Mode vom Discounter: Jette Joop inszeniert die große Aldi-Show

Mode vom Discounter: Jette Joop inszeniert die große Aldi-Show

, aktualisiert 24. September 2016, 08:38 Uhr
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Modedesignerin Jette Joop (Mitte) präsentiert die Schwestern Melissa (links) und Vivien nach dem Umstyling mit Klamotten aus ihrer Aldi-Kollektion. Die Kleidung dürfen die Kandidatinnen zur Belohnung behalten

von Florian KolfQuelle:Handelsblatt Online

Jette Joop macht Werbung für ihre neue Kollektion bei Aldi: Auf dem „Fashion Truck“ stylt sie Kundinnen vor Publikum um. Es ist eine Riesengaudi – und für die umtriebige Designerin ein Millionengeschäft.

DüsseldorfJette Joop ist ganz euphorisch. „Die Lederschuhe habe ich schon seit Tagen an, die sind ganz toll“, schwärmt sie. Auch die Strickjacke, die könne man perfekt mit vielen anderen Teilen kombinieren.

Die Modedesignerin macht Werbung für ihre zweite Kollektion bei Aldi, die ab Montag in die Läden kommt. Und der Discounter hat sich ein besonderes Event ausgedacht, um das zu inszenieren: Der „Aldi Fashion Truck“, ein glänzender US-Truck mit angebauter Bühne, macht Station in Düsseldorf. Präsentieren dürfen die Mode Aldi-Kundinnen, die sich vorher per Facebook dafür beworben haben.

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Angelockt von den wummernden Bässen der Musik aus den mannshohen Lautsprechern sammelt sich langsam das Laufpublikum auf der Freifläche zwischen dem Shoppingcenter Düsseldorf Arcaden und der Baustelle für die neue U-Bahnstation Bilk. Auszubildende aus Düsseldorfer Filialen verteilen Aldi-Artikel aus Bauchläden an die Passanten: Kosmetik, Getränke, Weingummis. Jugendliche spielen an einem großen Touchscreen um kleine Gewinne.

Im Truck wartet unterdessen die 27-jährige Vivien aus Oberhausen auf ihren großen Auftritt. Als erste Kandidatin des Tages steht ihr wie in den beliebten Castingshows im Fernsehen ein „Umstyling“ bevor. Wie von Aldi gewünscht, hat die junge Frau mit kunterbunt tätowierten Armen ihr Lieblingsstück mitgebracht: Ein graues Oberteil mit wenig Stoff und Spaghettiträgern. Beraten von Jette Joop soll das nun kombiniert werden mit ausgewählten Stücken aus der neuen Aldi-Kollektion. Professionell geschminkt und frisiert präsentiert sie sich dann dem klatschenden Publikum.

Den ganzen Nachmittag über verwandeln sich Aldi-Kundinnen in Werbeträger, die Vorher-Nachher-Show kommt gut an. Auch Zuschauerinnen können sich spontan für eine Wildcard zum Umstyling bewerben. Die Stücke aus der Jette-Kollektion dürfen sie zur Belohnung behalten.

„Für uns ist das ein großer Imagegewinn“, freut sich Kim Aline Suckow, Stellvertreterin der Geschäftsführer im Einkauf bei Aldi Süd, die den Trubel vor dem Fashion Truck beobachtet. „Wir erzielen damit viel Aufmerksamkeit.“ Für die erste Kollektion hatte Aldi eine Modenschau in einem Aldi-Markt auf der Düsseldorfer Königsallee inszeniert. Nun also der Truck. „Es müssen Events sein, die zu uns passen“, sagt Suckow.


Konkurrenz für traditionelle Modehändler

Schon die erste gemeinsame Kollektion im Frühjahr war ein überraschend großer Erfolg, in weniger als einer Stunde waren fast alle Teile vergriffen. „Das war für uns auch wirtschaftlich interessant“, sagt Suckow vielsagend. Über Zahlen spricht man bei Aldi nicht.

