Mister Wein tritt ab: Der Ausstieg von Robert Parker verändert die Weinwelt

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Mister Wein tritt ab: Der Ausstieg von Robert Parker verändert die Weinwelt

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Bester Verkoster - Die Analysefähigkeiten von Parker sind unbestritten

von Thorsten Firlus

Robert M. Parker ist der einflussreichste Kritiker der Welt. Sein Urteil bewegt die Preise der teuersten Weine. Nun verkauft er Teile seines Unternehmens und gibt die Chefredaktion ab – die Weinwelt schreckt auf.

Die Weine waren mit 250.000 Euro versichert. Eine Palette mit 49 Flaschen, von den meisten Bordeaux jeweils zwei der gleichen Sorte, wie die Arche Noah, dazu einige Magnumeinzelflaschen. So wurden sie in einem diskreten Lieferwagen nach Südspanien geschafft, direkt aus dem Keller eines Sammlers aus Nordrhein-Westfalen. Einige der Weine waren aus den Sechzigerjahren, andere sogar aus den Vierzigern, der Star des Abends stammte aus dem Jahrgang 1899. Gekauft hatte sie der Sammler teils, als auf sie den Markt kamen, zu hohen, aber nicht exorbitanten Preisen, teils unter 100 Mark. Als die mitgereisten Sommeliers die zwei Flaschen Chateau Lafleur von 1947 auf 24 Gläser für 24 Gäste verteilen, ahnen die Teilnehmer: Es wird für viele das erste und das letzte Mal sein, dass sie diesen Wein kosten werden. Rund 3.800 Dollar gibt die Internet-Weinseite Wine-Searcher als Preis für eine Flasche an – ein Vielfaches dessen, was er einst gekostet hat. Dass dieser Wein hochwertig ist, wussten die Produzenten schon beim Abfüllen; dass er einst eine rare Kostbarkeit sein würde, nicht. Denn die Preissteigerung hat der Wein einem Mann zu verdanken, der erst 1978 begann, Weine zu bewerten: dem Amerikaner Robert M. Parker. Er gab diesem Wein 100 von 100 Punkten.

Die Weinwelt schreckt auf

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Wenn in den kommenden Jahren Winzer ihre Weine abfüllen, werden sie nicht mehr darauf bauen können, dass sie Schützenhilfe von dem Westküsten-Amerikaner bekommen. Vergangene Woche erklärte Parker, dass er sich vom Tagesgeschäft zurückziehen wird und große Anteile seiner Publikation verkauft. Die neuen Partner sollen drei Hedgefondsmanager aus Singapur sein, Parker bezeichnete sie im „Wall Street Journal“ als „junge Visionäre“ aus der Finanz- und IT-Branche. Was die neuen Herren mit ihren Anteilen tun, ist ungewiss. Sicher ist nur: Die Weinwelt wird nicht mehr die gleiche sein.

Parker-Punkte sind die wichtigste Währung in der Weinbranche, der Einfluss Parkers auf den Weinmarkt ist immens. Als „Million-Dollar-Nose“ wurde er beschrieben. Kollegin Jancis Robinson bezeichnete ihn als „den erfahrensten und vertrauenswürdigsten Verkoster“ der Welt, der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac lobte ihn als den „am meisten beobachteten und einflussreichsten Weinkritiker für französische Weine in der Welt“.

Parker wurde 1947 in Baltimore geboren, studierte Jura und arbeitete bis 1984 als Anwalt für eine Bank in Baltimore, ehe er seinen 1978 begonnen Wein-Newsletter zu seinem Hauptjob machte. Jurist Parker sah sich als Verbraucheranwalt, der seinen Lesern Hilfestellung beim Weinkauf bietet.

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Wenig Leser, viel Einfluss

Aktuell hat die sechsmal im Jahr erscheinende gedruckte Version des Newsletters weltweit rund 50.000 Käufer. Das ist eine verschwindend geringe Zahl von echten Lesern im Vergleich zu dem Einfluss, den seine Einschätzungen in Branchenkreisen haben. Der deutsche Winzer und Weinpublizist Dirk Würtz hat Parker persönlich beim Verkosten erlebt und schätzt dessen einzigartige Fähigkeiten bei der Degustation: „Er ist die einzige Benchmark. Selbst die renommiertesten anderen Kritiker haben keinen Einfluss auf die Preise“, sagt Würtz. Einmal im Jahr, im April, wenn die Weingüter des Bordeaux ihre Jungweine der Öffentlichkeit vorstellten, reiste Parker an und vergab auf Basis der noch lange nicht fertig gereiften Weine seine Einschätzung über die zu erwartende Qualität. Und damit änderte sich der Preis. Ein Wein mit 99 Parker-Punkten kann über Nacht seinen Verkaufspreis verdoppeln.

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