Landwirtschaft: Bauernhöfe werden digital

Landwirtschaft: Bauernhöfe werden digital

, aktualisiert 02. November 2016, 15:54 Uhr
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Rund 45 Prozent der Landwirte rechnen bis zum Jahr 2030 den Durchbruch für den Drohneneinsatz in der Landwirtschaft.

von Bert FröndhoffQuelle:Handelsblatt Online

Vernetzte Traktoren, Feldüberwachung aus der Luft: Der Bauer der Zukunft soll sein Geschäft per Datenanalyse steuern. Wo die Landwirte die größten Chancen sehen, zeigt eine neue Studie.

DüsseldorfGroße Rinder- oder Schafherden zu hüten, das war mal der Job von Cowboys und Schäfern. Von ihnen gibt es heute nur noch wenige. Längst hat moderne Technik ihre Aufgaben übernommen. Und das dürfte in den kommenden Jahren noch deutlich zunehmen – etwa durch den Einsatz von Drohnen. Die fliegenden Überwachungskameras könnten eines Tages helfen, auf große Tierherden aufzupassen.

Das ist aber nur eine Fähigkeit der Drohnen, mit der Landwirte ihre Arbeit verbessern wollen. Unbemannte Flugobjekten können Äcker samt Pflanzenbestand millimetergenau vermessen. Die gewonnenen Daten sollen dazu genutzt werden, Pflanzenschutzmittel gezielter einzusetzen. Rund 45 Prozent der Landwirte rechnen bis zum Jahr 2030 den Durchbruch für den Drohneneinsatz in der Landwirtschaft.

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Das ergab eine aktuelle Umfrage, die der IT-Verband Bitkom und der Deutsche Bauernverband unter 521 deutschen Bauern gestartet haben. Sie fragten nach den Chancen und der Nutzung digitaler Landwirtschaftstechnik. Die Drohnen sind nur ein Teil davon: Es geht um vernetzte und autonom fahrende Traktoren und Erntemaschinen, um die Analyse von Wetter- und Bodendaten oder um die Webcam im Stall. Knapp 90 Prozent der Bauern erwarten, dass die Digitalisierung ihre Arbeit effizienter und auch umweltschonender machen wird.

Die deutschen Landwirte investieren bereits heute verstärkt in IT und Digitaltechnik, beobachten Bitkom und Bauernverband. 40 Prozent besitzen Landmaschinen, mit denen die Bodenbearbeitung, Aussaat, Pflanzenpflege und Ernte digital erfolgt. Aber auch im Stall zieht die Steuerung per Datenanalyse ein: Mithilfe von Software wird in rund der Hälfte der deutschen Höfe die Fütterung der Tiere individuell zugeschnitten. Die Bauen sammeln Daten über die Nahrungsaufnahme, mit denen sie beispielsweise erkrankte Tiere, die zu wenig fressen, schnell erkennen können. Roboter werden mancherorts bereits beim Melken und zur Säuberung der Ställe eingesetzt, ergab die Umfrage. 

Mit Hilfe der Digitaltechnik wollen die Bauern auch den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmittel senken. An der dafür nötigen Software arbeiten unter anderem Agrochemiekonzerne wie Bayer und Monsanto. Ihre Vision: Der Landwirtschaftsbetrieb der Zukunft ist komplett vernetzt. Sensoren im Boden und detaillierte Luftaufnahmen liefern permanent Daten über den Zustand der Pflanzen. Dazu kommen Daten über die Wetterentwicklung. All das soll auf dem Tablet des Bauern zusammenfließen.

Dieses so genannten Digital Farming dürfte zu einem rasant wachsenden Geschäft werden. Nicht nur die Agrarchemieanbieter, auch Landtechnikspezialisten wie Claas und Agco arbeiten an Geräten und Programmen. Bei der 66 Milliarden Dollar schweren Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto durch Bayer spielt das Thema eine entscheidende Rolle: Beide wollen zusammen zum Vorreiter der digitalisierten Landwirtschaft werden. 

Monsanto hat kräftig in dieses Geschäft investiert. Die Tochtergesellschaft Climate Corp. gilt als mittlerweile als Perle im Konzern: Mit Hilfe ihrer Systeme sollen Farmer hochspezifische Wetter- und andere Daten so auswerten, dass sie ihren Anbau optimieren können.

Selbst die Webcam im Stall könnte den Bauern nach eigenem Bekunden nützen. Laut der Umfrage von Bitkom und Bauernverband erwartet die Mehrheit, dass die Digitalisierung den Verbraucher näher an den Hof bringt und dabei hilft, das gekauft Produkt zurückverfolgen zu können. Natürlich macht die Digitalisierung den Bauern auch Sorgen - etwa ein mangelnder Datenschutz oder auch die höhere Transparenz: Rund die Hälfte der befragten Bauern befürchtet mehr staatliche Kontrollmöglichkeiten durch die Digitalisierung.

Quelle:  Handelsblatt Online
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