Mehr Konkurrenz für die Bahn: Deutschland im falschen Takt

Mehr Konkurrenz für die Bahn: Deutschland im falschen Takt

, aktualisiert 24. November 2016, 16:29 Uhr
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Verkehrsverbände fordern von der Politik Maßnahmen, um mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen.

von Dieter FockenbrockQuelle:Handelsblatt Online

Mehr Verkehr auf die Schiene – acht Verbände fordern gemeinsam die Politik auf, das Schienennetz für den Taktverkehr aufzurüsten und die Schienenmaut zu halbieren. Das hätte gravierende Folgen für eine Bahn-Tochter.

DüsseldorfBahnfahren in Deutschland ist unattraktiv. Die Folge: Zu viele Menschen blockieren täglich mit ihren Autos die Straßen und Autobahnen. Acht Verkehrsverbände haben deshalb jetzt erstmals gemeinsam in einem Papier Forderungen an die Politik formuliert, den Bahnverkehr in Deutschland attraktiver zu machen – besonders im Personennahverkehr: Sowohl mit eine besseren Taktung als auch durch die Halbierung der sogenannten Trassenmaut.

Doch gerade die Umsetzung der zweiten Forderung hätte gravierende Folgen für die Bahntochter DB Netz AG, die das 33.000 Kilometer umfassende deutsche Schienennetz betreibt. DB Netz erzielte zuletzt 4,8 Milliarden Euro Umsatz mit Nutzungsentgelten. Bei einer Halbierung könnten gerade noch die Personalkosten gedeckt werden, Investitionen in Instandhaltung und Reparatur allerdings nicht mehr. Die Verbände verlangen deshalb, dass der Bund „mehr Finanzverantwortung“ übernehmen und zusätzliche Haushaltsmittel bereitstellen müsse.

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Die Verkehrsverbände sorgen sich dabei um die Wettbewerbsfähigkeit der Eisenbahn. Kosten und Preise werden als entscheidender Faktor im Konkurrenzkampf gegen Busse, Luftverkehr und vor allem Pkw gesehen.
Das Thema wird seit einiger Zeit auch in politischen Kreisen diskutiert. Hohe Entgelte für die Nutzung von Strecken und Bahnhöfen werden als ein Grund dafür angesehen, dass der Schienenverkehr nicht konkurrenzfähig ist.

Sie machen etwa ein Drittel der Kosten eines Bahnbetreibers aus. Und davon gibt es inzwischen Dutzende neben der Deutschen Bahn selbst. Private Unternehmer wickeln etwa ein Drittel des Güterverkehrs ab, knapp 30 Prozent des Schienenpersonennahverkehrs fährt unter der Regie von Eisenbahngesellschaften wie Abellio, Keolis oder Transdev.

Hohe Priorität erhält auch der Deutschland-Takt – ein besseres Zusammenspiel zwischen Nah- und Fernverkehr, damit Reisezeiten deutlich verkürzt werden. Davon versprechen sich die Verkehrsverbände vor allem mehr Attraktivität für den Personenverkehr. Das sei „der entscheidende Baustein für eine Verkehrswende“, heißt es in dem Papier. Neben dem Personen- werde aber auch der Güterverkehr davon profitieren.


„Es knirscht im Eisenbahnsektor“

Das Bundesverkehrsministerium plant bereits die Zukunft der Schiene, zumindest theoretisch. „Die Bahn kann das Verkehrsmittel des 21. Jahrhunderts werden. Schnelle Verbindungen mit reibungslosem Umsteigen zwischen Fern- und Nahverkehr machen Bahnfahren attraktiv“, heißt es in einem Statement zum Deutschland-Takt. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte eine Machbarkeitsstudie dazu in Auftrag gegeben.

Die sollte zeigen, wie Reisezeiten mit der Bahn allein schon dadurch verkürzt werden können, dass die Anschlüsse beim Umsteigen passen. Das allerdings ist nicht nur eine Frage der Fahrplanes, sondern auch gut ausgebauter Kreuzungsbahnhöfe. Da muss noch einiges investiert werden, weiß der Verkehrsminister.

Doch so richtig durchgetaktet ist selbst der neue Bundesverkehrswegeplan nicht, sagen beispielsweise die Grünen im Bundestag. Dabei war im Koalitionsvertrag genau das von CDU und SPD versprochen worden. Verkehrsverbände werden noch deutlicher: „Es knirscht im Eisenbahnsektor“, kritisiert Joachim Berends vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). „Politischer Anspruch und unternehmerische Realität liegen zum Teil weit auseinander.“ Mit dieser Kritik steht der VDV-Funktionär nicht allein. Man könnte es auch Wahlprüfsteine nennen.

Fazit der Verkehrsverbände: Schafft Deutschland es nicht, mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern, werden auch die ehrgeizigen Klimaschutzziele nicht erreicht. Eine Reduktion der Emissionen im Verkehr um 40 Prozent, wie jetzt von der Bundesregierung im Klimaschutzplan 2050 beschlossen, sei dann undenkbar.

Quelle:  Handelsblatt Online
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