Mode: Die Rückkehr des Zweireihers

Mode: Die Rückkehr des Zweireihers

von Thorsten Firlus

Der Anzug mit den zwei Knopfleisten kommt wieder in Mode. Es wird wieder leichter, Hüften und Bauch zu kaschieren.

Muss man jede Mode mitmachen? Natürlich nicht. Deshalb besteht meistens auch kein Grund, über den Inhalt des Kleiderschranks nachzudenken. Das gilt zumindest für eine Vielzahl von Männern und ihren Anzügen. Sind in der Freizeit von Saison zu Saison maßvolle Innovationen vielleicht noch erwünscht, so herrscht beim Anzug seit Jahren das Diktat des Immergleichen: Schlank, sportlich, dynamisch und figurbetont lautet das Dogma der Bürouniform. Und vor allem: Immer schön in einer Reihe bleiben. Allenfalls die Zahl der Knöpfe gab in den vergangenen Jahren, ja Jahrzehnten, Anlass für Diskussionen.

Und nun ist er wieder da, um entstaubt und getragen zu werden: der Zweireiher. Noch ruft bei einigen Männern und ihren Frauen der Gedanke einen gelinden Schrecken hervor, den Bauch demnächst wieder sowohl mit einem inneren als auch äußeren Knopf zu verschließen und mit im Trapez angeordneten Knopfreihen im Büro, im Theater oder auf der Silberhochzeit der besten Freunde zu erscheinen.

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Eine Modewelle dauerte zwischen 72 bis über 100 Jahre

Doch Mode geht – und kommt. Der französische Philosoph Roland Barthes schrieb schon 1967 in seinem Buch „Die Sprache der Mode“: „Jede neue Mode schlägt eine Erbschaft aus und untergräbt den Zwang der vorherigen.“ Die amerikanischen Wissenschaftler Jane Richardson und A.L. Kroeber berechneten 1952 die Zeitperioden, die zwischen 1788 und 1934 vergingen, bis die Maße von Rocklänge, -weite, Taille und die Tiefe und Breite des Dekolletés wieder da sind, wo sie schon einmal waren. In detaillierten Diagrammen belegten sie, dass die Dauer einer Welle zwischen 72 und 116 Jahren beträgt.

Ganz so viel Zeit bleibt heutzutage nicht mehr. Auch nicht in der Männermode. Mode ist immer Spiegel gesellschaftlicher Prozesse. Und die haben sich seit den Fünfzigerjahren rasant beschleunigt. Der Zweireiher, so schwer er einstweilen in den Boutiquen der modernen Anzugunternehmen von Strellson über Hugo Boss bis Windsor zu finden ist, kommt garantiert schneller wieder als nach seinem vorletzten Tief Ende der Fünfzigerjahre.

Die erste Hochphase der jüngeren Vergangenheit erlebte der Zweireiher in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts bis in die frühen Fünfziger. Sein Vorbild war der Gehrock, dessen Schnitt immer kürzer wurde, bis die heutige Länge sich als eherne Konstante erwies in einer Welt, die ansonsten davon lebt, dass der Wechsel die Geschäfte in Schwung hält. Üblich ist heute die Variante mit sechs Knöpfen, von denen mindestens zwei als dekoratives Element an der Brust heften wie einst die Orden der Soldaten. Letztere profitierten von der zweiten Knopfreihe: Die übereinanderliegenden Stofflappen wärmen besser.

Blutrache der Mode

Seinen zweiten Frühling erlebte der Zweireiher dann Mitte der Achtzigerjahre für einen Zeitraum von gut zehn Jahren. Als schließlich im fehlgeleiteten Bemühen nach Lässigkeit seine Ärmel hochgekrempelt wurden, bedeutete das sein Todesurteil. Seither gilt er bei modebewussten Männern als untragbar. Ganz weg war er aber nie. Männer, die unbeirrt ihrer Gewohnheit folgten, trugen auch weiterhin Zweireiher, gern mit Goldknöpfen verziert. Bei der Vorstellung des Golfs VII vergangene Woche trug VW-Chef Martin Winterkorn einen Zweireiher, mit dem er auf vielen Fotos der vergangenen Jahre zu sehen ist. Die subtile Nachricht, die auch das Design des neuen Golfs aussendet: Beständigkeit ist Teil des Erfolgs.

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