Middelhoff: Haftentlassung wohl erst kommende Woche

Middelhoff: Haftentlassung wohl erst kommende Woche

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Der ehemalige Arcandor-Chef Middelhoff.

Der frühere Top-Manager Thomas Middelhoff kann auf eine baldige Haftentlassung hoffen. Doch seine Verteidiger rechnen nicht damit, dass er schon an diesem Wochenende nach Hause darf.

Nach gut fünf Monaten in Untersuchungshaft steht eine Entlassung des früheren Topmanagers Thomas Middelhoff nach Einschätzung seiner Anwälte bevor. Bei der Bereitstellung der Kaution müssten allerdings noch einige Formalien geklärt werden, das gestalte sich etwas schwieriger als zunächst gedacht, sagte Middelhoffs Anwalt Hartmut Fromm am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. So rechnet der Anwalt erst Anfang kommender Woche mit einer Entlassung des Managers aus der Untersuchungshaft.

Zuvor hatte schon das „Westfalen-Blatt“ (Donnerstag) von einer baldigen Haftentlassung Middelhoffs gegen Kaution berichtet. Ein Sprecher des Essener Landgericht sagte am Abend auf Anfrage, dass die geforderte Sicherheitsleistung für die Freilassung des Managers noch nicht eingegangen sei. Die Kaution war vom Gericht auf 895.000 Euro festgesetzt worden.

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Der Middelhoff-Prozess von A bis Z

  • A wie Arcandor

    Die Pleite des Arcandor-Konzerns (Karstadt, Quelle, Thomas Cook) im Jahr 2009 war einer der spektakulärsten Firmenzusammenbrüche der Nachkriegszeit. Thomas Middelhoff leitete das Unternehmen bis wenige Monate vor dessen Ende. Im Essener Prozess ging es aber nicht um die Pleite selbst, sondern „nur“ um den Verdacht, dass der Manager Arcandor Kosten in Höhe von 1,1 Millionen Euro zu Unrecht in Rechnung gestellt haben soll - vor allem für teure Flüge in Privatjets. Middelhoff weist diese Vorwürfe entschieden zurück.

  • B wie Bombendrohung

    Auslöser für die umfangreiche Nutzung von Privatjets war Middelhoff zufolge eine Bombendrohung gegen ein Linienflugzeug, in dem er gesessen hatte. Danach sei er aus Sicherheitsgründen auf Charterjets umgestiegen. Insgesamt nutzte Middelhoff in seiner Zeit bei Arcandor nach eigenen Angaben 610 Mal Privatjets. Er selbst habe 210 Flüge bezahlt, die übrigen 400 seien Arcandor in Rechnung gestellt worden. Im Prozess geht es allerdings nur um 48 dieser Flüge, bei denen die Staatsanwaltschaft die dienstliche Veranlassung bezweifelt. Deren Gesamtkosten beziffert die Anklage auf 945 000 Euro.

  • C wie Cornelie

    Thomas Middelhoffs sonst eher öffentlichkeitsscheue Ehefrau Cornelie erinnerte sich als Zeugin im Essener Prozess vor allem an die hohe Arbeitsbelastung ihres Mannes in der Arcandor-Zeit: „Er hat eigentlich immer gearbeitet, immer, immer.“

  • D wie Dauerstau

    Dauerstau auf dem Weg zur Arbeit ist für viele Pendler ein Ärgernis - nicht aber für Middelhoff. Als eine Baustelle am Kamener Kreuz die Fahrt zwischen seinem Wohnsitz in Bielefeld und der Konzernzentrale in Essen zur stundenlangen Quälerei machte, stieg er auf Hubschrauber um. Die Rechnung ging an Arcandor. Zu Recht, findet Middelhoff: Er habe so nämlich effizienter arbeiten können. Zu Unrecht, findet die Anklage: Die Kosten für den Arbeitsweg seien Sache des Arbeitnehmers.

  • F wie Festschrift

    Ein weiterer Vorwurf der Anklage: 180 000 Euro habe Arcandor auf Veranlassung Middelhoffs für eine Festschrift zu Ehren des ehemaligen Bertelsmann-Chefs Mark Wössner spendiert. Für die Staatsanwaltschaft ist das Buch ein „persönliches Geschenk“ Middelhoffs an seinen früheren Mentor. Der Manager hätte demnach für das teure Präsent selbst zahlen müssen. Nach Middelhoffs Worten diente die Festschrift dagegen der Verbesserung des Arcandor-Images und der Netzwerkpflege.

  • G wie Gerichtsvollzieher

    Für Middelhoff wurden nach eigener Aussage vor allem die Besuche der Gerichtsvollzieher im Gerichtssaal zur Belastung. Sie nutzten die Gelegenheit, um den im südfranzösischen Saint-Tropez lebenden Manager mit Millionenforderungen seiner Gläubiger zu konfrontieren. In einem Fall pfändete ein Gerichtsvollzieher sogar eine wertvolle Armbanduhr. Die Pfändungsversuche seien demütigend, sagte Middelhoff selbst am Rande des Verfahrens: „Das ist wie ein apokalyptischer Traum.“

  • H wie Haftbefehl

    Zeitweise wurde das Verfahren in Essen von einem drohenden Haftbefehl gegen Middelhoff überschattet. Eine Gerichtsvollzieherin hatte diesen laut einem „Spiegel“-Bericht beantragt, um den Manager im Zusammenhang mit Zahlungsforderungen des Arcandor-Insolvenzverwalters zur Offenlegung seiner Vermögensverhältnisse zu zwingen. Das Thema erledigte sich nach Angaben der Middelhoff-Anwälte aber von selbst, als dessen Managerversicherung eine Haftungsgarantie für 3,4 Millionen Euro übernahm.

Middelhoff war im November vergangenen Jahres unter anderem wegen Untreue zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Der Manager war sofort nach dem Urteil wegen Fluchtgefahr im Gerichtssaal verhaftet worden. Der Richterspruch ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Middelhoff bestreitet die Vorwürfe.

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Wie Fromm weiter sagte, sei geplant, rund 500.000 Euro der geforderten Gesamtsumme als Bürgschaft bereitzustellen und den Rest in bar. Das Geld werde von Privatpersonen zur Verfügung gestellt. Dabei gehe es auch um Geldüberweisungen, die aus den USA transferiert werden müssten. Middelhoff selbst hatte Ende März einen Antrag auf Privatinsolvenz gestellt.

Nach seiner Freilassung werde Middelhoff voraussichtlich in seine Bielefelder Villa ziehen und seine medizinische Behandlung ambulant fortsetzen, so der Anwalt. Der 61-Jährige leidet an einer Autoimmunerkrankung, die nach Darstellung seiner Anwälte in der Haft aufgetreten ist und zunächst nur unzulänglich behandelt worden sei.

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