Metro Group nach Kaufhof-Übernahme: Wie geht es jetzt mit Karstadt weiter?

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Metro Group nach Kaufhof-Übernahme: Wie geht es jetzt mit Karstadt weiter?

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Die Filialen von Karstadt (l) und Kaufhof in Düsseldorf.

von Henryk Hielscher

Oh, wie schön ist Kanada? Nicht für Karstadt. Das Scheitern im Übernahmekampf um Kaufhof hat für Karstadt-Eigner René Benko langfristig gravierende Folgen. Die Perspektiven für Karstadt verdüstern sich.

Die Schlacht um Kaufhof ist entschieden: Der kanadische Handelskonzern Hudson’s Bay Company (HBC) übernimmt Kaufhof, der österreichische Immobilieninvestor und Karstadt-Eigner René Benko geht dagegen leer aus. Benkos Pläne für einen Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt sind damit vom Tisch.

Der österreichische Karstadt-Eigner Signa reagiert enttäuscht: „Wir haben uns drei Jahre lang auf die Verwirklichung der Deutschen Warenhaus Holding intensiv und gewissenhaft vorbereitet, um die beiden deutschen Traditionsmarken Kaufhof und Karstadt gemeinsam in eine gute Zukunft zu führen“, hieß es in einer Mitteilung. „Dies ist nun nicht mehr möglich.“ Erstmals habe die „historische Chance“ bestanden, Kaufhof und Karstadt zu vereinen und „gemeinsam miteinander offensiv in einem schwieriger werdenden Marktumfeld zu agieren“.

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Doch welche Folgen hat die Kaufhof-Entscheidung für Karstadt?

Das ist die Hudson's Bay Company

  • Die Geschichte

    Die Hudson´s Bay Company ist Kanadas größtes Kaufhaus und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Die Geschichte von HBC begann 1670, als Charles II von England der Company Eigentum über Land und Bodenschätze in Kanada übertrug. Der damals vollständige Name der Unternehmung: „The Governor and Company of Adventurers of England trading into Hudson´s Bay“.

    Rund 200 Jahre kontrollierte HBC vor allem den lukrativen Handel mit Pelzen, dann kaufte Kanada der Gesellschaft die Rechte wieder ab. HBC änderte daraufhin die Ausrichtung, stieg in den Großhandel ein und versorgte Siedler. Auch in der Schifffahrt und im Handel mit Öl und Gas war HBC tätig, bevor sich die Gesellschaft in den 1990er Jahren wieder auf den klassischen Einzelhandel konzentrierte.

    Die Hudson’s Bay Company fokussierte sich stets auf Aktivitäten in Kanada und Nordamerika - bis 1970 war ihr Sitz aber London.

  • Der Chef

    Die Historie der HBC ist derart eng mit der Kanadas verknüpft, dass seine Chefs bis heute Gouverneure heißen. Heute hat diesen Posten der US-Amerikaner Richard Baker inne, der das Unternehmen 2008 erwarb. Baker gilt als strategischer und ehrgeiziger Konzernlenker  

  • Die Expansion

    Schon vor der HBC-Übernahme hatte Baker 2006 amerikanisch Traditionskaufhauskette Lord & Taylor für knapp eine Milliarde Euro gekauft und das Geschäft durch Beleihung der Immobilien finanziert. Auch den vollständigen Kauf der Hudson’s Bay Company im Jahr 2008  finanzierte Baker hauptsächlich durch Schulden. Für rund 2,2 Milliarden Euro kaufte HBC 2013 schließlich die amerikanische Nobelkette  Saks Fifth Avenue  und deren Ableger OFF 5th. Erneut die entscheidende Geldquelle: beliehene Immobilien. 2015 machte der Konzern klar, in Zukunft auch außerhalb des nordamerikanischen Marktes wachsen zu wollen - durch Zukäufe wie Kaufhof. Neuestes Projekt ist die Einführung der Discount-Luxuskette Saks Off 5th in Deutschland.

  • Die Unternehmen

    Neben der namensgebenden Hudson’s Bay Company gehören zum HBC-Imperium eine ganze Reihe von Handelsunternehmen in Nordamerika. In Kanada ist es die Einrichtungshauskette Home Outfitters. In den USA hat HBC das Luxuskaufhaus Lord & Taylor, die Edelkaufhauskette Saks Fifth Avenue und deren Discount-Designer-Ableger Saks Fifth Avenue OFF 5th übernommen.

  • Die Immobilien

    Als starkes Rückgrat der Hudson’s Bay Company gelten die Warenhausimmobilien im  Besitz des Konzerns. Ihr Wert wird auf etwa 9,6 Milliarden kanadische Dollar geschätzt, rund 6,7 Milliarden Euro. Allein der Saks Fifth Avenue Flagship Store in New York soll mehr als drei Milliarden Euro wert sein.

  • Die Umsätze

    Mit Saks Fifth Avenue, der Kernmarke Hudson's Bay, der Modekette Lord & Taylor und dem Haushaltswarenhändler Home Outfitters machte HBC zuletzt einen Umsatz von gut neun Milliarden Euro und rund 420 Millionen Euro Gewinn.

