Modehändler: Umsatzwachstum macht Zalando begehrt

Modehändler: Umsatzwachstum macht Zalando begehrt

Geringere Inkasso-Einnahmen und Investitionen in Technologie haben beim Modehändler Zalando im dritten Quartal für einen Verlust im laufenden Geschäft gesorgt.

Europas größter Online-Modehändler Zalando hat für einen Umsatzsprung rote Zahlen in Kauf genommen. Die Erlöse sprangen im dritten Quartal um 42 Prozent auf rund 713 Millionen Euro in die Höhe, wie der Berliner Konzern am Donnerstag mitteilte. Im Gesamtjahr will das 2008 gegründete Unternehmen auf knapp drei Milliarden Euro Umsatz kommen. Um dies zu erreichen, investierte Zalando zuletzt kräftig in seine Smartphone-App, den Ausbau seines Angebots auf mehr als 1500 Marken und neue Mitarbeiter. Darüber hinaus testete das Unternehmen die Lieferung noch am Tag der Bestellung in Köln und Berlin. Dies führte neben hohen Rabatten für Sommerwaren letztlich zu einem Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 23,5 Millionen Euro im dritten Quartal nach einem knappen Gewinn im Vorjahr.

Zalando auf einen Blick

  • Die Gründer

    Die Berliner Robert Gentz und David Schneider starteten im Oktober 2008 mit dem kleinen Online-Schuhshop Zalando. Ihr Büro diente als Warenlager, der Service lief über ihre Mobiltelefone.

  • Die Investoren

    Zu den Investoren zählen die Tengelmann-Gruppe (6 Prozent), der Facebook-Investor Digital Sky Technologies DST (9 Prozent), Holtzbrinck Ventures (8 Prozent) sowie die Samwer-Brüder Marc, Oliver und Alexander über ihren Berliner Startup-Entwickler Rocket Internet und European Funders Fund (17%). Die schwedische Investment AB Kinnevik hat mehrfach aufgestockt und hält mittlerweile 36 Prozent an Zalando direkt und indirekt via Rocket Internet. Damit sind die Schweden die größten Gesellschafter des E-Commerce Unternehmens. Im August 2013 stieg die Mode-Gruppe Bestseller von Anders Holch Povlsen mit 10 Prozent ein. Er kaufte u.a. Holtzbrinck und Tengelmann Anteile ab. Weitere Investoren wie der russischen Dotcom-Finanziers Yuri Milner halten insgesamt zusammen 13,5 Prozent.

  • Die Strategie

    Zalando expandierte in den vergangenen vier Jahren extrem schnell und aggressiv in ganz Europa und ist mittlerweile in 15 Ländern aktiv. Dafür setzte das Unternehmen große Summen für das Marketing, vor allem TV-Spots ein. Das Marktforschungsunternehmen Nielsen berechnete die Ausgaben für die Spots im Jahr 2011 allein in Deutschland auf 90 Millionen Euro. Der Bekanntheitsgrad der Marke Zalando liegt in der werberelevanten Zielgruppe bei 95 Prozent. In Frankreich kennt den Online-Händler nach einem Jahr am Markt bereits jeder Zweie.

  • Die Umsatzentwicklung

    Laut Bundesanzeiger wies Zalando für 2009 einen Fehlbetrag von 1,6 Millionen aus. 2010 waren es 20,4 Millionen. Der Umsatz lag 2010 bei 150 Millionen Euro. 2011 waren es bereits 510 Millionen Euro, 2012 hat Zalando die Milliarden-Marke mit 1,15 Milliarden Euro Nettoumsatz geknackt und den Vorjahresumsatz verdoppelt. 2013 kletterte der Umsatz um 52 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro. Dabei steht aber ein Rekordverlust von 100 Millionen Euro in den Büchern.

  • Mitarbeiter und Logistik

    Zalando beschäftigt aktuell mehr als 1200 Mitarbeiter. In Berlin entsteht ein neuer Bürokomplex mit 20.000 Quadratmetern für mehrere hundert Mitarbeiter. Ab Sommer 2013 sollen weitere Büroflächen in Berlin Mitte angemietet werden. In Erfurt eröffnet Anfang Dezember das erste eigene Logistikzentrum, mit dem Bau eines weiteren hat der Online-Händler in Mönchengladbach begonnen, hier sollen bis zu 1000 Beschäftigte arbeiten.


"Wir machen die richtigen Investitionen", sagte Vorstandsmitglied Rubin Ritter. Im Gesamtjahr werde ein deutlicher Gewinn in der Bilanz stehen. Bei Anlegern kamen die Zahlen gut an. Die Aktie gehörte mit einem Plus von 2,5 Prozent auf rund 31,70 Euro zu den stärksten Gewinnern im Mdax. Die Quartalszahlen deuteten daraufhin, dass Zalando weiter Marktanteile gewinne, hieß es bei den Analysten von Bernstein. Im Herbst 2014 war der Modehändler mit einem Ausgabepreis von 21,50 Euro an die Frankfurter Börse gegangen.

