Küchenhersteller in der Krise: Alnos letzte Chance

ThemaEinzelhandel

Küchenhersteller in der Krise: Alnos letzte Chance

Bild vergrößern

Seit April gehen in Deutschland die Käufe für Küchen zurück. Dies betrifft auch Küchenhersteller Alno.

von Thomas Glöckner

Der Kauf des Wettbewerbers AFP ist die letzte Chance für den Küchenhersteller Alno. Bringt die Übernahme nicht die erhofften Kosteneinsparungen, wird es eng für Firmenchef Max Müller.

Max Müller gibt sich selbstkritisch. „Ich habe einen Fehler gemacht“, räumt der 68-Jährige ein. Der Vorstandschef des Küchenbauers Alno aus dem baden-württembergischen Pfullendorf meint seinen Einstieg in das seit Jahren kriselnde Unternehmen. Müller war im Zuge einer Kapitalerhöhung bei Alno gelandet, zu der er zusammen mit Partnern im Frühjahr 2011 rund 15 Millionen Euro beigesteuert hatte. Als der damalige Alno-Vorstandsvorsitzende Jörg Deisel das Unternehmen kurz darauf verlassen musste, ernannte der Aufsichtsrat Müller zu dessen Nachfolger.

Inzwischen weiß der frühere Chef der Adler-Bekleidungsmärkte, worauf er sich eingelassen hat. Müller, mit 5,4 Prozent an Alno beteiligt, hält Aktien an einem Pennystock. Und auch die übrigen Aktionäre „hatten seit dem Börsengang 1995 sehr wenig Freude an ihrem Investment“, sagt Harald Klein von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Anzeige

Kitchen Aid, Thermomix und Co. Küchen-Accessoires werden zum Statussymbol

Die Deutschen lieben ihre Küchen. Dafür geben sie gerne auch den Gegenwert eines Kompaktwagens aus. Doch keine ist ohne das passende Accessoire vollständig – die Küchenmaschine ist das neue Must-have.

Quelle: Presse

Der zweitgrößte deutsche Küchenhersteller, mit seinen Marken Alno, Wellmann, Impuls und Pino in allen Preissegmenten vertreten, steckt immer noch in der Krise, ein Ende ist nicht absehbar. Der Umsatz fiel 2013 um 11,5 Prozent auf 395 Millionen Euro zurück, unter dem Strich blieb ein Verlust von 10,7 Millionen Euro. Bei jeder der insgesamt 370 000 verkauften Küchen setzte das Unternehmen im Schnitt knapp 30 Euro zu.

Kaum Käufer für Küchen

Alno bewegt sich in einem schwierigen Markt. 2013 stagnierte der Umsatz mit Küchen in Deutschland bei rund zehn Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2014 registrierten die Hersteller zwar mehr Aufträge und höhere Umsätze. Zwischen April und Juni zeigte sich im Inland aber schon wieder „eine deutliche Beruhigung“, beklagt Lucas Heumann, Hauptgeschäftsführer beim Verband der Holz- und Möbelindustrie.

Die Aussichten sind nicht viel besser. Bis Jahresende werde der Markt allenfalls „leicht wachsen“, warnt Jürgen Weyrich, Küchenexperte beim Nürnberger Marktforscher GfK Retail and Technology. 2015 dürfte das Geschäft mit Herden und Hängeschränken voraussichtlich nur das „jetzige hohe Absatz- und Umsatzniveau“ erreichen, erwartet der Branchenexperte.

Auf das Umfeld kann sich Müller, der am Freitag Halbjahreszahlen für Alno präsentiert, aber nicht berufen. Mitbewerber wie Nobilia machen vor, dass Unternehmen selbst mit Mobilien, die Bundesbürger im Schnitt nur alle 17 bis 18 Jahre erneuern, wachsen können. Der Marktführer aus dem ostwestfälischen Verl hat seinen Umsatz 2013 um fast drei Prozent auf 923,4 Millionen Euro und den Marktanteil von 29,9 auf 30,5 Prozent gesteigert.

Die Probleme beim einstigen Branchenprimus, heute die Nummer zwei im deutschen Markt vor Häcker Küchen aus Rödinghausen bei Bielefeld, sind hausgemacht. „Alno hat jahrelang an der Demontage seines Rufes gearbeitet“, ätzt ein hochrangiger Manager der Branche. Ständige Wechsel im Top-Management haben das 1927 vom Schreiner Albert Nothdurft („Alno“) gegründete Traditionsunternehmen fast ruiniert.

In neun Jahren gaben sich in Pfullendorf fünf Vorstandschefs die Klinke in die Hand. 2010 verlegte Müller-Vorgänger Jörg Deisel den Firmensitz nach Düsseldorf, ein Jahr später ging es zurück. Sanierungsprogramme blieben ohne durchschlagende Wirkung. „Ich kenne kein Unternehmen, das fünf Strategiewechsel in neun Jahren erträgt“, sagt Müller.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%