Metro nach dem Kaufhof-Deal: „Wir schalten auf Angriff um“

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InterviewMetro nach dem Kaufhof-Deal: „Wir schalten auf Angriff um“

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Der Vorstandsvorsitzende des Metro-Konzerns, Olaf Koch-

von Henryk Hielscher

Der Verkauf der Kaufhof-Warenhäuser hat dem Metro-Konzern Milliarden gebracht. Jetzt will Vorstandschef Olaf Koch kräftig investieren – und sparen. Er kündigt die Tarifbindung von Real auf.

WirtschaftsWoche: Herr Koch, haben Sie den Verkauf Ihrer Warenhaustochter Galeria Kaufhof an den kanadischen Handelskonzern Hudson’s Bay Company (HBC) schon bereut?

Koch: Warum sollte ich? Ganz im Gegenteil: Der Preis ist super, der Käufer ist solide und hat eine klare Wachstumsstrategie, es stimmt einfach alles.

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Ihre Aktionäre sehen das offenbar anders. Nach Bekanntgabe der Transaktion brach die Metro-Aktie um vier Prozent ein.

Die Kursentwicklung am Tag der Verkündung war nicht gut, vor allem vor dem Hintergrund einer sehr attraktiven Transaktion mit einem sehr guten Verkaufspreis. Vor drei Jahren wurden uns für Kaufhof nur knapp zwei Milliarden Euro angeboten. Jetzt haben wir mehr als 2,8 Milliarden Euro erzielt. Wir erledigen unsere Hausaufgaben – das sehen auch die meisten Analysten so. Und das wird sich dann auch mittelfristig in der Aktie widerspiegeln. Aber es macht jetzt auch keinen Sinn, sich über den kurzfristigen Kursverlauf das Hirn zu zermartern.

Zur Person

  • Olaf Koch

    Koch, 45, begann seine Karriere bei Daimler und arbeitete anschließend für den Finanzinvestor Permira. 2009 kam er als Finanzchef zu Metro und übernahm Anfang 2012 die Führung des Düsseldorfer Handelsriesen.

In den vergangenen Wochen ploppten fast täglich neue Schlagzeilen zum vermeintlichen Stand der Verhandlungen auf. Hat das den Verkaufsprozess gestört?

Die ständigen Wasserstandsmeldungen haben vor allem bei den Mitarbeitern eine Menge Fragen zur Zukunft von Galeria Kaufhof aufgeworfen, die wir erst nach Abschluss der Verhandlungen beantworten konnten. Um vernünftig verhandeln zu können, ist Diskretion wichtig. Der Medienrummel insgesamt und insbesondere mögliche Versuche, sich öffentlich als die beste Wahl zu positionieren, sind in einem solchen Prozess eher kontraproduktiv.

War das einer der Gründe dafür, dass Karstadt-Eigentümer René Benko bei Ihnen abgeblitzt ist? Auch er hatte mit seinem österreichischen Unternehmen Signa mitgeboten.

Ich kann nicht auf Details zum Bieterprozess eingehen. Nur so viel: Wir haben in den Gesprächen mit HBC den Eindruck gewonnen, dass sie es mit ihren Expansionsplänen nach Europa ernst meinen. Zudem hat HBC den deutschen Markt seit Jahren beobachtet, sie wissen also, wie das Warenhausgeschäft hier funktioniert und wie wichtig die Mitbestimmung der Arbeitnehmervertreter ist. Nicht zuletzt haben uns die Kanadier einen attraktiven Kaufpreis und eine kristallklare Finanzierung für das Geschäft präsentiert.

Und Benko hat das nicht getan?

Ich kommentiere nur die Transaktion und die beteiligten Parteien.

Das ist die Hudson's Bay Company

  • Die Geschichte

    Die Hudson´s Bay Company ist Kanadas größtes Kaufhaus und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Die Geschichte von HBC begann 1670, als Charles II von England der Company Eigentum über Land und Bodenschätze in Kanada übertrug. Der damals vollständige Name der Unternehmung: „The Governor and Company of Adventurers of England trading into Hudson´s Bay“.

    Rund 200 Jahre kontrollierte HBC vor allem den lukrativen Handel mit Pelzen, dann kaufte Kanada der Gesellschaft die Rechte wieder ab. HBC änderte daraufhin die Ausrichtung, stieg in den Großhandel ein und versorgte Siedler. Auch in der Schifffahrt und im Handel mit Öl und Gas war HBC tätig, bevor sich die Gesellschaft in den 1990er Jahren wieder auf den klassischen Einzelhandel konzentrierte.

