Mode: Esprit-Chef wirft die Brocken hin

Mode: Esprit-Chef wirft die Brocken hin

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Ronald van der Vis

von Peter Steinkirchner

Ronald van der Vis verlässt den Ratinger Modekonzern nach gerade mal drei Jahren wieder. Steht bald eine Frau an der Spitze?

Ein Holländer ist schon mal weg - ausgerechnet am Tag des Europameisterschafts-Spiels zwischen Deutschland und den Niederlanden heute Abend vermeldet der Ratinger Modekonzern Esprit den Abgang seines niederländischen Vorstandschefs Ronald van der Vis. Der schwächelnde Moderiese, der damit innerhalb eines halben Jahres nach seinem Finanzchef nun den zweiten Top-Manager verliert, nährt damit vor allem in der Finanzwelt massiv Zweifel an seinem umfangreichen Restrukturierungsprogramm: Nachdem die Meldung über die Ticker lief, stürzte der an der Börse in Hongkong gehandelte Kurs der Esprit-Aktie nach Angaben von Bloomberg um 22 Prozent ab, so stark wie in den vergangenen 15 Jahren nicht mehr.

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Van der Vis, der nach Konzernangaben aus „persönlichen und familiären Gründen“ gehe, zieht damit einen Schlussstrich unter ein seltsames Kapitel in der wechselhaften Geschichte des einst so erfolgreichen Mode-Unternehmens. Denn die Ratinger hatten es sich mit seiner Berufung nicht leicht gemacht. Ewig hatte sich der Auswahlprozess hingezogen, van der Vis lief noch eine Zeit lang neben dem früheren Mister Esprit, Heinz Krogner, her. Doch kaum war die „Lehrzeit“ abgeschlossen, taten sich Risse auf zwischen den beiden Alphatieren an der Esprit-Spitze. Krogner schied schließlich aus. Van der Vis startete einen umfangreichen Umbauplan für den Drei-Milliarden-Euro-Konzern, der vor keinem Bereich haltmachte: Vertrieb, Marketing, Beschaffung und IT und die Klamotten selbst stellte er auf den Prüfstand. Fraglich dabei, ob er sich und seinem Unternehmen einen Gefallen tat, als er öffentlich sagte, Esprit habe als Marke „seine Seele verloren“. Nach einer solchen Aussage das Vertrauen des Handels zurückzugewinnen - an der Aufgabe sind schon andere gescheitert. Die Zahlen fürs Gesamtjahr waren verheerend: 2010/11 war der Gewinn auf gerade noch 68 Millionen Euro abgeschmiert – ein Zehntel dessen, was Esprit noch drei Jahre zuvor eingenommen hatte. Allenfalls dezente Lichtblicke bot die jüngste Quartalsbilanz, bei der der Umsatz auf vergleichbarer Fläche in den eigenen Läden immerhin um homöopathisch-zarte 0,5 Prozent stieg, statt wie zuvor um fast fünf Prozent zu sinken.

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Noch immer ist Esprit in den Innenstädten eine Größe: Weltweit verkaufen die Ratinger ihre Blusen und Hosen in 1100 eigenen Stores, 2100 Franchise-Läden und annähernd 5000 Verkaufsflächen in Kaufhäusern. Die Marke kennt in Deutschland praktisch jeder. Gefährdet ist sie jedoch vor allem durch zwei Dinge: Starke Konkurrenz vor allem durch die weitaus größeren Konkurrenten H&M und Inditex (Zara), die ihnen mit frischeren Konzepten und günstigeren Preisen die Kundschaft abspenstig machen und kräftig wachsen. Der Wettbewerb im Modemarkt ist beinhart. Hinzu kommt jedoch die hausgemachte Schwäche, ein klares Profil der eigenen Marke anzubieten, die dem Kunden neben tragbarer Mode einen Grund gibt, bei Esprit einzukaufen. Unter Heinz Krogner sah das noch anders aus. Der Mann konnte manchen Gesprächspartner zwar mit seiner Allwissenheit nerven. Doch sein Geschäft hatte Krogner im Griff.

Wer sich nun in Zukunft an der Spitze des Konzerns mit all den Baustellen, die van der Vis hinterlässt, herumschlagen darf, das hat Esprit noch nicht bekanntgegeben. Nicht unwahrscheinlich, dass nun eine Frau zum Zuge kommt, die vor einem Jahr an anderer Stelle noch leer ausgegangen war: Seit Januar wirkt Melody Harris-Jensbach als Design- und Produktvorstand in Ratingen. Die gebürtige Amerikanerin kam  vom Sportlifestyle-Konzern Puma zurück zu Esprit, nachdem sie bei den Herzogenaurachern, die zum Luxuskonzern PPR gehören,  nicht zur Nachfolgerin von Vorstandschef Jochen Zeitz gekürt worden war. Sie kennt Esprit und die Branche aus dem Effeff. „Mr. Esprit“ Krogner soll damals ziemlich sauer gewesen sein, als Puma Harris-Jensbach 2007 abwarb. Womöglich gelingt es ihr nun,  Esprit wieder aufzupolieren. Ein lang währendes Vakuum an der Spitze kann sich der Konzern nicht erlauben.

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