Kultbrause: Bionades Ankunft in der Banalität

KommentarKultbrause: Bionades Ankunft in der Banalität

von Mario Brück

Die Bionade-Gründer ziehen sich vollständig aus dem Öko-Brause-Unternehmen zurück. Der Untergang des politisch-korrekten und vollkommen überschätzten "Kultgetränks" im Markenportfolio von Radeberger ist in Reichweite und wäre nicht schade.

„Die Radeberger Gruppe und die sympathische Marke Bionade aus Ostheim vor der Rhön rücken in Zukunft noch enger zusammen: Peter und Stephan Kowalsky trennen sich von ihrem 30 Prozent Anteil an dem Joint Venture mit der Radeberger Gruppe. Die Gründerfamilie zieht sich mit diesem Schritt aus dem Unternehmen zurück“, teilt die Frankfurter Getränke-Tochter des Bielefelder Oetker-Konzerns heute Morgen mit.

Um es gleich zu sagen: Ich gehöre nicht zu denen, die mit Bionade irgendwelche Emotionen verbinden. Bionade war mir immer schnuppe, und auch nie sympathisch. Und jetzt, wo Bionade endgültig im laut Eigenwerbung „einzigartigen Markenportfolio“ der Radeberger-Gruppe untergeht, muss ich sagen: Na und?

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Bionade war ein Trend, eine Modeerscheinung. Und Moden und Trends sind irgendwann zu Ende. Zum Glück. Sonst würden wir heute immer noch mit bunten Sakkos, Minipli oder Schulterpolstern durch die Gegend rennen und Eckes-Edelkirsch trinken.

Symbol für Kommerz und Moral

Seit Jahren schon gingen mir die Heldengeschichten und anschließend der tränenreiche Niedergang der Marke ziemlich auf die Nerven.

Was wurde in diese bitter schmeckende, überteuerte Brause nicht alles hineininterpretiert: Gesund, biologisch, wohlschmeckend. Ein Symbol für urbanen Lebensstil, das Ethik und Luxus, Kommerz und Moral in einer Pulle vereint.

FAQ - Das Kultgetränk Bionade

  • Die erste Bio-Limonade

    Nach Angaben des Unternehmens war Bionade die erste Limonade, die ökologisch hergestellt wurde. 1995 entstand die Biobrause im bayerischen Ostheim. In der Privatbrauerei Peter entwickelte Diplom-Braumeister Dieter Leipold die Rezeptur für das heutige Kultgetränk. Die Zutaten sind laut Bionade GmBH alle biologisch angebaut. Die Biobrause wird nach dem gleichen Gärungsprinzip hergestellt wie beim Bierbrauen. Der zentrale Unterschied: Der Zucker wird nicht zu Alkohol vergärt.

  • Die Umsatzentwicklung

    Nach zehn Jahren etablierte sich Bionade auf dem Markt und entwickelte sich rasant zum Kultgetränk. Während der Umsatz 2003 bei rund zwei Millionen Flaschen lag, stieg er 2004 auf sieben Millionen Flaschen. 2005 ging es dann in den zweistelligen Millionen Bereich bis man ein Jahr später bereits den Verkauf von 70 Millionen und 2007 dann den Verkauf von rund 200 Millionen Flaschen vermelden konnte. Dann brach der Umsatz ein: 2008 verkauften sich etwa 150 Millionen Bionade-Flaschen. Danach ging der Umsatz weiter zurück. 2011 soll es erstmals wieder aufwärts gegangen sein, sagt Radeberger.

  • Das Bionade-Sortiment

    Heute gibt es die Biobrause Bionade insgesamt in fünf Geschmacksrichtungen: Quitte, Litschi, Holunder, Kräuter und Ingwer-Orange.

Ach ja, ein politisch-korrektes Kultgetränk war Bionade natürlich auch, Lebensbegleiter für Lohas, Durstlöscher für eine ganze Generation. „Wo Red Bull biochemisch konkret die Körpersäfte in Wallung bringt, wirkt Bionade eher auf das geistige Zentrum des Verbrauchers. Mentales Wohlbefinden beim Konsum“, sprudelte es aus einem Journalistenkollegen.

Ich kann mich an Zeiten erinnern, als ich im Hochsommer in einer selbsternannten Düsseldorfer-Szene-Kneipe mit hipper Außengastronomie einfach nur eine Sprite, Pepsi oder Fanta zischen wollte. Ging aber nicht. "Trink Bionade!" schrieb das gastronomische Diktat vor. Soll der Wirt sie doch selber trinken!

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