Modebranche: Tom Tailor zieht es nach Russland

Modebranche: Tom Tailor zieht es nach Russland

, aktualisiert 22. Februar 2017, 11:51 Uhr
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Eine Tom-Tailor-Filiale in Oberhausen: Die Marke will in Russland expandieren.

von Georg WeishauptQuelle:Handelsblatt Online

Das Hamburger Modeunternehmen Tom Tailor schließt rund 160 Filialen in Deutschland. Stattdessen will Interims-Vorstandschef Heiko Schäfer stärker in Russland expandieren. Ein neuer Chef ist in Sicht.

DüsseldorfBeim Hamburger Modekonzern Tom Tailor ist derzeit eigentlich Sparen angesagt. Doch damit allein kann Interims-Vorstandschef Heiko Schäfer das Überleben der Marke nicht langfristig sichern. Deshalb will er in Südosteuropa und in Russland wachsen. „In Russland wollen wir eine zweistellige Zahl von Tom-Tailor-Läden eröffnen“, sagte Schäfer dem Handelsblatt.

Warum ausgerechnet Russland? „Russen geben durchschnittlich mehr Geld für Kleidung aus als Westeuropäer“, begründet er seine Strategie. „Wir erwarten nach der Russlandkrise dort wieder ein Wachstum.“ Zur Zeit betreibt Tom Tailor schon 27 eigene und 49 Franchise-Filialen in Russland.

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In den vergangenen Jahren war das Geschäft in Russland wegen der Wirtschaftskrise und Sanktionen für die deutsche Modebranche schwierig. Vor allem die Umsätze von Gerry Weber aus Halle/Westfalen, aber auch von Bugatti aus Herford brachen dort ein. Schäfer hat im September vergangenen Jahres als Chief Operating Officer (COO) zusätzlich die Rolle des Interims-Vorstandschefs übernommen. Sein langjähriger Vorgänger Dieter Holzer musste gehen, weil das Unternehmen die Gewinnprognose verfehlt hatte. Auch ein von ihm eingeleitetes Sparprogramm reichte nicht, um die Probleme schnell zu lösen.

Sein Nachfolger versucht nun, das Hamburger Unternehmen mit einer harten Sanierung aus der Krise zu führen. Schäfer stoppt die extreme Expansion und will Mode künftig neben Russland und Südosteuropa vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in den Beneluxländern verkaufen. Aber erst einmal hat er im Auslandsgeschäft kräftig aufgeräumt. So hat sich das Unternehmen bereits aus Südafrika zurückgezogen. Im März soll der Rückzug aus China, im Juni aus den USA und bis Ende des Jahres aus Frankreich folgen.

Das gehört zum Spar- und Effizienzprogramm „Reset“, mit dem Schäfer „wieder profitables Wachstum“ erreichen will. Denn im vergangenen Jahr gab es nach vorläufigen Zahlen einen Jahresverlust von rund 73 Millionen Euro. Der entstand auch, weil Tom Tailor wegen des Sparprogramms Einmalaufwendungen in Höhe von 81 Millionen Euro verkraften musste. Auch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erreichte mit zehn Millionen Euro nur den unteren Rand der korrigierten Prognose von zehn bis 20 Millionen Euro.


Das Filialsterben erzwingt einen Stellenabbau

Die Marke Tom Tailor legte um 5,6 Prozent auf rund 666 Millionen Euro zu, während die vor Jahren zugekaufte Zweitmarke Bonita mit einem Minus von sieben Prozent auf 303 Millionen Euro weiterhin Probleme bereitet. Ihr Filialnetz streicht Schäfer deshalb radikal zusammen: Von den 250 Läden, die Schäfer bereits geschlossen hat oder deren Schließung er vorbereitet hat, entfallen die meisten auf Bonita. Nur wenige Tom-Tailor-Läden – wie etwa der in der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil – macht Schäfer dicht. Rund zwei Drittel der Schließungen betreffen Deutschland. Insgesamt hatte Schäfer angekündigt, bis zu 300 Läden zu schließen.

Das Filialsterben erzwingt einen Stellenabbau. Durch das Sparprogramm Reset werden ein paar Hundert Stellen von knapp 6.800 im Unternehmen wegfallen“, machte Schäfer klar. Die meisten Stellen fallen bei den Läden weg, die geschlossen werden.

Aber noch ein Problem muss er lösen: Die Marken Tom Tailor und Bonita sind zwar sehr bekannt, „aber noch nicht begehrlich genug“, räumte Schäfer ein. „Deshalb arbeiten wir aktuell an einer Schärfung unserer Markenprofile.“ Das klingt banal, ist aber besonders im Markt für mittelpreisige Mode schwierig, in dem sich auch Marken wie S.Oliver und Esprit tummeln. Dort wird die Mode schnell austauschbar. Außerdem greifen Discounter wie Primark die Marken in der Mitte des Marktes von unten an sowie die Premiummarken von oben.

Wie das Problem zu bewältigen ist, muss Schäfer allerdings in Zukunft nicht mehr alleine lösen. Er deutet an, dass ihn schon bald ein neuer Chef dauerhaft an der Spitze ablösen wird. „Ich gehe davon aus, dass zeitnah der Posten des CEOs neu besetzt wird“, sagte Schäfer.

Quelle:  Handelsblatt Online
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