Mängel bei Tank & Rast : „Wir nehmen die Wurst noch mal für die Soljanka“

Mängel bei Tank & Rast : „Wir nehmen die Wurst noch mal für die Soljanka“

, aktualisiert 30. August 2016, 11:56 Uhr
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Der Betreiber hat Mängel an einigen Raststätten eingeräumt.

Quelle:Handelsblatt Online

Abgelaufene Wurst, alter Pudding und neue Etiketten auf alter Ware: TV-Reporter haben unappetitliche Mängel an Autobahn-Raststätten entdeckt. Der Betreiber Tank & Rast spricht von Einzelfällen – und will durchgreifen.

Bonn/BerlinDer Raststätten-Betreiber Tank & Rast hat nach einem TV-Bericht Qualitätsmängel an einigen Stationen eingeräumt und in vier Fällen auch Pächter von Raststätten abgemahnt. „Es wurden unmittelbar Sofortmaßnahmen ergriffen, um festgestellte Mängel abzustellen und die Einhaltung der klaren Qualitätsstandards und Hygienevorgaben sicherzustellen“, teilte das Unternehmen am Dienstag in Bonn mit. Die RTL-Sendung „Team Wallraff“ hatte am Montag über monatelange verdeckte Recherchen auf Rasthöfen berichtet.

Zwei Reporterinnen hatten dabei als Servicekräfte an verschiedenen Stationen heimlich Filmaufnahmen gemacht und unter anderem dokumentiert, wie abgelaufene Wurst verkauft wurde. Auf die Frage, was mit Wurstscheiben vom Frühstücksbuffet passieren solle, sagte ein Mitarbeiter: „Wir nehmen die Wurst noch mal für die Soljanka.“

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Eine andere Servicekraft bemerkte über tagelang in der Auslage stehenden Pudding: „Es prüft keiner, wie lange die hier stehen. Aber das sieht man dann schon, wenn der blubbert.“ Obstsalat vom Vortag wurde demnach mit Zuckerwasser übergossen, um frisch auszusehen.

Tank & Rast ist der mit Abstand größte Anbieter in Deutschland und betreibt 390 der insgesamt rund 435 Autobahn-Raststätten. Einen Großteil davon verpachtet das Unternehmen an selbstständige Unternehmer. Anders als bei sogenannten Franchise-Systemen, wo die Partner etwa von McDonald's oder Burger King eng an die Kette gebunden sind, hätten die Tank & Rast-Partner größere Freiheiten bei der Führung ihrer Betriebe, sagte ein Sprecher.

Burger King war 2014 nach einem Bericht der RTL-Sendung wegen Hygieneverstößen und schlechten Arbeitsbedingungen bei einem Lizenznehmer in die Schlagzeilen geraten. Mehrere Filialen waren daraufhin zeitweise geschlossen.

Der Raststätten-Betreiber will bis 2017 die Pächter enger an das Unternehmen binden und auf ein „vollwertiges Franchise-System“ umstellen. Details dazu nannte Tank & Rast noch nicht.


Warnschuss für die Betreiber

Der Konzern, der seine Anlagen auch unter dem Markennamen Serways oder Rusticus betreibt, betonte am Dienstag, bei den aufgedeckten Missständen handele es sich um Einzelfälle. Dennoch greife man angesichts der Vorwürfe durch. „Eigene Untersuchungen zeigen, dass die große Mehrheit der Pächter sich an unsere Vorgaben hält“, betonte Firmenchef Karl Rolfes.

Tank & Rast habe in den vergangenen Wochen durch Hinweise von Mängeln erfahren und zusätzliche Kontrollen veranlasst. „In vier Fällen wurden die betroffenen Pächter oder deren Verantwortliche von Tank & Rast abgemahnt“, heißt es in der Mitteilung. „Das ist ein Warnschuss“, sagte ein Sprecher. Bei weiteren Verstößen sind Sanktionen bis hin zur fristlosen Kündigung der Verträge möglich. Welche Stationen abgemahnt wurden, sagte der Sprecher aber nicht.

Das Unternehmen habe bereits strikte Hygiene-Vorgaben. Dreimal im Jahr würden alle Anlagen von unabhängigen Prüfern getestet. Das System werde nun nochmals geschärft. Dazu berief Tank & Rast einen eigenen Bevollmächtigten: den Lebensmittelchemiker Ulrich Nöhle, der die Qualitätsstandards weiterentwickeln solle.

Tank & Rast ging 1994 aus der bundeseigenen Gesellschaft für Nebenbetriebe der Bundesautobahnen und der Ostdeutschen Autobahntankstellen-Gesellschaft hervor. 1998 verkaufte der Bund seine Anteile an ein privates Konsortium. 2015 wechselte das Unternehmen erneut den Besitzer. Die Allianz kaufte Tank & Rast mit Partner-Investoren wie einer Tochter der Münchner Rückversicherung, einem kanadischen Pensionsfonds und dem Emirat Abu Dhabi von der Deutschen Bank und der britischen Terra Firma für annähernd 3,5 Milliarden Euro.

Quelle:  Handelsblatt Online
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