Middelhoff-Prozess: Millionen-Mahnung in der Mittagspause

Middelhoff-Prozess: Millionen-Mahnung in der Mittagspause

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Thomas Middelhoff

von Henryk Hielscher

Der Arcandor-Insolvenzverwalter nutzt den Untreueprozess gegen Ex-Konzernchef Thomas Middelhoff, um dem Manager eine Millionenforderung zuzustellen.

Dass der Untreueprozess vor dem Landgericht in Essen dem früheren Chef des Handelskonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, nicht viel Vergnügen bereiten würden, war absehbar. Dass aber ausgerechnet die heutige Mittagspause für den Ex-Manager ungemütlich werden würde, hatte wohl selbst Middelhoff nicht erwartet.

Nach Informationen der WirtschaftsWoche nutzte der Arcandor-Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch die Mittagszeit, um Middelhoff eine Forderung über 3,4 Millionen Euro zustellen zu lassen. Ein Sprecher von Jauch bestätigte den Vorgang auf Anfrage. Damit beginnt für Middelhoff nun eine Frist, um den Betrag zu zahlen, andernfalls kann der Verwalter vollstrecken. 

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Im September hatte das Landgericht Essen Middelhoff zur Zahlung von 3,4 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter verurteilt. Er soll zu Unrecht Bonuszahlungen kassiert und Privatflüge über Arcandor abgerechnet haben. Middelhoff bestreitet die Vorwürfe und ist in Berufung gegangen.

Trotzdem darf der Insolvenzverwalter das Geld bereits eintreiben. Bei früheren Versuchen, den so genannten Titel zuzustellen, traf Insolvenzverwalter Jauch allerdings auf unerwartete Schwierigkeiten.

Das Problem: Vor kurzem hatte sich der frühere Konzernchef von seinem bisherigen Domizil in Bielefeld in den sonnigen Süden verabschiedet und seinen Wohnsitz nach St. Tropez verlagert. Die Forderung des Insolvenzverwalters konnte so erst einmal nicht zugestellt werden. Nach früheren Aussagen von Middelhoffs soll die Wohnortverlagerung nichts mit den Forderungen von Gläubigern zu tun haben.

Einen Schritt weiter ist Middelhoffs früherer Vermögensberater Josef Esch. Mit ihm hatte sich Middelhoff um Charter- und Unterhaltskosten für die 33 Meter lange Luxusyacht "Medici" gestritten. Das Schiff soll monatlich 72.000 Euro Unterhalt gekostet haben. Im August 2012 einigten sich die Parteien auf einen Vergleich: Middelhoff akzeptierte, bis September 2013 2,5 Millionen Euro  an Esch zu zahlen.

Offenbar blieb es bei dem Versprechen, denn Esch ließ den Titel bereits per Gerichtsvollzieher förmlich zustellen. Weil Middelhoff trotzdem nicht zahlte, ließ Esch nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" inzwischen Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse an Banken und Fonds schicken, bei denen Middelhoff Konten und Beteiligungen hat. 

In dem Strafverfahren musste Middelhoff erneut die Herausgabe einer 180.000 Euro teuren Festschrift für seinen Mentor Mark Wössner auf Kosten von Arcandor rechtfertigen. Middelhoff sagte, die Festschrift und die damit verbundene Festveranstaltung seien für das Handelsunternehmen ein "voller Erfolg" gewesen. Sie seien aus Imagegründen wichtig gewesen. Außerdem sei es dem Konzern nicht zuletzt dadurch gelungen, die Druckkosten für die Quelle-Kataloge bei Bertelsmann deutlich zu senken.

Von der Staatsanwaltschaft war die Veranstaltung als "persönliches Geschenk" des Managers an den ehemaligen Bertelsmann-Chef Wössner bewertet worden. Die Anklagebehörde wirft Middelhoff vor, den inzwischen pleitegegangenen Handelskonzern zu Unrecht mit betriebsfremden Kosten in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro belastet zu haben.

Hauptsächlich geht es um Flüge mit Chartermaschinen und Hubschraubern, die von Arcandor bezahlt wurden, nach Auffassung der Anklagebehörde aber ganz oder teilweise nicht dienstlich veranlasst waren.

Middelhoff weist die Vorwürfe entschieden zurück.

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