MAEG Holding: Strenesse-Übernahme geplatzt

MAEG Holding: Strenesse-Übernahme geplatzt

, aktualisiert 09. September 2016, 15:22 Uhr
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Strenesse hatte 2014 nach hohen Verlusten einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt.

von Christoph Kapalschinski und Georg WeishauptQuelle:Handelsblatt Online

Ursprünglich sollte das insolvente Modelabel Strenesse von der MAEG Holding übernommen werden. Doch die polnische Industriellen-Familie tritt vom Kauf zurück. Die Zukunft von Strenesse ist nun völlig offen.

Hamburg, DüsseldorfDie Übernahme des angeschlagenen Modelabels Strenesse ist gescheitert. Der designierte Erwerber, die Holding MAEG der polnischen Industriellen-Familie Kucharczyk, hat im letzten Moment einen Rückzug vollzogen. Es habe sich herausgestellt, „dass die während des Investorenprozesses vorgelegten Angaben über die wirtschaftliche Situation von Strenesse falsch gewesen“ seien. „Auf dieser Grundlage ist die erforderliche Neupositionierung und ein wirtschaftlicher Betrieb von Strenesse nicht möglich“, sagte Mateusz Kucharczyk. „Zudem ist die Vertrauensbasis zu unserem Vertragspartner Strenesse AG nachhaltig beschädigt“

Eigentlich sah es so aus, als sei die Traditionsmarke Strenesse gerettet: Nach einer Insolvenz in Eigenverwaltung hatte MAEG im Juli einen Kaufvertrag unterzeichnet, der nun nicht vollzogen wird. Offenbar sollen Umsatz und Gewinn in den Angebotsunterlagen zu hoch ausgewiesen worden seien. Das niederländische Unternehmen äußerte sich zu den Vorwürfen zunächst nicht.

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Die Familie Kucharczyk stammt aus der polnischen Energiebranche. Über ihr Amsterdamer Family-Office MAEG investiert sie in Energie-, Finanz- und Automotivefirmen. Strenesse sollte die Grundlage für eine Mode-Säule bilden.

Für Strenesse ist das ein herber Rückschlag. Das Unternehmen hatte 2014 Insolvenz angemeldet. Es hatte auch Gerd Strehle hart getroffen. Er hatte von seinem Vater eine Mantelfabrik geerbt und daraus eine anspruchsvolle Modemarke geformt. Die Seele des Aufstiegs der Luxusmarke Strenesse war seine zweite Frau, die Designerin Gabriele Strehle. Sie verstand es, mit einer qualitativ anspruchsvollen Damenmode zu überzeugen – mit guter, schlichter Schnittform. Sie setzte auf eine puristische Form, konnte aber ihre Kollektion günstiger als ihre Konkurrentin Jil Sander verkaufen, weil sie weniger aufwendig produzierte.

Die Designerin Gabriele und der Geschäftsmann Gerd waren das ideale Team, um die Marke zu formen. Doch Erfolg macht mitunter übermütig: So versuchten sich die Strehles auch im klassischen Herrenmodegeschäft. Regelmäßig erfolgreiche Herren- und Damenmodekollektionen auf den Markt zu bringen war für das mittelständische Unternehmen kaum zu schaffen.

Die Leidtragende war Gabriele Strehle. Der Dauerstress machte sie krank und führte zu Problemen in der Ehe des Erfolgsduos. Vor vier Jahren erfolgte dann die endgültige Trennung. Gabriele verließ das Unternehmen 2012, auch ihr Mann zog sich aus dem operativen Geschäft zurück. Sohn Luca rückte an die Spitze und versuchte noch, die Wende mit neuen Kapitalgebern einzuleiten. Doch die Familie stellte sich quer.

Stattdessen sammelte er zwölf Millionen Euro mit einer hochverzinslichen einjährigen Anleihe ein. Mit Mühe gelang es ihm, die Rückzahlung um drei Jahre bis 2017 zu verlängern. Doch konnte Luca Strehle nicht verhindern, dass das Unternehmen in die roten Zahlen rutschte im April 2014 Insolvenz anmelden musste.

Vor wenigen Tagen erst war die Strenesse-Eigenverwaltung zurückgetreten. Jörg Nerlich von der Kanzlei Görg ist seitdem Insolvenzverwalter. Zuvor war er im Eigenverwaltungsverfahren Sachwalter.

Quelle:  Handelsblatt Online
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