Lufthansa: Spohr nennt kein Gewinnziel – wegen des Terrors

Lufthansa: Spohr nennt kein Gewinnziel – wegen des Terrors

Quelle:Handelsblatt Online

Skeptisch blickt Lufthansa-Chef Carsten Spohr in die Zukunft – und verkneift sich daher eine konkrete Gewinnprognose für 2016. Die Vorzeichen stehen allerdings schlecht: Im zweiten Quartal brach der Nettogewinn ein.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr scheut angesichts von Terrorangst und Buchungseinbruch ein neues konkretes Gewinnziel für 2016. Der Vorstand habe derzeit keine gute Sicht darauf, wie viele Menschen kurzfristig noch Flüge buchen werden, sagte Finanzchefin Simone Menne am Dienstag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen in Frankfurt. Die Unsicherheit drücke auf die Ticketpreise.

Ende Juli hatte die Lufthansa ihre Prognose für den bereinigten operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) gekappt und geht demnach nur noch von einem Ergebnis unter dem Vorjahreswert von 1,8 Milliarden Euro aus. „Wir werden uns im dritten Quartal sicher klarer zur Jahresprognose äußern“, sagte Menne. Analysten erwarten derzeit im Schnitt etwa 1,45 Milliarden Euro.

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Menne, die in Kürze zum Pharmakonzern Boehringer Ingelheim wechselt, versuchte unterdessen Ängste vor einem möglichen Ausfall der Dividende zu zerstreuen. „Alles, was derzeit an Kennzahlen vorliegt, macht uns dividendenfähig und lässt eine Auszahlung zu“, sagte sie. Das letzte Wort habe aber der Aufsichtsrat.

Womit die Lufthansa ihr Geld verdient

  • Konzernumsatz

    Umsatz (inklusive interner Umsätze): 32,1 Milliarden Euro

    Angaben für 2015

    Quelle: CAPA, Unternehmensangaben

  • Marke Lufthansa

    Umsatz (inklusive interner Umsätze): 16 Milliarden Euro

    Gewinnmarge (Ebit): 5,4 Prozent

  • Swiss

    Umsatz (inklusive interner Umsätze): 4,5 Milliarden Euro

    Gewinnmarge (Ebit): 10,1 Prozent

  • Austrian

    Umsatz (inklusive interner Umsätze): 2,1 Milliarden Euro

    Gewinnmarge (Ebit): 2,1 Prozent

  • Eurowings

    Umsatz (inklusive interner Umsätze): 1,9 Milliarden Euro

    Gewinnmarge (Ebit): 2,0 Prozent

  • Fracht

    Umsatz (inklusive interner Umsätze): 2,4 Milliarden Euro

    Gewinnmarge (Ebit): 0,1 Prozent

  • Wartung

    Umsatz (inklusive interner Umsätze): 5,1 Milliarden Euro

    Gewinnmarge (Ebit): 8,8 Prozent

  • Catering

    Umsatz (inklusive interner Umsätze): 3 Milliarden Euro

    Gewinnmarge (Ebit): 2,8 Prozent

  • Sonstige

    Umsatz (inklusive interner Umsätze): 2,5 Milliarden Euro

    Gewinnmarge (Ebit): -15,2 Prozent

Doch die Vorzeichen stehen schlecht. So ist der Nettogewinn der Lufthansa im zweiten Quartal deutlich gefallen. Die Fluggesellschaft vermeldete am Dienstag einen Rückgang um 17 Prozent auf 437 Millionen Euro. Der Umsatz sank demnach um drei Prozent auf gut 8,1 Milliarden Euro. Finanzvorstand Simone Menne verwies allerdings darauf, dass im zweiten Quartal 2015 Sondereffekte das Ergebnis kräftig angeschoben hatten.

Mit Blick auf das gesamte erste Halbjahr 2016 erklärte der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr, es sei „ein solides Ergebnis“ erwirtschaftet worden. Dazu trug nach Konzernangaben vor allem das Passagiergeschäft bei. Spohr verwies zudem auf Fortschritte bei den „Kostenstrukturen“ und beim Ausbau der Billigtochter Eurowings.

Die größte Ergebnisverschlechterung dagegen verzeichnete den Angaben zufolge die Frachtsparte Lufthansa Cargo. Im Frachtverkehr gebe es derart „massive Überkapazitäten“, dass die durchschnittlichen Erlöse inzwischen auf das Niveau der Finanzkrise von 2009 gefallen seien, erklärte der Konzern.

