Madeleine Schickedanz: Einigung im Milliardenstreit fast perfekt

Millionen für Schickedanz: Einigung im Milliardenstreit fast perfekt

Der außergerichtliche Deal ist besiegelt. Vier Jahre wurde hinter den Kulissen mühsam gerungen, parallel zum Kölner Schadensersatz-Prozess. Für Ex-Milliardärin Schickedanz geht es nicht gerade üppig aus.

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Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz

Es ist ein geräuschloser Abschluss eines spektakulären Schadenersatz-Streits mit vielen prominenten Beteiligten - aber mit einem Schönheitsfehler. Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, früher eine der reichsten Frauen Deutschlands, hat sich nach jahrelangem Ringen mit den Beklagten endgültig außergerichtlich geeinigt. Die Tinte unter der Vereinbarung ist trocken, der Deal besiegelt. Allerdings zieht einer der insgesamt 14 Beklagten nicht mit.

Die 73-Jährige hatte in einem der größten Schadenersatz-Prozesse der deutschen Justizgeschichte ursprünglich eine gigantische Summe von 1,9 Milliarden Euro verlangt. Jetzt bekommt sie nur einen - vergleichsweise bescheidenen - Bruchteil davon. Nach dpa-Informationen erhält Schickedanz einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag - und zwar zum größten Teil von der Deutschen Bank.

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Diese ist seit 2010 Muttergesellschaft von Sal. Oppenheim, die wiederum früher Schickedanz' Hausbank war und im Verfahren vor dem Kölner Landgericht zu den Beklagten gehörte. Das Gericht lässt am Donnerstag wissen: „Nachdem eine außergerichtliche Einigung erzielt worden ist, haben die Klägerin und 13 der 14 Beklagten den Rechtsstreit übereinstimmend für erledigt erklärt.“ Folglich entfällt eine Gerichtsentscheidung.

Aber: Es geht trotzdem in einer Mini-Version Ende März weiter. Dann heißt es nur noch: Schickedanz gegen Matthias Graf von Krockow. Denn dieser Beklagte hat die „Erledigungserklärung“ nicht unterschrieben. Das Landgericht ist also in diesem Einzelfall weiter gefragt.

Dennoch kann man von einem Schlussstrich sprechen - unter ein komplexes Verfahren, in dem auch der Immobilienunternehmer Josef Esch und die Ex-Führung von Sal. Oppenheim zu den Beklagten gehört hatten, darunter Graf von Krockow. Als Zeuge hatte zudem der inzwischen wegen Untreue verurteilte Thomas Middelhoff als früherer Chef des Arcandor-Konzerns ausgesagt.

Rückblick: Die Tochter des Quelle-Gründers Gustav Schickedanz wollte sich eigentlich in dem Prozess vor dem Kölner Landgericht verlorene Milliarden zurückholen. Sie hatte hohe Summen in den Handelsriesen KarstadtQuelle und den 2007 daraus hervorgegangenen Arcandor-Konzern investiert. Der meldete 2009 Insolvenz an.

Ihr Vermögensberater Esch und die Führung von Sal. Oppenheim hätten ihr Geld gegen ihren Willen zu riskant angelegt und sie so um ihr Vermögen gebracht, argumentierte Schickedanz, was die Beklagten stets bestritten. Mit dem Vergleich nimmt sie nun Abstand von den Vorwürfen.

Die Aktien der Klägerin vor Gericht standen von Anfang an schlecht. Der Vorsitzende Richter Stefan Singbartl sagte schon früh, eine Frau mit ihrer Bildung und ihrem Vermögenshintergrund habe wissen müssen, mit welchen Risiken solche Milliardengeschäfte behaftet seien. Ihr Anwalt hatte betont, Schickedanz habe gutgläubig „das gemacht, was man ihr vorgelegt habe“. Die Mutter von vier Kindern beteuerte, sie habe sich vor allem immer um ihre Familie gekümmert.

Der als scheu geltenden Ex-Milliardärin hatte das Gericht nur in einem Einzelpunkt Hoffnung gemacht - im Zusammenhang mit Fondsbeteiligungen für Immobilienprojekte. Zugleich hatte Richter Singbartl immer wieder zu einem außergerichtlichen Vergleich ermuntert und seine Entscheidungstermine mehrfach verschoben.

Überraschend schafften Schickedanz und Sal. Oppenheim im Dezember eine Vereinbarung, die für die Streitparteien allesamt ein Ende des Rechtsstreits ermöglichen sollte. Doch dann kam das Ganze noch einmal ins Stocken - aus nicht öffentlich erklärten Gründen. Jetzt wird deutlich: Graf von Krockow wollte nicht mit ins Boot.

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