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Kriselnder Baumarktriese: Praktiker steht vor dem großen Showdown

von Stefan Menzel und Kirsten Ludowig Quelle: Handelsblatt Online

Im Ringen um den angeschlagenen Baumarktriesen Praktiker sind die Fronten verfahren: Investoren fordern ein neues Konzept für den Konzern, das der Vorstand strikt ablehnt.

Baumarktkette Praktiker: Billigheimer auf dem Prüfstand. Quelle: dpa
Baumarktkette Praktiker: Billigheimer auf dem Prüfstand. Quelle: dpa

Düsseldorf, WienBei der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker rückt eine Entscheidung über die weitere Zukunft des Unternehmens immer näher. Spätestens auf der Hauptversammlung im Juni wird es zum Showdown zwischen Vorstand, Aufsichtsrat und zwei der größten Aktionäre kommen. Es geht darum, wer bei Praktiker künftig das Sagen hat und welches Sanierungskonzept beschlossen wird.

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Es sind die österreichische Privatbank Semper Constantia und das mit ihr verbündete zypriotische Investmentvehikel Maseltov, die seit einiger Zeit Druck machen. Die Investoren möchten, dass die höher positionierte Konzerntochter Max Bahr, die nicht wie Praktiker verstärkt auf den Preis, sondern auf Qualität und Service setzt, die zentrale Vertriebsschiene wird. "Wir wollen ein stärkeres Gewicht legen auf die Marke, die noch läuft. Und das ist eben Max Bahr", sagte Isabella de Krassny, Fondsmanagerin bei Semper Constantia, dem Handelsblatt.

Zusammen halten die Investoren rund um das Wiener Institut etwa 15 Prozent und haben dafür gut zehn Millionen Euro investiert. Zu den größten Aktionären zählt inzwischen aber auch die US-Investmentbank Goldman Sachs. Sie überschritt neulich die Meldeschwelle von fünf Prozent. Praktiker, die Nummer drei unter Deutschlands Baumärkten hinter Obi und Bauhaus, hat ansonsten eine stark zersplitterte Aktionärsstruktur mit hohem Streubesitz.

De Krassnys Konzept sieht vor, dass der Umsatzanteil der Max-Bahr-Märkte in den kommenden drei Jahren von derzeit rund 33 auf mehr als 55 Prozent ansteigt. Dazu sollen Praktiker-Märkte, von denen es 234 in Deutschland gibt, auf das Konzept von Max Bahr umgestellt werden. Inzwischen hat die kriselnde Baumarktkette bereits damit begonnen, die ersten Praktiker-Märkte dicht zu machen. Wie viele insgesamt geschlossen werden, ist noch unklar. 30 Filialen gelten als unrentabel.

Max Bahr kommt ursprünglich aus Hamburg und ist mit seinen 78 Märkten deshalb traditionell stärker in Norddeutschland vertreten, soll aber künftig weiter nach Süden vorrücken. Praktiker will de Krassny als Discount-Marke positionieren. Das Unternehmen selbst wollte sich zu den Plänen nicht äußern.


Showdown um Chef Fox

"Das Konzept liegt nahe, aber die Umsetzung dürfte mehr Zeit in Anspruch nehmen, als Praktiker aktuell zur Verfügung steht", sagt Thomas Roeb, Handelsexperte der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und Berater von Praktiker. "Max Bahr stellt in Sachen Beratung und aktiver Verkauf grundlegend andere Anforderungen an die Mitarbeiter als Praktiker es tut. Und eine Umschulung ist auf dem Papier sehr viel leichter als in der Praxis."

Thomas Fox dagegen, ehemals Sanierer bei Karstadt und seit Anfang Oktober Praktiker-Chef, hält am Image als günstiger Baumarkt mit einer klaren Preis- und Markenhierarchie fest. Er will die Praktiker-Märkte modernisieren und mit Extras wie Kundenlotsen am Eingang oder digitalen Fliesenterminals aufwerten. Die Schließung einzelner Märkte steht in beiden Konzepten, die genaue Zahl ist allerdings noch offen.

Auch bei den Kosten der Sanierung gibt es Unstimmigkeiten. Fondsmanagerin de Krassny rechnet damit, dass sie für ihr Konzept gut 120 Millionen Euro benötigt. Fox hat auf Basis eines Gutachtens von Boston Consulting im vergangenen Dezember etwa 300 Millionen Euro veranschlagt. "Man könnte die Sanierung auch mit deutlich weniger beginnen", glaubt BHF-Analyst Peter Steiner.

Sollte sich der Aufsichtsrat von Praktiker in den nächsten Wochen für die Pläne der Investoren rund um Semper Constantia entscheiden, wollen diese ihre Anteile auf bis zu 25 Prozent aufstocken und zugleich die Finanzierung der Sanierung sicherstellen. Dann könnte es für Praktiker-Chef Fox eng werden, denn die Aktionärsgruppe hält es für besser, wenn Praktiker einen neuen Vorstand mit erfahrenen Managern aus dem Baumarktgeschäft bekäme. Thomas Fox sei zwar ein ausgewiesener Sanierer, habe jedoch nur wenig Erfahrung mit der Do-it-yourself-Branche. Die Suche nach geeigneten Kandidaten läuft bereits.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 02.05.2012, 14:57 UhrNichtDumm

    Macht doch endlich Schluss mit diesem Leid.

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