Wie es bei der Lufthansa besser werden soll

  • Verbesserung des Services

    Service:andere sind besser
    Lösung:mehr und besser maßgeschneiderte Angebote

  • Hohe Kosten

    Kosten:sind zu hoch
    Lösung:schlankere Abläufe und neue Ansätze

  • Notwendige Veränderungen

    Veränderungen:dauern viel zu lange
    Lösung:Probierkultur statt perfekt geplanter Programme

  • Probleme mit der Wartungstochter

    Wartungstochter:Technologievorsprung bröckelt
    Lösung:neue Geschäftsfelder mit anspruchsvolleren Produkten

  • Umgang mit Frachten

    Fracht:wachsende Billigkonkurrenz
    Lösung:automatisierte Abfertigung und neuer Hightechservice

Der Luftfahrtbranche insgesamt steht nach Ansicht von Spohr ein „schwieriges zweites Halbjahr“ bevor. „Die Terroranschläge in Europa, aber auch die zunehmende politische und wirtschaftliche Unsicherheit hinterlassen im Passagierverkehr ihre Spuren“, erklärte er. So seien insbesondere Vorausbuchungen für Langstreckenflüge nach Europa zurückgegangen. Weiterhin sei mit hohem Preisdruck zu rechnen.

Der Lufthansa-Chef steht mit dem eher skeptischen Blick auf die kommenden Monate nicht alleine da. In den zurückliegenden Wochen haben nahezu alle europäischen Fluggesellschaften vor schwierigeren Zeiten gewarnt und teilweise die eigenen Prognosen massiv heruntergefahren. So hatte IAG, Mutterkonzern von British Airways und Iberia, die eigene Vorhersage deutlich nach unten korrigiert, ebenso der britische Billiganbieter Easyjet. Beide leiden nicht nur an den Folgen von Terror und massiven Überkapazitäten; bei ihnen kommen auch noch die Unsicherheiten nach dem Brexit-Votum der Briten sowie der Verfall des Pfund hinzu.

Experten warnen mittlerweile sogar vor einer weltweiten Krise in der Luftfahrt. „Besonders die Ankündigung von American Airlines, 22 bestellte A350 im Schnitt 26 Monate später in Empfang zu nehmen, sorgt für Befürchtungen, dass sich die Airline-Industrie nach den Boom-Jahren langsam auf einen zyklisch bedingten Abschwung einstellen muss“, heißt es in einem aktuellen Report der NordLB.


Hilft die neue Billig-Plattform Eurowings der Lufthansa?

Lufthansa-Chef Carsten Spohr dürfte gespalten auf den sich immer stärker abzeichnenden Abschwung blicken. Einerseits könnten die aufziehenden Wolken ihm dabei helfen, die letzte große Tarifbaustelle zu schließen. Die Piloten und das Management hatten am Montag vereinbart, ihre Verhandlungen über diverse Tariffragen bis zu diesem Freitag zu verlängern.

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

  • Streiks

    13 Mal haben die Piloten der Lufthansa in den vergangenen gut eineinhalb Jahren gestreikt. Die Vereinigung Cockpit sorgt sich, dass die Piloten unter anderem Abstriche Altersvorsorge hinnehmen müssen - und trotzdem immer mehr Jobs aus dem Tarifvertrag ausgelagert werden. Sie liefern dem Konzern deshalb den härteste Arbeitskampf in seiner Geschichte. Das ist nicht der einzige Knatsch mit dem Personal: Die Flugbegleiter von Ufo sind etwas moderater unterwegs, wollen aber auch ihre tariflichen Besitzstände verteidigen.

  • Unklare Produkte

    Carsten Spohr hat die Lufthansa auf eine Strategie mit zwei sehr unterschiedlichen Plattformen festgelegt, die jetzt gerade erst anlaufen. Die Kernmarke Lufthansa soll bei gleichzeitiger Kostensenkung zur ersten Fünf-Sterne-Airline des Westens aufgewertet werden - eine Luxus-Auszeichnung des Fachmagazins Skytrax, die bislang nur Airlines aus Asien und dem Mittleren Osten erreicht haben. Am anderen Ende der Skala steht künftig „Eurowings“, die nur noch als Plattform für die diversen und möglichst kostengünstigen Flugbetriebe des Lufthansa-Konzerns dienen soll. Die ersten Eurowings-Langstrecken ab Köln werden beispielsweise von der deutsch-türkischen Gesellschaft Sunexpress geflogen. Noch komplizierter wird das Angebot durch die Strategie, auf beiden Plattformen jeweils unterschiedliche Service-Pakete anzubieten.

