Media Markt: Korruptionsaffäre: Jetzt drohen Anklagen

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Die Agenturgruppe Marketing Vision soll Schmiergeld gezahlt haben, um DSL-Verträge in Media Märkten vermarkten zu können.

von Jürgen Berke, Henryk Hielscher und Christian Schlesiger

Europas größter Elektronikhändler gilt als Erfolgskonzern, der eine ganze Branche umkrempelte. Grabenkämpfe und Wachstumsdruck schufen ein System, das offenbar anfällig ist für Korruption und unlautere Geschäfte. Anklagen drohen.

In der Schmiergeld-Affäre bei Deutschlands größtem Elektronikhändler MediaSaturn will die Staatsanwaltschaft Augsburg in den kommenden Wochen die ersten Anklagen erheben. Das erfuhr die WirtschaftsWoche von Strafverteidigern, die an dem Verfahren beteiligt sind. Hintergrund der Ermittlungen ist der Verdacht, dass die Wetzlarer Agenturgruppe Marketing Vision (MV) 3,6 Millionen Euro Schmiergeld gezahlt und im Gegenzug Aufträge zur exklusiven Vermarktung von DSL-Verträgen in den Media Märkten erhalten haben soll. Hauptbeschuldigte sind der frühere Media-Markt-Deutschlandchef Michael Rook, ein Regionalleiter der Kette sowie der Agenturchef. Die Beteiligten wollten sich nicht äußern.

Behörden wurden nicht eingeschaltet

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Nach Recherchen der WirtschaftsWoche sind die mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen inzwischen gestoppt worden. Im Dezember 2007 hatte die börsennotierte Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Heliad die MV-Gruppe übernommen. Bei Arbeiten zum Jahresabschluss 2008 waren Anfang 2009 verdächtige Zahlungen aufgefallen, Heliad leitete Ende 2009 eine interne Compliance-Untersuchung ein. Dem vertraulichen Abschlussbericht zufolge räumte der MV-Agenturchef „geschäftsfördernde“ Zahlungen an Media-Markt-Manager ein. Angebliche Beraterverträge seien „nur Fassade für verdeckte Provisionszahlungen“ gewesen, heißt es in dem Bericht.

Zu diesem Zeitpunkt hätte der Heliad-Aufsichtsrat, in dem auch Ex-BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel sitzt, die Behörden einschalten können. Da wirtschaftliche Nachteile und „erhebliche Reputationsrisiken für Heliad“ befürchtet wurden, verzichtete das Unternehmen aber darauf und machte den Kauf der MV-Gruppe rückgängig. Im Frühjahr 2010 beantragte MV Insolvenz.

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