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Die bekanntesten Gründungen und Beteiligungen von Rocket Internet

  • Die Gründungen und Beteiligungen der Samwers

    mGut 100 Unternehmen haben die Samwer-Brüder mit ihrer Start-up-Schmiede "Rocket Internet" in den vergangenen Jahren gegründet oder sich an ihnen beteiligt. Die folgenden Liste ist nur eine kleine Auswahl, die zeigt, wie vielschichtig und umfassend das Portfolio der Brüder ist. Deutlich wird auch, dass die Ideen für die Unternehmen selten die eigenen sind.

    Quelle: Joel Kaczmarek: Die Paten des Internets, 2014

  • Ads.com.mm

    Unternehmen: Ads.com.mm

    Vorbild: Craigslist
    Einstieg: Juli 2012
    Unternehmensart: Kleinanzeigen (Anzeigen)
    Herkunftsland: Myanmar

  • Airizu

    Unternehmen: Airizu

    Vorbild: Airbnb
    Einstieg: Mai 2011
    Unternehmensart: Privatzimmervermittlung
    Herkunftsland: China

  • Airu

    Unternehmen: Airu

    Vorbild: Etsy
    Einstieg: Juli 2011
    Unternehmensart: Marktplatz für Selbstgemachtes
    Herkunftsland: Mittel- und Südamerika

  • Dealstreet

    Unternehmen: Dealstreet

    Vorbild: Swoopo
    Einstieg: April 2009
    Unternehmensart: Live-Shopping Anbieter
    Herkunftsland: Deutschland

  • Edarling

    Unternehmen: Edarling

    Vorbild: Eharmony
    Einstieg: November 2008
    Unternehmensart: Online-Partnervermittlung
    Herkunftsland: Deutschland

  • Fashion4Home

    Unternehmen: Fashion4Home

    Vorbild: MyFab
    Einstieg: Juli 2009
    Unternehmensart: Onlineshop für Designer-Möbel
    Herkunftsland: Deutschland

  • HelloFresh

    Unternehmen: HelloFresh

    Vorbild: Middagsfrid
    Einstieg: November 2011
    Unternehmensart: Abo-Commerce zu Rezepten samt Zutaten
    Herkunftsland: Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika, Mittlerer Osten

  • LadenZeile

    Unternehmen: LadenZeile

    Vorbild: Like.com
    Einstieg: Januar 2009
    Unternehmensart: Metasuche für Shoppingangebote
    Herkunftsland: Deutschland

  • Lazada

    Unternehmen: Lazada

    Vorbild: Amazon
    Einstieg: Februar 2012
    Unternehmensart: Online-Versandhaus
    Herkunftsland: Südostasien

  • MyBrands

    Unternehmen: MyBrands

    Vorbild: Dress-for-Less
    Einstieg: Mai 2009
    Unternehmensart: Online-Designer-Outlet
    Herkunftsland: Deutschland

  • Payleven

    Unternehmen: Payleven

    Vorbild: Square
    Einstieg: Januar 2012
    Unternehmensart: Anbieter für Mobile Payment
    Herkunftsland: Deutschland

  • Sexpartnerclub

    Unternehmen: Sexpartnerclub

    Vorbild: -
    Einstieg: Juni 2007
    Unternehmensart: Casual-Dating-Portal
    Herkunftsland: Deutschland

  • Toptarif

    Unternehmen: Toptarif

    Vorbild: Check24
    Einstieg: Juli 2007
    Unternehmensart: Online-Preisvergleich
    Herkunftsland: Deutschland

  • Westwing

    Unternehmen: Westwing

    Vorbild: One Kings Lane
    Einstieg: September 2011
    Unternehmensart: Shoppingclub für Wohn-Accessoires
    Herkunftsland: Deutschland

  • Wimdu

    Unternehmen: Wimdu

    Vorbild: Airbnb
    Einstieg: Februar 2011
    Unternehmensart: Privatzimmervermittlung
    Herkunftsland: Deutschland

  • Zalando

    Unternehmen: Zalando

    Vorbild: Zappos
    Einstieg: Juni 2008
    Unternehmensart: Onlineshop für Fashion
    Herkunftsland: Deutschland

Ritter zufolge ist Zalando gut in das wichtige Weihnachtsquartal gestartet. Das passt auch ins Bild des Branchenverbands HDE. Dieser rechnet damit, dass der Online-Handel seine Einnahmen im Weihnachtsgeschäft um zwölf Prozent auf 11,2 Milliarden Euro steigern wird. Zalando jedenfalls strömen in diesem Jahr bisher die Kunden zu. Die Zahl der Bestellenden in den 15 Märkten kletterte auf 17,2 Millionen von 14,7 Millionen zu Ende 2014. Fast 60 Prozent der Kunden besuchten zuletzt die Zalando-Internetseite über ihre Smartphones oder Tablets. Die Zahl der Mitarbeiter legte in den ersten neun Monaten um rund 1800 auf mehr als 9400 zu.

Weitere Artikel

Für das Gesamtjahr hält das 2008 gegründete Unternehmen an der im Oktober angepassten Prognose fest. Demnach sollen die Erlöse um 33 bis 35 Prozent zulegen. Auf den wichtigsten Märkten Deutschland, Österreich, Schweiz stiegen die Umsätze zwischen Juli und September um 34,4 Prozent, im übrigen Europa sogar um mehr als 52 Prozent.

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