolop, Partner von Accenture, die Lage. "In vielen Häusern steigen die Kosten deutlich schneller als die Erlöse."

Der deutsche Krankenhausmarkt mit seinen rund 2 000 Kliniken gilt seit vielen Jahren als überbesetzt, was ein zentraler Grund für die schwierige Lage vieler Häuser ist. Zudem sind die Ausgaben in dem regulierten Markt gedeckelt. Deshalb können steigende Kosten für Energie und Löhne von vielen Häusern nicht mehr aufgefangen werden.

Durch die angespannte wirtschaftliche Situation ist es auch um die Investitionsfähigkeit der Krankenhäuser schlecht bestellt: "Nur rund die Hälfte der Kliniken erwirtschaftet ausreichend hohe Erträge, um ihre Unternehmenssubstanz zu erhalten", sagt RWI-Experte Boris Augurzky.

Eine Besserung der Situation in den nächsten Jahren ist nach Einschätzung der Experten nicht in Sicht: Daran ändert auch die von der Koalition in Berlin diskutierte Finanzspritze von 350 Millionen Euro für die Klinikbranche nichts. Auch langfristig werden die Kosten im 74 Milliarden Euro schweren Markt voraussichtlich stärker steigen als die Erlöse, so das Fazit der Autoren. Sie haben für den Report die Jahresabschlüsse von mehr als 1 000 Krankenhäusern analysiert. Bis 2020 werden demnach acht Prozent der Häuser geschlossen werden müssen.

Tendenziell stärker bedroht von einer Insolvenz sind kleine Häuser und solche in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft: Hier ist fast jedes fünfte Haus insolvenzgefährdet. Eine Ende Mai veröffentlichte Umfrage unter deutschen Klinikdirektoren zeichnet ein noch dramatischeres Bild: Danach haben 43 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser das vergangene Jahr mit einem Defizit abgeschlossen. Und nur neun Prozent der Häuser geben an, ihre Zukunft aus eigener Kraft meistern zu können.

Zu den Faktoren, die zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen können, gehört unter anderem der Grad der Spezialisierung. "Häuser mit einer Spezialisierung auf bestimmte Krankheitsbilder schneiden deutlich besser ab als solche, die versuchen, alle Bereiche abzudecken", sagt Accenture-Berater Krolop.

Einen klaren Zusammenhang gibt es laut Krolop auch zwischen der medizinischen Qualität einer Klinik und ihrem wirtschaftlichen Erfolg. Häuser, die wegen mangelnder medizinischer Qualität aufgefallen sind, weisen ebenfalls ein schlechteres Rating auf als solche mit geringer Patientenunzufriedenheit. Anhand bundesweit ausgewerteter Daten weisen die Experten auch erstmals nach, dass Kliniken, die auf eine höhere Fallzahl von Operationen kommen, in der Regel auch eine bessere medizinische Qualität haben.

Für RWI-Experte Augurzky steht die Krankenhausversorgung in Deutschland an einem Wendepunkt: "Ein ,Weiter so' kann es auf Dauer nicht geben", mahnt er. Die Überschüsse der Krankenkassen würden bald wieder aufgebraucht sein. "Es wäre schon viel gewonnen, wenn die knappen Ressourcen nicht auf alle Krankenhäuser verteilt würden, sondern nur auf die, die eine gute Qualität bieten und wirtschaftlich arbeiten", sagt der Branchenexperte.


1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 17.06.2012, 06:25 UhrJoselyn

    Da sollte dann auch dazu geschrieben werden, dass gerade die Krankenhäuser, die aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, teilweise in einem desaströsen Zustand sind. Die Farbe blättert ab, Zimmer wurden ewig nicht gestrichen, die Bodenbeläge sind schadhaft. Die Hygiene ist auch mehr als grenzwertig. In den Zimmern zieht sich teilweise der Schimmel die Wand hoch, die Putzfrau kommt nur einmal am Tag. Das Essen ist absolut mindere Qualität. Es gibt immer noch Bereich, in welchen nur eine Dusche und 1 Bad für den ganzen Flur reichen müssen. Da wird natürlich nicht nach jedem Patienten sauber gemacht.

    Bestimmte Untersuchungen sind nicht möglich. Entweder fehlende Geräte oder fehlende Spezialisten. Man wird in ein anderes Krankenhaus geschickt oder soll die Untersuchung nach der Entlassung noch machen lassen.

    Die Ärzte sind oftmals Ausländer und sprechen nicht gut deutsch, um sich verständlich zu machen bzw. dem Patienten was zu seinem Gesundheitszustand zu erklären. Die Schwestern und Pfleger dürfen natürlich keine Auskunft geben.

    Ich war 2011 selbst im Krankenhaus und hatte eine Mitpatientin, die gepampert werden musste. Die vollen Pampers wurden auf den Boden geschmissen und dann weggeräumt. Geputzt wurde nicht. Die Kotflecken trockneten bei uns im Zimmer, in dem wir auch Essen mussten und wurden erst am nächsten Tag von der Putzfrau entfernt.

    Das ist kein Einzelfall. Ich stamme aus einer Großfamilie. Es kommt immer wieder einmal vor, dass jemand ins Krankenhaus muss. Da wir in verschiedenen Städten wohnen, habe ich auch schon verschiedene Krankenhäuser gesehen.

    Dagegen sollte mal was getan werden !

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