Markenküchen: Die Scheinrabatte der Küchenhändler

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Markenküchen: Die Scheinrabatte der Küchenhändler

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von Andreas Toller

Wer eine Einbauküche kaufen will, gelangt schnell in die Preiskategorie eines Kleinwagens. In ihrer Werbung versprechen viele Händler massive Preisnachlässe von 50 Prozent und mehr. Warum sich die Riesenrabatte mancher Küchenanbieter als Sparzwerge erweisen.

Bevor ich das riesige Möbelhaus betrete, grinst mich erst einmal Sternekoch Stefan Marquard an. Der aus TV-Sendungen wie „Die Küchenprofis“ oder „Kochduell“ bekannte Fernsehkoch, ausgestattet mit Che-Guevara-Kopftuch, Ziegenbart und Ohrring, reckt mir vom Plakat seinen hochgestreckten Daumen entgegen. „Das ist ganz große Küche“ steht neben ihm auf der großflächigen Werbung am Möbelhaus Schaffrath. Nach eigener Werbeaussage ist Schaffrath „die Nr. 1 im Rheinland“, im Prospekt heißt es 15.000 verkaufte Küchen pro Jahr seien der Beweis für beste Leistungen.

Scheinbar bin ich hier richtig. Ich bin auf der Suche nach einer Einbauküche. Die vom Vorbesitzer übernommene Küche ist bereits alt, hat viele Macken und die Aufteilung entspricht nicht unseren Vorstellungen. Es soll also der große Wurf werden: Eine komplette Einbauküche mit Elektrogeräten, inklusive Lieferung und Montage vom Fachmann. Da ich weiß, dass eine zeitgemäß ausgestattete neue Küche ohne weiteres einen fünfstelligen Euro-Betrag kosten kann, mache ich mich auf die Suche nach Schnäppchenpreisen.

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Wochenlang habe ich Prospekte gesichtet und gesammelt. Jede Woche landen mehrere Angebotsblättchen im Briefkasten. Die Angebote klingen alle sehr verlockend: 50 Prozent Rabatt plus 3.000 Euro geschenkt, bis zu 70 Prozent Rabatt auf frei geplante Küchen, die abgebildeten Küchen gibt es teilweise für weniger als 3000 Euro, die teuersten Exemplare mit platzraubender Kochinsel und Edel-Dunstesse schlagen mit maximal 10.000 Euro zu Buche. Ich bin skeptisch. Kein Händler kann immer wieder so hohe Rabatte gewähren ohne Pleite zu gehen. Der Baumarktkette Praktiker brachen schon die „20-Prozent auf alles“ das Genick.

Mein Verdacht: Die versprochenen Rabatte und Sonderpreise sind zum größten Teil reine Augenwischerei. Kein Händler verzichtet so einfach auf den halben Preis, wenn er noch etwas verdienen will. Zumal die Einbauküche erst nach Auftragserteilung durch den Kunden gefertigt wird und deshalb regelmäßig acht bis zwölf Wochen bis zu ihrer Lieferung verstreichen. Es werden also keine Lagerbestände verramscht, sondern fabrikneue Ware. Ich nehme mir also vor, die Preise gründlich zu vergleichen. Ich beschließe, mich auf die Suche nach Angeboten für eine Küche vom Marktführer Nobilia zu machen. Dazu muss ich aber direkt in die Märkte, denn längst nicht immer geht aus den Prospekten die Marke der Angebotsküchen hervor.

Die größten Küchenmöbel-Hersteller

  • Nobilia

    923,4 Millionen Euro Umsatz 2013, davon 561,9 Millionen Euro in Deutschland

    Quelle: Unternehmensbilanzen

  • Alno-Gruppe

    395 Millionen Euro Umsatz in 2013

  • Häcker

    391 Millionen Euro Umsatz in 2013

Bevor ich losziehe, recherchiere ich zum Küchenmarkt. Deutschland ist das Land der Küchenhersteller. Allein im ersten Halbjahr machte die Branche einen Umsatz von knapp 2,1 Milliarden Euro. In dieser Zahl vom Verband der deutschen Küchenmöbelindustrie (VdDK) sind sogar nur die Herstellerbetriebe mit mehr als 50 Beschäftigten erfasst. „Mehr als ein Drittel der hierzulande herstellten Küchen geht in das Ausland. In Europa sind die deutschen Hersteller mit Abstand führend“, erklärt Lucas Heumann, Hauptgeschäftsführer vom VdDK. Etwa 150 Hersteller soll es geben. Die fünf größten Hersteller Nobilia, Alno, Häcker, Nolte und Schüller vereinen nach Schätzungen mehr als ein Viertel der Umsätze auf sich. Aber letzten Ende sind es vielleicht ein knappes Duzend Marken, die bei den großen Händlern immer wieder anzutreffen sind.

„Der Küchenhandel ist stark segmentiert. Neben den Großflächenanbietern und Möbelhäusern mit Vollsortiment gibt es einen noch immer sehr starken Fachhandel, der mehr als etwa 35 Prozent des Marktes ausmacht“, so Heumann. Die deutlich kleineren Küchenstudios würden sich nicht in gleichem Umfang an den Rabattaktionen beteiligen, sondern vor allem durch ihre intensive Beratung überzeugen. „Die Rabattschlachten sind vor allem ein Phänomen bei den Großflächen-Anbietern, was auch den harten Wettbewerb bei den Jumbos widerspiegelt. Der Fachhandel ist bei den Preisen hingegen viel transparenter.“

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