Nach Schätzungen aus Branchenkreisen, denen Aldi nicht widersprochen hat, hat das Unternehmen mit der ersten Joop-Kollektion 20 Millionen Teile verkauft. Bei Verkaufspreisen zwischen 7,99 und 19,99 Euro dürfte das Unternehmen dadurch deutlich mehr als 200 Millionen Euro umgesetzt haben.

Für alle Beteiligten war das Experiment ein Risiko. „Ich war unfassbar erleichtert, dass sich die erste Kollektion so gut verkauft hat“, gibt Joop zu. Deswegen hat sich das Unternehmen auch sehr rasch entschieden, die Aktion zu wiederholen. „Das ist ein hartes Business“, sagt Joop über ihre Zusammenarbeit mit Aldi, „aber wir sind mittlerweile ein gutes Team geworden“

Entsprechend hoch liegt die Latte für den zweiten Anlauf. „Die Erwartungen sind gestiegen“, räumt auch Jette Joop ein. „Wir haben bei der Anzahl der Artikel noch einmal eine Schippe draufgetan“, sagt Suckow augenzwinkernd. 36 verschiedene Artikel, vom Pullover über den Jumpsuit bis zur Umhängetasche liegen ab kommendem Montag zu Preisen zwischen neun und 30 Euro in den Drahtkörben auf der Aktionsfläche der Filialen.

Nicht nur Aldi, auch Lidl macht den traditionellen Modehändlern mit solch einem hochwertigen Textilangebot zunehmend Konkurrenz. Beide Discounter zählen mittlerweile zu den zehn größten Textilhändlern Deutschlands. Lidl hat gerade erst mit einem Pop-up-Store an der Hamburger Nobelmeile Neuer Wall seine Premium-Modemarke Esmara präsentiert.


Geschäftstüchtig bis zur Schmerzgrenze

Dass ausgerechnet Jette Joop die Kollektion für Aldi entworfen hat, ist nicht wirklich ein Zufall. Die gelernte Industriedesignerin ist geschäftstüchtig bis an die Schmerzgrenze. So hat sie nicht nur mit der Firma Viebrock ein Konzept für ein Fertighaus entwickelt, sondern auch Kinderwagen, eine Besteckserie für WMF, Türgriffe und Glastüren designt. Sogar für Wandfarben hat sie ihren Namen gegeben.

Die kommerziell wohl erfolgreichste Kooperation ihrer Jette GmbH, die in Berlin 18 Menschen beschäftigt, ist die Schmuck- und Uhrenkollektion, die über die Juwelierkette Christ vertrieben wird. Ein Dauerbrenner ist auch ihre Parfümserie bei der Handelskette Douglas.

Ihr neuester Coup erhebt die Schlichtheit zum Designprinzip. So hat sie für den Discounter Penny Handtücher entworfen, komplett einfarbig in himmelblau, lila und sandfarben. „Lassen auch Sie sich von der aufregenden Mischung aus Luxus und Natürlichkeit inspirieren“, schwärmt der Werbetext auf ihrer Website über die unscheinbaren Textilien, die Penny-Kunden für 55 Treuepunkte und eine Zuzahlung von 2,99 Euro bekommen.

Jette Joop sieht in der Verbindung von Design und Discount kein Problem. Sie steht für eine „Demokratisierung des Design“, wie sie es nennt. Das zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Arbeit. So hat sie für mehrere Unternehmen die Arbeitsbekleidung gestylt – unter anderem auch für eine Gebäudereinigungsfirma. „Die Mode ist heute häufig viel zu weit von den Menschen entfernt. Zu abgedreht die Entwürfe, zu teuer, getragen von Magermodels“, kritisiert Joop.

Das Umstyling im Aldi Fashion Truck macht ihr entsprechend Spaß, mit Begeisterung lässt sie sich auf die Aldi-Kundinnen ein. Berührungsängste kennt Jette Joop nicht. Auch beim Schminken und Haare kämmen legt sie selber mit Hand an. Ihr Lieblingsstück der Kollektion ist die schwarze Hose mit mehreren Zierreißverschlüssen an den Beinen. „Darin sieht fast jede Frau gut aus“, sagt sie. Und Vivien aus Oberhausen strahlt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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