Modelabel: Strenesse meldet Insolvenz an

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Modelabel: Strenesse meldet Insolvenz an

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Der Modehersteller Strenesse hat nach hohen Verlusten einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt.

von Annina Reimann

Das angeschlagene Modeunternehmen Strenesse ist pleite. Das Unternehmen hat heute Morgen seinen Insolvenzantrag eingereicht. Eine Rettungsaktion der Gläubiger ist damit gescheitert.

Weil Strenesse seine im vergangenen März fällige Anleihe nicht zurückzahlen konnte, hatten die Gläubiger dem Modeunternehmen erst Ende Februar noch einen Zahlungsaufschub gegeben. Strenesse sollte sich so etwas Luft verschaffen können, um wieder auf die Beine zu kommen. Am heutigen Mittwochmorgen hat das angeschlagene Unternehmen beim Amtsgericht Nördlingen nun doch einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Der zuständige Richter Volker Plaetschke bestätigte das der WirtschaftsWoche.

Neu im Vorstand ist nun Michael Pluta. Der Fachanwalt für Insolvenzrecht soll dort die Rolle des Chefsanierers Chief Restructuring Officer (CRO) übernehmen. Pluta kommt von der Kanzlei Pluta Rechtsanwalts GmbH in Stuttgart. Er will den Sanierungskurs unterstützen und damit den langfristigen Erfolg des Unternehmens sichern. Vorstandschef soll Luca Strehle bleiben. „Wir wollen den begonnenen Weg der Restrukturierung weiter fortsetzen und das Unternehmen künftig so aufstellen, dass wir Wachstumschancen nutzen und dabei sehr kostendiszipliniert arbeiten“, ließ Strehle verkünden.

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Beantragt hat Strenesse eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Solche Verfahren können Unternehmen heute binnen weniger Monate durchziehen. Möglich macht dies ein seit dem 1. März 2012 geltendes neues Gesetz zum Insolvenzrecht, das „Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen" (ESUG). Sein Kern: Unternehmen in Schieflage können einen Sanierungsplan erarbeiten und sind vor Gläubigern geschützt.

Im Unternehmen übernimmt nicht ein vom Gericht eingesetzter unabhängiger Insolvenzverwalter die Regie, sondern der Vorstand darf weitermachen. Ihm wird ein Sachwalter zur Seite gestellt. Die Rolle des vorläufigen Sachwalters wird nach Informationen der WirtschaftsWoche Jörg Nerlich von der Kanzlei Görg übernehmen. „Das ist richtig“, bestätigte Nerlich der WirtschaftsWoche.

„Wir betrachten die Eigenverwaltung mit Sorge, aber die Tatsache, dass Herr Pluta eingesetzt wurde, veranlasst uns, dem Unternehmen den notwendigen Vertrauensvorschuss zu geben“, sagte der gemeinsame Vertreter der Gläubiger, Frank Günther von One Square Advisors, der WirtschaftsWoche. Noch muss sich der vorläufige Gläubigerausschuss formieren und der Eigenverwaltung zustimmen. Es ist anzunehmen, dass Günter dann im Ausschuss sitzt. Er werde, sagte er, „dem Antrag auf Eigenverwaltung wohl zustimmen“. Als Grund für die Insolvenz gibt Strenesse „drückende Altlasten“ an, die die Sanierung des Unternehmens behinderten. Für Gläubiger der Unternehmensanleihe klingt das nicht unbedingt nach einer guten Nachricht.

Die weitgehend vom Unternehmen gesteuerte Sanierung geht, das kristallisiert sich bei den bisher nach dem neuen Verfahren abgewickelten Insolvenzen von börsennotierten Unternehmen heraus, vor allem zulasten der Anleger. Anwaltskanzleien und Berater, kritisieren Investoren immer wieder, ziehen durch die Lande und preisen das neue Gesetz als Königsweg zur Entschuldung an. Die bayrische Dependance der renommierten Kölner Wirtschaftskanzlei Görg etwa präsentierte einmal ihren Klienten „Neue Chancen der Sanierung". Die insolvenzerfahrenen Anwälte wussten Erfreuliches zu berichten.

Vorteil der Restrukturierung in der Insolvenz sei, dass eine „Entschuldung der Gesellschaft auch gegen den Willen von Gläubigern und Aktionären möglich" sei. Eine „Enteignung" der Altaktionäre, beispielsweise durch die Umwandlung von Schulden in Aktien (Debt to Equity-Swap), sei „denkbar". Weiterer Vorteil: „In der Regel" sei ein „höherer Haircut" möglich. Dürfte heißen: Anleiheanleger müssen auf mehr Geld verzichten als außerhalb der Insolvenz. Gelobt wurde die Schnelligkeit des Verfahrens. Das Risiko, dass Gläubiger sich gerichtlich gegen den Insolvenzplan wehrten, sei „seit ESUG erheblich reduziert".

Ebenso bedenklich ist, dass einmal mehr andere im Mittelstandsanleihemarkt offenbar früher informiert waren. Schon am Montag war der Kurs der 12-Millionen-Euro schweren Mittelstandsanleihe von Strenesse von 40 auf heute 23 Prozent abgebröckelt. Erst reagierte also der Kurs, die Nachricht wurde nachgeliefert. Bei anderen Anleihen ermittelt die Finanzaufsicht BaFin wegen solch auffälliger Kurssprünge bereits wegen dem Verdacht auf Insiderhandel.

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Der Kurs stand bereits so tief, weil das angeschlagene Unternehmen die eigentlich im März fällige Anleihe nicht zurückzahlen konnte. Anfang des Jahres hatten die Gläubiger daher entschieden, Strenesse einen Zahlungsaufschub zu gewähren. Ein Sanierungsplan sollte bis 2017 umgesetzt werden, um dann die zwölf Millionen Euro zurückzahlen zu können. Damals hatte sich Firmenchef Strehle noch optimistisch gezeigt, aber auch schon angedeutet, dass noch einmal eine Finanzspritze vonnöten sein könnte.

Die Strenesse AG ist ein Familienunternehmen mit rund 400 Mitarbeitern. Nach der letzten veröffentlichten Bilanz hat Strenesse im Geschäftsjahr 2011/12 bei einem Umsatz von knapp 66 Millionen Euro einen Jahresverlust von fast 1,1 Millionen Euro verbucht - das Minus hatte sich gegenüber dem Vorjahr mehr als vervierfacht. Die Zahlen für 2012/13 wurden noch nicht vorgelegt.

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