Luxus zum Leihen: Protzen für einen Tag

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Luxus zum Leihen: Protzen für einen Tag

von Stephan Happel

Einen luxuriösen Wagen für 300 Euro, das Edel-Abendkleid für 50 Euro? Kein Problem. Die meisten Luxusgüter lassen sich tageweise mieten, denn der Markt für Leih-Luxus wächst. Das gefällt nicht jedem.

Mehr als 1000 PS, bis zu 400 Kilometer pro Stunde und eine Innenausstattung aus handvernähtem Leder: Für Autofans ist der Bugatti Veyron ein Traum – zu einem Preis, der für schlaflose Nächte sorgt: 1,1 Millionen Euro kostet der Wagen. Startpreis vor Steuern, versteht sich. Bei Benedikt Lüchinger gibt es das Traumauto bereits für 9900 Euro – pro Tag.

Lüchinger ist Geschäftsführer bei Edel & Stark, einem Limousinen-Service, der in Deutschland, Frankreich und der Schweiz Edel-Karossen an seine Kunden verleiht. Die können auch durchaus eine Nummer günstiger sein als der Bugatti. „Der Preisrahmen startet bei 300 Euro am Tag inklusive 150 Kilometer und endet regulär bei 2390 Euro“, sagt Lüchinger. Ferrari, Lamborghini, Aston Martin, Bentley, Jaguar oder Rolls Royce – der Edel-Autoverleiher verspricht auf seiner Webseite ein großes Leih-Angebot für Luxus-Auto-Fans.

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Die Sharing-Economy erobert den Premiumsektor. Und das in vielen Bereichen. Dutzende Luxus-Verleiher tummeln sich im deutschsprachigen Raum. Sie verleihen tageweise Edelkarossen, Yachten, Handtaschen von Louis Vuitton oder Uhren von Breitling. Und es werden immer mehr. Wer einmal richtig protzen will, kann das schon für vergleichsweise kleines Geld - zumindest für einen Tag.

Luxus-Markt vor der Billionen-Grenze

Der gesamte Luxusmarkt boomt. Nach einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Bain & Company wird mit den besonders teuren und edlen Waren weltweit mehr Geld umgesetzt als jemals zuvor: 865 Milliarden Euro waren es allein im Jahr 2014, sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Noch ist der Anteil der Leih-Luxusgüter daran klein, aber erwächst.

Die umsatzstärksten Luxusgütersegmente 2014

  • Gesamtumsatz des weltweiten Luxusgütermarktes

    Gesamtumsatz: 865 Milliarden Euro
    Wachstum: +7% zum Vorjahr

    Quelle: Bain & Companay/Fondazione Altagamma-Studie zum globalen Luxusgütermarkt 2014: "Luxury Goods Worldwide Market Study"

  • Platz 9

    Luxus-Kreuzfahrten

    Umsatz: 1 Milliarde Euro
    Wachstum: +5% zum Vorjahr

  • Platz 8

    Luxus-Yachten

    Umsatz: 7 Milliarden Euro
    Wachstum: +2% zum Vorjahr

  • Platz 7

    Designermöbel

    Umsatz: 18 Milliarden Euro
    Wachstum: -1% zum Vorjahr

  • Platz 6

    Privat-Jets

    Umsatz: 19 Milliarden Euro
    Wachstum: +9% zum Vorjahr

  • Platz 5

    Luxus-Genussmittel

    Umsatz: 39 Milliarden Euro
    Wachstum: +2% zum Vorjahr

  • Platz 4

    Luxus-Weine und -Spirituosen

    Umsatz: 58 Milliarden Euro
    Wachstum: +5% zum Vorjahr

  • Platz 3

    Luxus-Hotellerie

    Umsatz: 150 Milliarden Euro
    Wachstum: +9% zum Vorjahr

  • Platz 2

    Persönliche Luxusgüter
    (Uhren, Schmuck, Kleidung, Schuhe und Lederwaren)

    Umsatz: 223 Milliarden Euro
    Wachstum: +2% zum Vorjahr

  • Platz 1

    Luxusautos

    Umsatz: 351 Milliarden Euro
    Wachstum: +10% zum Vorjahr

Denn Luxusgüter sind nicht mehr nur für die Superreichen. Auch Menschen mit weniger prallem Geldbeutel leisten sich etwas. „Luxus hat sich in der westlichen Welt soweit demokratisiert, dass heute eigentlich jeder Zugang zu wenigstens ein bisschen Luxus hat. Und auch der Meinung ist, das Recht darauf zu haben“, sagt Martina Kühne, Trendforscherin und Luxus-Expertin am Gottlieb Duttweiler Institut (GDI).

Wer kauft, ist selber schuld

Genau an diesem Punkt setzen die Luxusverleiher an. Die Anbieter machen sich dabei zunutze, dass die Menschen nach wie vor auf Luxus stehen, ihn aber für das eigene Wohlbefinden nicht mehr unbedingt selbst besitzen müssen. Car-Sharing hat es vorgemacht. „Es ist doch fast schon Unsinn, wenn ich mir ein 1000-Euro-Kleid für einen Abend kaufe, wenn ich es auch für 100 bekommen kann“, sagt Anna Mangold.

Sie hat auf dieser Philosophie ein ganzes Start-Up aufgebaut. Seit einem knappen Jahr verleiht sie mit ihrem Unternehmen Laremia im Internet und in einem Berliner Showroom Edelkleider von Kleider von angesagten Designern wie Badgley Mischka, David Meister und Monique Lhuillier.

Der neue Luxus Erlebnisse schlagen Prunk und Protz

Die Luxusbranche steht vor einem großen Umbruch. Statt Bling-Bling zählen andere Werte. Konsum- und Luxusexpertin Martina Kühne erklärt, woher der Wandel kommt - und wie Unternehmen darauf reagieren.

Quelle: Getty Images

Zehn bis zwanzig Prozent des Kaufpreises werden für ein Ausleihkleid fällig. Bei einem Kleid von Catherine Deane für 2.000 Euro Ladenpreis kommt da immer noch ganz schön was zusammen. Im Schnitt liegt der Preis für ein Abend- oder Cocktailkleid zwischen 40 und 100 Euro, bei einer Leihdauer von vier Tagen. Im Preis inbegriffen sind eine Riss- und Fleckenversicherung und die anschließende Reinigung. Wer seinen Wein verschüttet, landet also nicht automatisch im Armenhaus.

Einen mittleren vierstelligen Kundenstamm hat sich Laremia nach eigenen Angaben mittlerweile aufgebaut. Knapp 90 Prozent seien mit dem Service zufrieden, etwa 30 Prozent würden nach dem ersten Mal immer wieder Kleider leihen. Das Interesse am Leih-Luxus sei sogar noch wesentlich größer, erklärt Mangold und verweist auf 17.000 Facebook-Freunde.

Luxus für alle

Ein Edel-Kleid zum kleinen Preis, bestellt per Mausklick. Das kommt offenbar an. „Bei jüngeren, internet-affinen Menschen wächst die Bereitschaft, Dinge online zu leihen, die man nur für einen bestimmten Anlass braucht“, sagt auch Natascha Grüne vom Anbieter Dresscoded, der neben High-Fashion-Kleidern gleich noch die passenden Ketten und Armbänder anbietet. „Ältere Frauen sind skeptischer und bevorzugen oft die persönliche Beratung im Showroom, statt online zu mieten.“

Schon dieser Satz zeigt, dass es den typischen Luxus-Leiher nicht gibt. Von der Abiturientin bis zur 75-Jährigen sind alle dabei.

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