
Seit mindestens zehn Jahren ranken sich Spekulationen um die Zukunft des Kaufhofs unter dem Dach des Metro-Konzerns. Mal soll die Warenhaussparte verkauft, mal mit dem Erzrivalen Karstadt vermählt werden. Doch bisher ist noch jeder Plan gescheitert - so auch diesmal. In der vergangenen Woche legte der neue Metro-Chef Olaf Koch den geplanten Kaufhof-Verkauf wieder auf Eis. Zwar lag ein Angebot des österreichischen Immobilieninvestors René Benko vor.
Kaufhof - ein Warenhaus mit Tradition
Kaufhofs Geschichte
Die Galeria Kaufhof GmbH ist neben Karstadt das älteste und traditionsreichste Warenhaus in Deutschland. Seit rund 25 Jahren befindet sich das Unternehmen mehrheitlich im Besitz des Handelsriesen Metro.
Ursprung
Den Grundstein des Unternehmens legte der Textilhändler Leonhard Tietz, der 1879 ein Geschäft in Stralsund für Knöpfe, Garne, Stoffe und Wollwaren gegründet hatte.
Aktiengesellschaft
Rund ein Vierteljahrhundert später war er der erste Warenhausbetreiber, der sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umwandelte.
Zukäufe
Der letzte große Zukauf datiert aus dem Jahr 1994, als Kaufhof den Konkurrenten Horten schluckte. Im Frühjahr 2008 setzte Vorstandschef Eckhard Cordes die Tochterfirma auf die Verkaufsliste.
Aktuelle Zahlen
Mit gut 3,5 Milliarden Euro Umsatz und 19.300 Mitarbeitern ist Galeria Kaufhof die kleinste von vier Metro-Vertriebslinien. Vor Steuern und Zinsen verdiente das Unternehmen zuletzt (2010) 138 Millionen Euro. Vertreten ist das Warenhaus an 139 Standorten.
Verkaufsgespräche eingestellt
Am 17. Januar 2012 hat die Metro-Gruppe hat die Verkaufsgespräche für die Warenhauskette Kaufhof gestoppt. Die Gespräche mit Interessenten für die Übernahme der Warenhaustochter Galeria Kaufhof würden bis auf Weiteres eingestellt. Als Grund gab das Unternehmen die "nicht optimale Situation an den Finanzmärkten" an.
Doch Koch misstraute der Offerte über knapp zwei Milliarden Euro. Wasserdicht finanziert war sie offenbar nicht. Bei einem möglichen Ausstieg von Benkos Kreditgebern hätte ein Desaster gedroht. Der zweite Interessent, Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen, gilt finanziell als schlagkräftiger. Eine Fusion der beiden Ketten würde aber Tausende Arbeitsplätze kosten. Die Arbeitnehmervertreter im Metro-Aufsichtsrat waren von der Berggruen-Variante denn auch wenig angetan, und für die Kapitalseite war der Preis wohl zu niedrig. So bleibt Kaufhof vorerst bei Metro.
Die langjährige Suche nach einem Investor wird dennoch in die nächste Runde gehen. Zunächst wird Koch zwar versuchen, Ruhe in den Prozess zu bekommen und das Geschäft aus eigener Kraft in Schwung zu bringen. Aber selbst wenn das gelingt, werden die Metro-Großaktionäre nicht auf Dauer an der Sparte festhalten. Mittelfristig stehen hohe Investitionen an, die Kaufhofs bisher auskömmliche Gewinne gefährden. Eine Expansion der Kette ins Ausland ist kaum möglich - als Wachstumskandidat taugt die Sparte also nicht. Das wissen auch die Investoren. Sie reizt vor allem der Immobilienschatz des Unternehmens und die Fusionsoption mit Karstadt. Ob sie aber je bereit sein werden,deutlich mehr zu bieten als bisher, ist fraglich.













