Möbelklassiker: Das Ende der Möbel-Kopien

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Möbelklassiker: Das Ende der Möbel-Kopien

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Ein Original: Der Lounge Chair von Charles & Ray Eames aus dem Programm des Herstellers Vitra.

von Thorsten Firlus

Einen Design-Klassiker im Wohnzimmer für kleines Geld? Bis vor kurzem ermöglichte das britisches Recht. Nach der Gesetzesänderung hat die Repliken-Industrie schnell einen Ausweg gefunden – mit Überraschungen für Kunden.

Eine Reise in die Toskana klingt zunächst verlockend. Aber weniger, wenn es eigentlich nur darum geht, sich einen Sessel anzuschauen, den man eventuell kaufen möchte. Das ist aber nötig, wer bei einem italienischen Anbieter von Kopien ikonischer Möbel wie dem Lounge Chair von Charles und Ray Eames vor dem Kauf begutachten möchte. Und bitte mit Voranmeldung. Eine Woche vorher. Viel Aufwand für ein Möbelstück.

Einfacher geht es, wie so oft, im Internet: Menschen mit dem Wunsch nach einem Designklassiker in den eigenen vier Wänden, sei es der Tisch Laccio, den Marcel Breuer entwarf oder den Freischwinger von Mies van der Rohe, aber eingeschränktem Budget unterwegs sind, werden auf entsprechenden Seiten rasch fündig. Portale bieten dort die Möbelklassiker zu einem Drittel des Preises an, den unter Umständen das örtliche Möbelhaus verlangt.

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Diese Industrie hat in den vergangenen Jahrzehnten ihren Sitz in Großbritannien gehabt. Dort galt bis vor kurzem ein Gesetz, dass es Unternehmen wie Voga erlaubte, diese Stilikonen günstig produzieren zu lassen und zu vertreiben.

Herkunftsländer von Plagiaten in Europa

  • China

    Anteil 2014: 46,9 Prozent

    Anteil 2013: 59,2 Prozent

    Anteil 2012: 44,6 Prozent

  • Hongkong

    Anteil 2014: 28, 2 Prozent

    Anteil 2013: 18, 8 Prozent

    Anteil 2012: 22,1 Prozent

  • USA

    Anteil 2014: 8 Prozent

    Anteil 2013: 4,3 Prozent

    Anteil 2012: 5,4 Prozent

  • Vereinigtes Königreich

    Anteil 2014: 3,8 Prozent

    Anteil 2013: 3,0 Prozent

    Anteil 2012: 3,0 Prozent

  • Singapur

    Anteil 2014: 1,8 Prozent

    Anteil 2013: 2,7 Prozent

    Anteil 2012: 6,9 Prozent


Seit Juli diesen Jahres gilt auch in Großbritannien, wie andernorts in der EU, dass Möbel, die die nötige Schöpfungshöhe erreichen, bis zu 70 Jahre nach dem Tod des Designer geschützt sind. Das Unternehmen Vitra im Schweizerischen Birsfelden bezahlt für den Eames-Lounge Chair Lizenzgebühren an die Nachfahren des Designer-Ehepaars Charles und Ray Eames.

Das britische Unternehmen Voga, das keine Lizenzgebühren entrichtet, hat kurzerhand und ohne, dass es für den Besucher der Webseite leicht zu erkennen ist, das Procedere angepasst und ausgenutzt, dass in Irland die Gesetzeslage auch weiterhin erlaubt, solche Repliken zu vertreiben.

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Dreiste Fälscher sorgen für Ärger in der Möbelindustrie. Das weiß der schweizerische Hersteller Vitra nur zu gut – jährlich gibt er Summen im sechs- bis siebenstelligen Bereich im Kampf gegen Produktpiraterie aus.

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Wer heute den Swan Chair von Arne Jacobs die Arco Standleuchte mit Marmorfuß von Castiglioni als Version „inspired by“ erwerben möchte, kann dies tun. Und sich nach Eintreffen des gewünschten Objektes beim Verkäufer abholen. In einem Lagerhaus in Irland, 50 Kilometer südwestlich von Dublin. Betreiber des Lagerhauses ist das Logistikunternehmen DSV mit 40.000 Mitarbeitern und Sitz in Dänemark. Kunden von Voga haben in den vergangenen Wochen auch gleich DSV damit beauftragt, ihre Ware von Irland nach Deutschland zu bringen. Das ist derzeit legal. Aber zumindest umständlich. Voga selbst bietet auf seiner Webseite weder Versandservice an, noch Hinweise, wie sich das erledigen lässt.

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