  • Saks Fifth Avenue und Saks Off 5th

    Der erste Laden der amerikanischen Luxux-Kaufhauskette wurde 1924 von Horace Saks zusammen mit einer Geschäftspartner auf der New Yorker 5th Avenue eröffnet. 1992 gründete das Unternehmen sein erstes Outletgeschäft in Pennsylvania. Als 1995 weitere Läden eröffnet werden sollten, wurde das Geschäft in Saks Off 5th umbenannt. 2013 übernahm HBC das Unternehmen. Im Jahr 2016 gab es weltweit 41 Fililalen von Saks Fifth Avenue und 117 von Saks Off 5th.

Folgt man den Aussagen von Karstadt-Chef Stephan Fanderl, halten sich die Auswirkungen in Grenzen. Schon in einem Brief an die Karstadt-Mitarbeiter vor ein paar Wochen ließ er erklären, dass sein Unternehmen Kaufhof nicht zum Überleben brauche.

Alles halb so schlimm also? Das in den vergangenen Wochen entfachte PR-Trommelfeuer lässt auch eine andere Lesart zu. Mal wurden großzügige Jobgarantien ins Spiel gebracht, mal ploppten Schlagzeilen über vermeintliche Sanierungserfolge bei Karstadt auf. Der Wirbel nervte nicht nur die Metro-Granden, sondern zeigte nebenher auch, wie stark das Essener Unternehmen und seine österreichischen Eigentümer auf die Übernahme setzten.

Die Top 10 Warenhausbetreiber Europa 2015

  • Rang 10

    Unternehmen: Dunnes
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 2.365 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 155
    Verkaufsfläche: 293.113 m²

    Quelle: Planet Retail - 9. Juni 2015

  • Rang 09

    Unternehmen: Karstadt (ohne Karstadt Feinkost (Perfetto))
    Land: Deutschland
    Brutto-Außenumsatz (2013): 2.770 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 86
    Verkaufsfläche: 1.263.254 m²

  • Rang 08

    Unternehmen: Debenhams
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.199 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 186
    Verkaufsfläche: 1.264.607 m²

  • Rang 07

    Unternehmen: Home Retail Group
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.299 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 754
    Verkaufsfläche: 544.533 m²

  • Rang 06

    Unternehmen: Metro Group (nur Galeria Kaufhof (ohne Sport Arena und Dinea))
    Land: Deutschland
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.336 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 120
    Verkaufsfläche: 1.298.820 m²

  • Rang 05

    Unternehmen: Galeries Lafayette
    Land: Frankreich
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.604 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 64
    Verkaufsfläche: 530.048 m²

  • Rang 04

    Unternehmen: John Lewis
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.764 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 41
    Verkaufsfläche: 437.839 m²

  • Rang 03

    Unternehmen: Casino
    Land: Frankreich
    Brutto-Außenumsatz (2013): 4.051 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 304
    Verkaufsfläche: 546.700 m²

  • Rang 02

    Unternehmen: El Corte Inglés
    Land: Spanien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 9.531 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 88
    Verkaufsfläche: 2.420.000 m²

  • Rang 01

    Unternehmen: Marks & Spencer (ohne Spezialkonzepte)
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 11.258 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 387
    Verkaufsfläche: 1.404.958 m²

Kein Wunder: Der Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt hätte Benko langfristig wohl Millionenbeträge gespart – etwa über einen gebündelten Einkauf oder die Schließung der ohnehin überdimensionierten Karstadt-Hauptverwaltung. Zudem hätte das in den vergangenen Jahren erfolgreiche Kaufhof-Konzept als Blaupause genutzt werden können, um Karstadt umzukrempeln.

Benkos Optionen sind verbaut

Nicht minder wichtig: Auch finanztechnisch hätte ein Zuschlag den Österreichern neue Möglichkeiten eröffnet. So ist die Bewertung des Warenhauskonzerns weniger vom klassischen Geschäft, also dem Verkauf von Shirts, Socken und Schuhen abhängig, als von den Kaufhof-Immobilien – und der Wert der Häuser ließe sich über Mieterhöhungen kräftig steigern. Das schlägt zwar zunächst auf die Erträge im operativen Geschäft durch, wirkt aber andererseits wie ein Hebel auf die Gesamtbewertung des Unternehmens und schafft so Raum für neue Finanzierungen. Diese Optionen sind Benko nun verbaut.

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Stattdessen muss er Karstadt in Eigenregie auf Kurs bringen. Eine Mammutaufgabe, denn allen Erfolgsmeldungen der vergangenen Tage zum Trotz bleibt das Unternehmen wohl noch über Jahre ein Sanierungsfall: Das Gros der Karstadt-Filialen ächzt unter einem gewaltigen Investitionsstau. Die Feinkosttochter Perfetto steckt in der Krise. Die margenstarken Eigenmarken im Modebereich sind weitgehend unbekannt. Im schnell wachsenden Online-Geschäft ist bei Karstadt keine Strategie erkennbar. Die Gewerkschaft Verdi fordert eine Rückkehr zum Tarifvertrag, was die Personalkosten nach oben treiben würde.

Vor allem aber scheint die Karstadt-Mannschaft ausgelaugt von immer neuen Sparrunden, Umstrukturierungen und Managementwechseln. Bereits seit mehr als 15 Jahren kämpft das Unternehmen gegen den Niedergang. Ein Ende des Karstadt-Dramas rückt mit der heutigen Entscheidung in weite Ferne - zumindest ein glückliches.

Mit Material von dpa

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