
DüsseldorfMassive Vorwürfe hatte die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) im Auftrag der Christlichen Initiative Romero vor fünf Jahren nach einer ersten Befragung von Mitarbeitern in den Textil-Zulieferbetrieben von Lidl, Aldi und Kik erhoben. Eine aktuelle Befragung in Bangladesch, China, Indien und anderen Billiglohnländern zeigt: Die Situation ist nach wie vor verheerend.
Die Umfrage belegt: Die Mehrheit der Mitarbeiter schuftet weiterhin ohne einen Arbeitsvertrag, Überstunden zwischen 30 und 100 Stunden monatlich sind eher die Regel als die Ausnahme und werden nicht ausreichend bezahlt. „Das Arbeitspensum ist de facto so immens, dass es nicht ohne Überstunden zu schaffen ist“, sagt Sandra Dusch Silva von der Christlichen Initiative Romero.
Eine Sechs-Tage-Woche und Arbeitsschluss um Mitternacht sei daher nichts Ungewöhnliches. Gewerkschaftliche Organisierung wird nach wie vor unterbunden und Diskriminierung von Frauen, von verbalen Drohungen bis hin zur sexuellen Misshandlung, gehört auch weiterhin zum Alltag in den Fabriken. Dort arbeiten vorwiegend Frauen als Näherinnen.
„Das Sündenregister der Discounter ist skandalös“, sagt Dusch Silva. Damals hatten die deutschen Billig-Supermärkte Besserung gelobt. Während Aldi keinerlei Anstrengungen unternahm, führten Lidl und Kik Trainings bei Produzenten in Bangladesch und China durch. Doch die hätten nichts mit der arbeitsrechtlichen Situation der Arbeitnehmer zu tun gehabt, sondern beispielsweise mit Brandschutz- und Sicherheitsmaßnahmen, sagt Dusch Silva.
Hinzu komme, dass an diesen Trainings vorwiegend das mittlere Management nach der Arbeitszeit teilgenommen habe. Von den einfachen Arbeitern seien nur vereinzelt welche ausgewählt worden. „Aldi, Lidl und Kik hängen sich ein Sozialmäntelchen um“, kritisiert sie.
Befragt wurden 162 Arbeiter in zehn Zulieferbetrieben in Billiglohnländern wie Bangladesch, China und Indien. Ursprünglich waren es sogar elf Betriebe. „Aber in einer Fabrik, die für Aldi produziert, mussten wir die Befragung abbrechen“, sagt Dusch Silva. Dort sei den Frauen mit Jobverlust, Gewalt und sogar einer Gefängnisstrafe gedroht worden, wenn sie an der Befragung teilnehmen.













