Lebensmittel per Mausklick: Nie wieder Schlange stehen

Lebensmittel per Mausklick: Nie wieder Schlange stehen

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Selber einkaufen? Warum nicht einfach einkaufen lassen? Online-Lieferdienste machen es möglich.

von Nele Hansen und Henryk Hielscher

Erst waren es nur Bücher, dann Elektronik, Haushaltsgeräte und Mode. Jetzt kommen in der nächsten Stufe Lebensmittel in den Online-Handel. Obst, Fleisch, Mehl und Nudeln aus dem Netz – wie es funktioniert, was es kostet und wer von diesem Wandel profitiert.

Eigentlich müsste Norbert Fuchs an diesem Mittwochnachmittag wieder durch einen Supermarkt im Düsseldorfer Stadtteil Unterrath hetzen: Wasserflaschen, Brot und Nudeln, Popcorn, Obst und Gemüse, Zigaretten – alles in den Einkaufswagen legen, an der Kasse Schlange stehen, bezahlen, einpacken, zurück nach Hause hetzen. Eineinhalb Stunden gehen darüber schnell herum. Doch Fuchs hat Besseres zu tun: Der T-Shirt-Händler bedruckt oder bestickt Klamotten mit neuen Motiven in seinem Laden.

Stattdessen schiebt nun Youssef Majteti für ihn den Einkaufswagen durch einen Rewe-Markt im Düsseldorfer Süden, wo alle Online-Bestellungen zusammengestellt werden. Früher hat der 23-jährige Majteti als Tankwart gearbeitet, seit zwei Monaten packt er Einkäufe bei Rewe. Majteti hält einen elektronischen Einkaufszettel in der Hand, der Fuchs’ Einkaufswünsche anzeigt, scannt jede bestellte Ware ein und legt sie in den Einkaufswagen. Anschließend verstaut er Milch, Quark und Butter in einem Kühlschrank, die Kiste mit Nudeln und die Dosentomaten kommen in ein Regal. Am nächsten Morgen ergänzt Majteti frische Waren wie Obst und Gemüse, bevor ein Fahrer von Rewe die Waren abholt und sie bei Fuchs und anderen Bestellern vorbeibringt.

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Das Ende des Schleppens

Noch zählt der Düsseldorfer zu einer winzigen Avantgarde in Deutschland – Kunden, die ihre Lebensmittel übers Internet einkaufen. Lange wird ihm die Sonderrolle nicht mehr beschieden bleiben: Logistiker und Händler bereiten gerade mit Macht die nächste Revolution im Handel vor – den Verkauf auch von Lebensmitteln für den täglichen Bedarf im Internet.

E-Commerce Briten shoppen Lebensmittel gerne online

Bis 2018 soll sich der Online-Umsatz mit Lebensmitteln verdoppeln. In Großbritannien ist der Wocheneinkauf per Mausklick schon zum Alltag geworden.

Eine Kundin bei Click & Collect Quelle: REUTERS

"Unser Ziel ist es, dem Online-Lebensmittelhandel in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen", tönt Andrej Busch, der bei der Deutschen Post DHL das Paketgeschäft leitet. "Ich habe noch nie verstanden, dass man sich die leichten Sachen wie Bücher oder CDs bestellt und die schweren Lebensmittel selbst nach Hause schleppt", ergänzt Briefvorstand Jürgen Gerdes, der die Post für den Lebensmittelhandel rüsten will.

Können Workaholics, Freizeitfanatiker und gestresste Eltern bald gleichermaßen aufatmen? Nie wieder schleppen, weder an Fleischtheken noch an Kassen anstehen, keine trödelnden Kunden vor einem oder rabiate Drängler im Rücken – endlich gehören Feierabend und Samstag ausschließlich mir oder der Familie?

Noch ist der Online-Anteil im Lebensmittelhandel verschwindend klein. Waren im Wert von etwa 500 Millionen Euro gelangen derzeit online zum Kunden. Das sind bei einem Gesamtumsatz von rund 200 Milliarden Euro gerade einmal zwischen 0,2 und 0,3 Prozent. Und das Gros der Waren im Internet-Handel besteht aus erlesenen Weinen oder anderen Delikatessen.

