Modebranche: Gerry Weber mit mehr Umsatz und weniger Gewinn

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Modebranche: Gerry Weber mit mehr Umsatz und weniger Gewinn

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Herrenhemden des Modeherstellers Gerry Weber

von Nele Hansen

Viele Modeunternehmen straucheln. Doch Gerry Weber steigert kontinuierlich seinen Umsatz durch neue Geschäfte. Die Aktionäre stehen gut da: Die Aktienrendite steigerte sich seit 2008 um mehr als 28 Prozent.

Viele Bekleidungshersteller kämpfen mit den Veränderungen in der Modebranche. Das Nördlinger Modeunternehmen Strenesse etwa konnte gerade noch einmal gerettet werden. Auch das Ratinger Modeunternehmen Esprit verbuchte zuletzt über 400 Millionen Euro Verlust bei sinkendem Umsatz. Doch die gediegene Mode von Gerry Weber aus dem ostwestfälischen Halle ist begehrt wie nie.

Um 6,2 Prozent steigerten die Ostwestfalen ihren Umsatz und setzen im vergangenen Geschäftsjahr 852 Millionen Euro um. 68 zusätzliche Läden eröffnete das Unternehmen im vergangenen Jahr mit der Hoffnung auf höhere Renditen als im Großhandelsgeschäft. „Steigende Margenforderungen mächtiger Handelsunternehmen bewegen immer mehr Markenhersteller dazu, in eigene Shops zu investieren. Das erhöht den Umsatz und die Profitabilität der Modekonzerne erheblich“, sagen Harald Dutzler und Peter Heckmann, Modeexperten der Unternehmensberatung Booz & Company.

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In den nächsten Jahren will Gerry Weber die Hälfte seines Umsatzes mit eigenen Läden erzielen, im vergangenen Geschäftsjahr lag der Anteil bei 42,7 Prozent. Allerdings schrumpfte der operative Gewinn bei Gerry Weber zuletzt von knapp 116 auf 106 Millionen Euro. Für das kommende Jahr rechnet der Modehersteller mit einem operativen Gewinn von mehr als 120 Millionen Euro.

Auch wenn der operative Gewinn im vergangenen Jahr leicht zurückging, stehen Gerry Webers Aktionäre im Vergleich mit anderen auf dem europäischen Markt tätigen börsennotierten Unternehmen gut da. Die Aktienrendite steigerte sich im Zeitraum von 2008 bis 2013 um 28,4 Prozent. Das belegt eine Studie der Unternehmensberatung Booz & Company.

"Das Kundenverhalten hat sich geändert"

Trotz aller Branchenprobleme haben es demnach die 23 größten, auf dem europäischen Markt tätigen Modeunternehmen wie der ostwestfälische Damenmodehersteller Gerry Weber, der Pariser Luxushersteller Hermès, die spanische Inditex-Gruppe oder das Metzinger Unternehmen Hugo Boss geschafft, in den vergangenen fünf Jahren die Aktienrendite, die sowohl die Kurssteigerungen als auch gezahlte Dividenden berücksichtigt, um durchschnittlich 6,2 Prozent zu steigern und damit ähnlich stark wie Unternehmen der Konsumgüterindustrie. Ihr Umsatz legte um durchschnittlich 5,5 Prozent zu. Allerdings sank die Profitabilität im gleichen Zeitraum um insgesamt fünf Prozent.

Haupttreiber für die Zunahme ist das Umsatzwachstum. Gerry Weber vergrößerte beispielsweise die Fläche mit eigenen Shops von 2009 bis 2012 um über 40 Prozent pro Jahr. Das jährliche Umsatzwachstum der eigenen Shops fiel mit 28 Prozent allerdings etwas geringer aus. Burberry vergrößerte seine selbstbetriebenen Shops und Flagships Stores von 2008 bis 2012 um zwölf Prozent. Mithilfe eigener Shops erhöhen die Hersteller nicht nur Umsatz und Profitabilität. Sie können zudem die Wünsche und das Verhalten der Kunden besser analysieren und kurzfristig auf neue Trends reagieren, schreiben Dutzler und Heckmann in ihrer Studie.

Erfolgreich sind mit diesem Prinzip auch die Spanier. Die Inditex-Gruppe, zu der Marken wie Zara und Massimo Dutti gehören, verbesserte ihre Aktienrendite um 21,7 Prozent. Zusammen mit H+M ist sie Vorreiter bei der sogenannten Vertikalisierung. Sie kontrollieren die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktion bis zum Verkauf selber und verkaufen ihre Kleidung in eigenen Geschäften. Zara und H+M haben auch den Trend eingeführt, ständig wechselnde Kollektionen anzubieten. „Das Kundenverhalten hat sich geändert. Wenn Kunden ein schönes Kleid in der Vogue sehen, möchten sie es sofort im Handel haben“, sagen die Booz-Berater.

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Um schnell wechselnde Kollektionen anbieten zu können, verlagern viele Unternehmen einen Teil ihrer Produktion näher an die Verkaufsorte. Die spanische Kette Zara etwa produziert einen Großteil ihrer Kleidung in Spanien, Portugal oder der Türkei. „Wenn in China oder Bangladesch gefertigt wird, können die Unternehmen nicht so schnell auf Trends reagieren, denn von Herstellerrampe braucht Kleidung, die meistens verschifft wird, vier bis sechs Wochen, um in den Handel zu gelangen“, sagen Dutzler und Heckmann.

Doch auch wenn die Eröffnung eigener Ladeflächen für viele Modeunternehmen kurzfristige Umsatzsteigerungen verspricht, warnen die Autoren davor, die Online-Konkurrenz und die steigenden Anforderungen durch die Vertikalisierung zu unterschätzen. Der Online-Anteil an Bekleidungsumsätzen wird sich bis zum Jahr 2020 von heute 14 Prozent auf dann 30 Prozent mehr als verdoppeln. Gleichzeitig wird die physische Verkaufsfläche in Deutschland von 28,5 Millionen Quadratmeter um 16 Prozent auf 24 Millionen Quadratmeter zurückgehen. „Der Kunde muss sich in den Läden wohlfühlen“, betonen die Studienautoren.

Außerdem sollten Modeunternehmen ihren Beschaffungsprozess flexibel gestalten. „Weiße Basic T-Shirts können beispielsweise weiter in China produziert werden, das trendige T-Shirt muss aus der Fabrik in der Nähe kommen, um schnell in den Laden zu kommen“, sagen die Booz-Experten.

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