Lebensmittelpreise : Deutsche Verhältnisse schwappen nach Großbritannien über

Lebensmittelpreise : Deutsche Verhältnisse schwappen nach Großbritannien über

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Eine Aldi-Filiale in der Innenstadt von Manchester (Großbritannien).

In keiner Industrienation sind die Lebensmittelpreise so niedrig wie in Deutschland, zeigt eine neue Studie. Jetzt greift der Discounter-Effekt auch auf andere Länder über.

Der deutsche Lebensmittelhandel ist günstig wie kein anderer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Marktforschungsinstituts IRI. Untersucht wurden 14 Länder in Europa sowie die USA.

Verglichen haben die Marktforscher dabei Warengruppen, die in allen betrachteten Ländern relevant sind: etwa Milch, Butter, Bier, Energydrinks und Tiefkühlpizza. Hieraus konzipierten sie einen Warenkorb, dessen Durchschnittspreis über die normierten Preise errechnet wird, die Konsumenten pro Kilogramm oder Liter ausgegeben haben.

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Die zugrunde gelegten Preise basieren auf den Kassendaten der Supermarktketten und Discounter in den jeweiligen Ländern.

Die Ergebnisse im Überblick

  • USA

    In den USA ist das Preisniveau vergleichsweise hoch: In Euro umgerechnet kostete ein repräsentativer Warenkorb im letzten Quartal des vergangenen Jahres durchschnittlich 31,54 Euro. Im Vergleich zu 2014 (30,03 Euro) sind die Waren deutlich teurer geworden.

    Quelle: IRI Preisvergleich

  • Griechenland

    Im europäischen Raum hat die Eurokrise deutliche Spuren hinterlassen. Die Preise in Griechenland steigen weiter. Während ein repräsentativer Warenkorb 2014 noch für 29,86 Euro zu haben war, kosteten die gleichen Produkte ein Jahr später schon 31,35 Euro.

  • Italien

    Mit einem durchschnittlichen Warenkorbwert von 30,08 Euro liegt auch Italien im oberen Preissegment. Im Vergleich zu 2014 (29,99 Euro) ist der Preis nur minimal gestiegen.

  • Frankreich

    In Frankreich lag der Preis für einen repräsentativen Warenkorb 2015 bei 26,48 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist er um nur zwei Cent gestiegen.

  • Vereinigtes Königreich

    Im europaweiten Vergleich ist das Preisniveau im Vereinigten Königreich relativ niedrig. 2015 hat ein Warenkorb durchschnittlich 22,14 Euro gekostet. Im Vergleich zum Vorjahr (22,53 Euro) ein kleiner Preissturz.

  • Spanien

    Neben Deutschland und den Niederlanden ist Spanien das günstigste Land mit 21,36 Euro für einen repräsentativen Warenkorb. Im Vergleich zu 2014 (21,31 Euro) ist das Preis relativ stabil geblieben.

  • Niederlande

    Auch die Niederländer können sich freuen: Für 21,09 Euro war im letzten Quartal des Jahres 2015 ein durchschnittlicher Warenkorb zu haben. Und damit noch etwas günstiger als 2014 (21,14 Euro).

  • Deutschland

    Deutschland ist mit einem durchschnittlichen Warenkorbwert von 21,01 Euro das preislich günstigste Land im internationalen Vergleich. Auch hier ist das Preisniveau im Vergleich zu 2014 noch um zwei Cent gesunken.

In Deutschland kostet dieser Warenkorb 21,01 Euro. Zum Vergleich: In den USA, wo der Warenkorb mit am teuersten ist, geben Konsumenten 31,54 Euro aus - gemessen an Deutschland also 50 Prozent mehr. In Griechenland kostet der Warenkorb 31,35 Euro.

Laut Marco Sinn, Business Development Manager bei IRI, hat der niedrige Preis in Deutschland drei Gründe: „Der langjährige starke Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel, die hohe Bedeutung der Discounter und der niedrige Ausgabenanteil für Lebensmittel am gesamten privaten Konsum.“

Ähnlich wie in Deutschland sind auch die Preisniveaus in den Niederlanden (21,09 Euro) und Spanien (21,36 Euro). Auf dem besten Weg in die Liga der Niedrigpreisländer ist auch Großbritannien.

Lag der Preis für den Warenkorb Ende 2014 noch bei 22,53 Euro, fiel er bis Ende 2015 auf 22,14 Euro. Oder relativ ausgedrückt: War der britische Warenkorb Ende 2014 noch 19 Prozent teurer als der Deutsche, waren es Ende 2015 nur noch fünf Prozent.

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Eine Mitschuld daran trägt laut Sinn ein deutscher Discounter: „In Großbritannien hat sich in der letzten Zeit ein stärkerer Preiswettbewerb ergeben – auch aufgrund des Markteintritts von Aldi.“

Um wettbewerbsfähig zu bleiben mussten britische Lebensmittelhändler wie Tesco oder Sainsbury im Preiskampf mit Aldi nachziehen – eine Erfahrung, die deutsche Supermarkt-Ketten nur zu gut kennen. Die Folge: eine Erosion der Verbraucherpreise um 1,7 Prozent binnen eines Jahres.

Ein weiterer Faktor, der die Preise treibt, sind Eigenmarken. Die sind laut Studie in den drei Ländern mit den niedrigsten Preisen zwischen 40 und 50 Prozent günstiger als die nationalen Marken. „Während dieser Einfluss in Deutschland schon länger zu beobachten war, hatte sich dieser Aspekt seit der Wirtschaftskrise auch in den anderen Ländern verstärkt“, sagt Sinn.

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