Von den Delikatessen zum Wocheneinkauf

Doch die Prognosen zeigen steil nach oben. "Jetzt kauft man noch italienische Trüffel übers Internet, am Ende aber wird sich Alltagsbedarf wie Nudeln und Toilettenpapier durchsetzen", glaubt Thomas Netzer, Partner und Logistikexperte bei der Unternehmensberatung McKinsey in Köln. Netzer und seine Berater-Kollegen von Accenture oder A.T. Kearney erwarten, dass sich der Online-Lebensmittelhandel bis 2020 auf einen Anteil von drei bis fünf Prozent am Gesamtmarkt mehr als verzehnfacht. Das wären dann bis zu zehn Milliarden Euro.

2013 stieg der Anteil der Lebensmittel-Online-Shopper gegenüber 2011 um 50 Prozent von 18 auf 27 Prozent der Befragten, belegt eine aktuelle A.T.-Kearney-Studie. "Insbesondere Familien mit zwei Kindern, bei denen die Eltern viel arbeiten und wenig Freizeit haben, kaufen immer mehr übers Internet", sagt Jochen Hiemeyer, Handelsexperte bei Accenture. Als besonders netzaffin gelten 30- bis 50-Jährige und junge Singles – sie kaufen nun zunehmend auch Lebensmittel im Web.

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5 Kommentare zu Lebensmittel per Mausklick: Nie wieder Schlange stehen

  • Erst einmal vorweg: Die Menschen, die wirklich etwas davon hätten, werden nicht erreicht. Ich meine damit die Renter, gesundheitlich eingeschränkte Menschen und Menschen, in deren Ortschaften es keine Einkaufsmöglichkeit mehr gibt.

    Was mich persönlich abstößt, ist die Tatsache, dass kaum frisches Obst und Gemüse angeboten werden kann, welches ich für die Ernährung für wichtig halte.

    Aus sozialen Gesichtspunkten genieße ich das abendliche Einkaufen. Man trifft Bekannte, kann sich austauschen, verabreden etc. und auch persönlich die Qualität der Ware überprüfen. Was tut man, wenn die Qualität der Ware schlecht ist oder die Ware beschädigt ist beim Online-Einkauf ? Holt die dann jemand ab oder muss man diese erst verpacken und zurückschicken ? Damit hätte man wieder Lauferei, also kann man auch gleich selbst einkaufen gehen.

    Die Lebensmittelgeschäfte sind mittlerweile lange geöffnet, so dass jeder die Möglichkeit zum Einkauf hat. Für mich persönlich kommt das garantiert nicht in Frage.

  • @Joselyn

    richtig! Auch ich gehe gerne einkaufen. Mir ist es etwas wert, in einem richtigen Supermarkt frische und gute Produkte einzukaufen und nicht aus einem beschränkten Onlineangebot zwischen Konserven und Junkfood wählen zu müssen. Mir ist es auch einen Aufpreis wert, eine gute Einkaufs-Infrastruktur im Stadtviertel zu erhalten und am Ende nicht mehr nur die Konsumtempel am Stadtrand oder Logistiklager eines Onlinehändlers zu haben.

    Die einleitenden Argumente des Artikels kann ich nicht nachvollziehen.
    Mal ehrlich, wie lange steht man an einem normalen Tag wirklich an einer Kasse? Sind es wirklich mehr als 5min? Bei mir nie. Und den Paketdienst möchte ich erleben, der mir auf 5min genau meinen Online-Einkauf vorbeibringt. In der Realität sind die Zeitfenster stundenlang. Zeit, die ich nicht anderweitig für etwas anderes nutzen kann. Und wenn ich gerade auf dem Klo hocke, kommt die Post und verschwindet nach 1x Klingeln wieder. Ich darf dann in den kommenden Tagen das Paket irgendwo abholen kommen. Wenn ich das Paket dann habe, dann darf ich mich später darum kümmern, wo ich all die Kartons und Verpackungen zwischenlagere und entsorge. Dieses nervige Prozedere ist auch der Grund, warum ich auch für alle anderen Produkte nur im Notfall etwas online bestelle.

  • Statt an der Kasse zu stehen, sitzt man beim Onlineeinkauf stundenlang zu hause und wartet auf den Paketdienst.
    Wo soll denn da der Vorteil sein?

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