  • Maue Geschäftslage

    So richtig gut läuft es für die Lufthansa mit ihrem schwierigen Heimatmarkt Zentraleuropa eigentlich nur in den Neben-Geschäftsbereichen Technik und Verpflegung. In ihrem Kerngeschäft der Passagier- und Frachtbeförderung fliegt die Lufthansa unter dem Strich Verluste ein. Spohrs Plan, Wachstum nur noch in kostengünstigen Segmenten stattfinden zu lassen, bedeutet eigentlich einen Schrumpfkurs für die Kerngesellschaft der Lufthansa Passage. Doch den Mitarbeitern wird Wachstum auch dort versprochen.

  • Sinkende Ticketpreise

    Sinkende Ticketpreise sind gut für die Passagiere, knabbern andererseits aber an den schmalen Margen der Fluggesellschaften. Bereits im vergangenen Jahr sind die Erlöse auf breiter Front um drei Prozent zurückgegangen. Der zuletzt stark gesunkene Kerosinpreis begünstigt derzeit Gesellschaften, die sich nicht gegen starke Preisschwankungen abgesichert haben. Lufthansa gehört nicht dazu, sondern hat einen Großteil ihres Spritbedarfs für die kommenden zwei Jahre bereits abgesichert und leidet zudem an der ungünstigen Währungsrelation zwischen Euro und Dollar. Um ihre Tickets zu verkaufen, muss sie aber die Kampfpreise der Konkurrenz halten.

  • Starke Konkurrenz

    In regelmäßigen Abständen verlangt Lufthansa politischen Schutz vor dem angeblich unfairen Wettbewerb durch Fluggesellschaften vom Arabischen Golf. Zuletzt stimmten auch die großen US-Gesellschaften in den Chor ein. Aber es bleibt dabei: Emirates, Qatar Airways und Etihad lenken mit immer größeren Flugzeugen tausende Fluggäste aus Europa über ihre Wüstendrehkreuze und haben bereits weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien fest im Griff. Um streitbare Gewerkschaften, hohe Gebühren und Sozialabgaben oder Nachtflugverbote an ihren Heimatbasen müssen sich die Araber keine Gedanken machen. Zudem ändern die europäischen Billigflieger ihr Geschäftsmodell und werden für Geschäftsleute immer attraktiver. So folgt Ryanair dem Vorbild von Easyjet und verlässt die Provinz-Flughäfen. Am Eurowings-Drehkreuz Köln-Bonn treten die Iren demnächst sogar wieder mit Inlandsflügen nach Berlin an.

  • Fehlende politische Unterstützung

    Auf Hilfe aus Berlin oder Brüssel hat die Lufthansa in den vergangenen Jahren meist vergeblich gewartet. Die nationale Luftverkehrssteuer verteuert Tickets für Flugreisen von deutschen Flughäfen. Sie bietet zudem der europäischen Konkurrenz Anreize, Umsteiger auf die eigenen Drehkreuze zu locken. Grenznah lebende Passagiere können gleich ganz auf ausländische Flughäfen und Airlines ausweichen. Den häufig angemahnten nationalen Luftverkehrsplan gibt es auch immer noch nicht. Dafür unsinnige Subventionen für Regionalflughäfen, die bislang das Geschäftsmodell der Billigflieger gestützt haben.

Der detaillierte Ausblick von Europas größter Fluggesellschaft dürfte einen nicht unerheblichen Einfluss auf eine mögliche Einigung haben, lassen sich Kompromisse doch stets einfacher in schwierigen als in gut laufenden Geschäftsjahren verkaufen.

Andererseits hätte Spohr einen noch etwas länger laufenden Boom gut gebrauchen können. Jetzt, da die Nachfrage einbricht, wird sich zeigen, wie gut die Maßnahmen, die der Lufthansa-Chef in den zurückliegenden Monaten mühsam durchgesetzt hat, wirklich greifen.

Hilft etwa die neue Billig-Plattform Eurowings der Lufthansa dabei, besser durch eine mögliche Krise zu kommen? Reichen die Sparmaßnahmen aus, hat Spohr hart genug verhandelt in puncto Kosten? Die sich abzeichnende Krise ist also auch eine Bewährungsprobe für den Lufthansa-Chef selbst.

Quelle:  Handelsblatt Online
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