Märklin, Busch, Faller: Friedhof der Modelleisenbahner

Märklin, Busch, Faller: Friedhof der Modelleisenbahner

, aktualisiert 04. Februar 2017, 12:55 Uhr
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Eisenbahn und Zubehör sind so detailgetreu nie in der fast 200-jährigen Geschichte dieses Hobbys.

von Joachim HoferQuelle:Handelsblatt Online

Die Modelleisenbahn-Branche übertrifft sich selbst mit detailverliebten Modellen. Dabei interessieren sich immer weniger Kunden für die aufwendigen Bausätze. Lego, Playmobil und Co. spielen längst in einer anderen Liga.

NürnbergMan kann Modelleisenbahnern allerhand nachsagen – aber Humor haben sie. Da vergreist ihr Hobby seit Jahren. Kinder können mit Lokomotiven, Gleisen und Miniaturlandschaften kaum noch etwas anfangen. Und was präsentiert der Mittelständler Busch in diesen Tagen als Neuheit auf der Spielwarenmesse in Nürnberg? Einen bis ins letzte Detail auf den Maßstab 1:87 geschrumpften Friedhof.

Die Firma aus Viernheim präsentiert Urnenwände und Familiengräber, ein Mausoleum und eine Friedhofskapelle, Steinkreuze, Särge und Kränze, selbst ein Kriegerdenkmal und die „Lourdes-Grotte“ fehlen nicht.

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So wie Busch treiben auch all die anderen Modellbahnfirmen die Entwicklung auf die Spitze. Eisenbahn und Zubehör sind so detailgetreu nie in der fast 200-jährigen Geschichte dieses Hobbys. Ausgefeilte Spritzgusstechnik, moderne Laserschnitte und kleinste Elektronikbausteine eröffnen den Spezialisten ungeahnte Möglichkeiten.

Da leuchtet selbst der nur mehrere Millimeter große Kürbis zu Halloween auf der Modellbahn, die Eule blinzelt mit ihren roten Augen, rot strahlt mit Hilfe von Leuchtdioden auch die Blitzersäule, um die Raser abzuschrecken.

Fasziniert sammeln sich Trauben von Modellbahnfans an den Ständen in Halle 4a, dem Refugium der Eisenbahner auf der Spielwarenmesse. Deren Haar hat sich vielfach gelichtet, es sind vor allem Männer jenseits der 60, ihre besten Jahre haben sie lange hinter sich. Die ganze Branche lebt von und für Sammler, nirgendwo zeigt sich das besser als diese Woche in Nürnberg.

Marktführer Märklin versucht zwar seit Jahren, den Nachwuchs wieder für Modelleisenbahnen zu begeistern. Mit günstigen, einfachen Starter-Sets will Eigentümer Florian Sieber, selbst erst 31-Jahre alt, die Kids und ihre Eltern anlocken. Einen kleinen Erfolg kann der Unternehmer immerhin verbuchen. Vergangenes Jahr ist der Umsatz des schwäbischen Mittelständlers erstmals wieder geklettert, um eine Million auf 97 Millionen Euro. „Das ist die Trendwende“, frohlockt Sieber.

Andererseits kam Märklin in guten Zeiten auch schon einmal auf 130 Millionen Euro Umsatz. Die Konkurrenz von Fleischmann und Roco verbuchte 2016 ein Plus von immerhin vier Prozent und kam damit auf Erlöse von 57 Millionen Euro.

Doch was ist das schon im Vergleich zu den gut 600 Millionen von Playmobil, oder gar den fünf Milliarden des Klötzchenherstellers Lego? Dabei gibt es Märklin schon seit 1859, da war Lego-Gründer Ole Kirk Christiansen noch nicht einmal geboren. Gleichwohl, die lange Historie ist den Kunden egal. „Wir können nicht über Verdrängung wachsen“, betont Märklin-Chef Sieber. Es gibt fast niemanden zu verdrängen im Modellbahn-Geschäft. Der Eisenbahn-Fabrikant und seine Mitbewerber müssen den Markt erst einmal wiederbeleben.


Vergangenheit und Zukunft treffen brutal aufeinander

Ein Spiegelbild der rückläufigen Entwicklung ist die Halle 4a der Spielwarenmesse. Hier treffen sich all die Menschen, die seit Jahrzehnten ihr Erspartes in Halb-Null anlegen, jener Spurgröße, in der die Eisenbahnen dieser Welt auf Hobbykeller-Format geschrumpft werden. Doch die Modellbahngemeinde wird kleiner, die Sammler sterben weg und mit ihnen die Firmen.

Und so treffen dieses Jahr Vergangenheit und Zukunft brutal aufeinander. Weil es nicht mehr genügend Modellbahnanbieter gibt, um die ganze Halle zu füllen, hat der Messeveranstalter eine Aktionsfläche aufgebaut: ausgerechnet mit Hightech-Spielzeug, also mit Drohnen, 3D-Druckern, Robotern und Virtual Reality.

Dabei ist es mitnichten so, dass die Modellbahnfirmen die moderne Entwicklung ausblenden würden, ganz im Gegenteil. Sie bilden die Gegenwart grandios ab. Die Traditionsfirma Faller aus dem Schwarzwald etwa hat eine ganze Chemieanlage neu im Sortiment, und auch ein Hallenbad mit Röhrenrutsche, mit Außenbecken, mit Lamellendach und Glasfront. Ebenfalls auf der Liste der Neuheiten: ein Gefängnis aus rotem Backstein, selbstverständlich mit Stacheldraht auf den hohen Mauern.

Faszinierende Modelle, die freilich nur noch wenige Kunden zu Gesicht bekommen. Die meisten Spielwarenhändler haben die Modelleisenbahnen schon vor Jahren aus dem Regal geräumt. Lediglich etwa 300 Spezialisten in ganz Deutschland führen die in aller Regel mehrere Hundert Euro teuren Loks und Wagen, die Häuschen, Autos und Figuren.

Sicher, die Grauhaarfraktion gibt viel Geld für Ihr Hobby aus. Das Hallenbad von Faller etwa schlägt mit 170 Euro zu Buche. Doch Fleischmann und Märklin waren schon einmal pleite, weil die angestammte Klientel nicht ausreicht, um die Firmen am Laufen zu halten.

Ein bisschen kirchlicher Beistand kann da nicht schaden. Zum Lutherjahr hat Busch daher eine Statue des großen Reformators ins Programm aufgenommen, „auf repräsentativem Steinpodest mit Treppenaufgang“, wie es im Prospekt heißt. Ach ja: Zwei Miniatur-Sitzbänke gibt es für die 15 Euro noch dazu.

Quelle:  Handelsblatt Online
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