Lebensmittelskandal: Warum niemand weiß, wie das Pferd in die Lasagne kam

Lebensmittelskandal: Warum niemand weiß, wie das Pferd in die Lasagne kam

von Kerstin Dämon

Mit Billig-Lasagne fing alles an. Dann gerieten auch andere Fertiggerichte in den Verdacht, Pferdefleisch zu enthalten. Wie das Fleisch in die Produkte gekommen ist, kann sich niemand erklären. Im Lieferkettendurcheinander blickt keiner durch.

Natürlich kann niemand erwarten, für 1,49 Euro 500 Gramm feinstes Rindfleisch zu bekommen. Wer fertige Billigprodukte kauft, erwartet wahrscheinlich auch keine Haute cuisine. Nur: Betrogen werden darf eben niemand, da sind sich alle einig. Wo Rindfleisch draufsteht, muss Rindfleisch drin sein und wo Pferdefleisch drauf steht, muss Pferdefleisch drin sein.

Zu Recht verlangen nun Verbraucherschützer samt Ministerin bessere Kontrollen. Doch auch Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) gibt zu, dass es nicht leicht sein wird, die Lieferkette vom Kühlregal bis zur Weide zurückzuverfolgen. In der ARD-Sendung "Hart aber fair" sagte sie, dass sie davon ausgehe, dass es sich um ganz legal geschlachtetes Pferdefleisch handele, das dann "irgendwo auf der Strecke umgewidmet" worden sei. Dies aufzuklären sei "eine Detektivarbeit".

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Undurchsichtige Transportwege

Dass es innerhalb der EU mitunter irre Transportwege für Schlachtvieh gibt, ist nichts Neues: Subventionen sei Dank ist es oft günstiger, ein Schwein in Spanien zu kaufen, es zum Schlachten nach Polen zu kutschieren und es dann von dort aus nach Deutschland zu bringen, als es direkt vor Ort zu schlachten und zu verwursten.

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Quelle: dpa

Bei verarbeitetem Fleisch sind die Lieferketten oft noch viel undurchsichtiger und die Zwischenschritte zahlreicher. Bis das Tiefkühlhackfleisch beim Betrieb angekommen ist, der es dann mit Tomatensauce, Nudeln und Käse abpackt, hat das Fleisch oft schon zig mal den Besitzer gewechselt. Edeka, Rewe oder die Discounter sind - vor dem Kunden - das letzte Glied in einer langen Lieferkette. Den wahren Ursprung zu finden, ist fast unmöglich.

Preisdruck lädt zum Betrügen ein

So sind in diesem Fall die ersten Fundorte England und Irland gewesen, das Fleisch ließ sich aber unter anderem nach Frankreich und Rumänien zurückverfolgen. Wann und wo genau das Pferdefleisch zum Rindfleisch umetikettiert wurde, ist bis heute nicht klar. Ob der Verursacher überhaupt bekannt wird, ist ebenfalls mehr als fraglich. Denn um die Kosten für den Transport zu drücken, setzen die Metzger, die das Schlachtvieh aufkaufen, auf Masse. Je mehr Rind, desto Mengenrabatt. Statt also nur bei einem Bauern 30 Rinder für die deutsche Tiefkühl-Lasagne aufzukaufen, bestellen sie Rinder aus dem ganzen Umkreis. Hier zehn Tiere, dort 20, beim nächsten Bauern 50. Diese Tiere unterschiedlichster Herkunft werden geschlachtet und das Fleisch geht auf Europareise. Station macht es in verschiedenen Verarbeitungsbetrieben, die ihrerseits von zahlreichen Schlachthöfen ankaufen.

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Der zusammengekaufte Fleischmix wird also von Station zu Station undurchsichtiger. Ob an einem der zahlreichen Stopps Fleisch auf den Laster geladen wird, das nachher nicht in den Inhaltsstoffen erwähnt wird, lässt sich so gut wie nicht kontrollieren. Und dass der Preisdruck auf dem Lebensmittelmarkt manchen Anbieter zu Betrügereien verführt, beklagen Verbraucherschützer seit langem. So koste Pferdefleisch 35 bis 50 Cent je Kilogramm, Rindfleisch bis zu drei Euro, sagt Mecklenburg-Vorpommerns Verbraucherminister Till Backhaus.

Bei der TK-Lasagne für 1,49 Euro lassen sich mit dem günstigen Pferdefleisch also deutlich höhere Margen erzielen. Und da sich Rind- und Pferdefleisch optisch nicht unterscheiden, müssten bei jedem der zahlreichen Zwischenschritte Gentests gemacht werden, um die Gefahr von Vermischungen auszuschließen. Das wäre viel zu teuer und aufwändig, die Billig-Lasagne würde zumindest finanziell zum Luxusprodukt.

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