    Die Hudson’s Bay Company fokussierte sich stets auf Aktivitäten in Kanada und Nordamerika - bis 1970 war ihr Sitz aber London.

  • Der Chef

    Die Historie der HBC ist derart eng mit der Kanadas verknüpft, dass seine Chefs bis heute Gouverneure heißen. Heute hat diesen Posten der US-Amerikaner Richard Baker inne, der das Unternehmen 2008 erwarb. Baker gilt als strategischer und ehrgeiziger Konzernlenker  

  • Die Expansion

    Schon vor der HBC-Übernahme hatte Baker 2006 amerikanisch Traditionskaufhauskette Lord & Taylor für knapp eine Milliarde Euro gekauft und das Geschäft durch Beleihung der Immobilien finanziert. Auch den vollständigen Kauf der Hudson’s Bay Company im Jahr 2008  finanzierte Baker hauptsächlich durch Schulden. Für rund 2,2 Milliarden Euro kaufte HBC 2013 schließlich die amerikanische Nobelkette  Saks Fifth Avenue  und deren Ableger OFF 5th. Erneut die entscheidende Geldquelle: beliehene Immobilien. 2015 machte der Konzern klar, in Zukunft auch außerhalb des nordamerikanischen Marktes wachsen zu wollen - durch Zukäufe wie Kaufhof. Neuestes Projekt ist die Einführung der Discount-Luxuskette Saks Off 5th in Deutschland.

  • Die Unternehmen

    Neben der namensgebenden Hudson’s Bay Company gehören zum HBC-Imperium eine ganze Reihe von Handelsunternehmen in Nordamerika. In Kanada ist es die Einrichtungshauskette Home Outfitters. In den USA hat HBC das Luxuskaufhaus Lord & Taylor, die Edelkaufhauskette Saks Fifth Avenue und deren Discount-Designer-Ableger Saks Fifth Avenue OFF 5th übernommen.

  • Die Immobilien

    Als starkes Rückgrat der Hudson’s Bay Company gelten die Warenhausimmobilien im  Besitz des Konzerns. Ihr Wert wird auf etwa 9,6 Milliarden kanadische Dollar geschätzt, rund 6,7 Milliarden Euro. Allein der Saks Fifth Avenue Flagship Store in New York soll mehr als drei Milliarden Euro wert sein.

  • Die Umsätze

    Mit Saks Fifth Avenue, der Kernmarke Hudson's Bay, der Modekette Lord & Taylor und dem Haushaltswarenhändler Home Outfitters machte HBC zuletzt einen Umsatz von gut neun Milliarden Euro und rund 420 Millionen Euro Gewinn.

  • Saks Fifth Avenue und Saks Off 5th

    Der erste Laden der amerikanischen Luxux-Kaufhauskette wurde 1924 von Horace Saks zusammen mit einer Geschäftspartner auf der New Yorker 5th Avenue eröffnet. 1992 gründete das Unternehmen sein erstes Outletgeschäft in Pennsylvania. Als 1995 weitere Läden eröffnet werden sollten, wurde das Geschäft in Saks Off 5th umbenannt. 2013 übernahm HBC das Unternehmen. Im Jahr 2016 gab es weltweit 41 Fililalen von Saks Fifth Avenue und 117 von Saks Off 5th.

Was wird HBC bei Kaufhof jetzt anders machen als Metro?

Der Hauptunterschied ist, dass HBC ganz andere Investitionsmöglichkeiten hat. Wir standen immer vor dem Dilemma, dass jeder Euro, den wir in Metros Cash & Carry-Großmärkte oder in die Expansion von Media-Saturn gesteckt haben, ungleich mehr Rendite erzielt hat als ein entsprechender Einsatz bei Galeria Kaufhof. Trotzdem haben wir durchschnittlich rund 100 Millionen Euro pro Jahr investiert, um die Transformation zu ermöglichen; aber eben nicht mehr. Das ist bei HBC anders. Die Kanadier können sich voll auf die Entwicklung der Warenhäuser konzentrieren. Kaufhof wird jetzt die Aufmerksamkeit und die Mittel erhalten, die das Unternehmen verdient hat.

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