Nach Air-Berlin-Pleite: Lufthansa wehrt sich gegen Wucher-Vorwurf

Nach Air-Berlin-Pleite: Lufthansa wehrt sich gegen Wucher-Vorwurf

, aktualisiert 01. Dezember 2017, 16:29 Uhr
von Christoph SchlautmannQuelle:Handelsblatt Online

Seit dem Ende von Air Berlin steigen die innerdeutschen Ticket-Preise in ungeahnte Höhen. Doch die Lufthansa weist den Vorwurf der Preistreiberei zurück. Die Behörden sind trotzdem alarmiert.

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Mitunter setzt die Lufthansa eine Boeing 747-400 für innerdeutsche Flüge ein.

FrankfurtDen Lufthansa-Hinflug Montagfrüh von Frankfurt nach Tegel für 523,94 Euro, den es früher einmal für unter 60 Euro gab? Die Strecke Hamburg-München zur selben Zeit für 363,43 Euro, die sonst nicht einmal 50 Euro kostete? Was Flugpassagiere als Preistreiberei kritisieren, die sie nach dem Aus des Konkurrenten Air Berlin beobachten, weist die Kranich-Airline als Missverständnis zurück.

„Wir haben unsere Flugpreise seit März 2016 nicht verändert“, beteuert Markus Frank, der im Konzern für das Pricing der Umsteige-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines verantwortlich ist. Nicht einmal die Erlöse bei einem vollbesetzten Flug hätten sich, abgesehen von schwankenden Nachfragen nach einzelnen Servicetarifen, seither verändert.

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Was aus Sicht der Flugkunden die Preise nach oben zieht, ist nach Darstellung der Lufthansa der frühe Abverkauf der günstigen Tickets. „Früher waren sechs Wochen vor Abflug rund 50 Prozent der Sitze vergeben“, berichtet Frank, „seit dem Aus von Air Berlin sind es zehn Prozentpunkte mehr.“ 

Das aber hat Auswirkungen auf die Preisoptik. Weil Lufthansa die Buchungen in 17 Stufen - je nach Anzahl der Restplätze - bis kurz vor Abflug immer teurer macht, sind die Schnäppchen nun schon früher weg. „Hatten wir sonst zwei Wochen vor Abflug oft noch 30 Plätze im System, so dass wir Tickets für 199 Euro anbieten konnten, gibt es heute meist nur noch zehn bis zwölf“, erklärt Frank. „Die aber liegen dann bei einem höheren Preispunkt.“ An der reinen Anzahl von billigen und teureren Tickets für einen Flug habe sich aber nichts verändert.

Zusatzerlöse gibt es nach Darstellung der Lufthansa nur durch den Einsatz zusätzlicher Maschinen. Im innerdeutschen Verkehr setze man nun sechs Airbus-321-Jets ein, die eigentlich über den Winter geparkt werden sollten. Auf der Stecke Frankfurt-Tegel startet seit Anfang November – ein kostspieliges Novum im innerdeutschen Verkehr – eine Boeing 747, für die man eigens neue Abfertigungspläne ausarbeiten musste.

Zudem hat Lufthansa zusätzlich zwei Sunexpress-Maschinen gechartert, und in den Tagen vor Weihnachten pendelt erstmals ein Langstrecken-Airbus vom Typ 340 zwischen Tegel und München. „Auf diese Weise haben wir rund 50 Prozent der Kapazitäten ausgeglichen, die durch die Air-Berlin-Insolvenz weggefallen sind“, berichtet Lufthansa-Manager Michael Haendel. 


Auf manchen Strecken haben sich die Preise verdreifacht

Der Ersatz betrifft allerdings nur Verbindungen an den Drehkreuzen Frankfurt, München, Zürich und Wien, an denen die drei Netz-Airlines des Dax-Konzerns vertreten sind. Zu den übrigen deutschen Airports, die von der Billigtochter Eurowings bedient werden, nennt Lufthansa keine Zahlen. Auch die jeweiligen Anteile von Lufthansa und Eurowings am innerdeutschen Flugverkehr hält der Konzern unter Verschluss.

Ob Lufthansas Erklärung die Kritiker besänftigen wird, ist eher ungewiss. Denn insbesondere auf den innerdeutschen Flugstrecken ist der Preisanstieg enorm, seitdem mit Air Berlin die zweitgrößte deutsche Airline aus dem Markt ausgestiegen ist. So ermittelte das Internet-Portal Mydealz, dass die Tickets auf der Kurzstrecke nach dem Aus des Air-Berlin-Linienverkehrs zwischen 26 und 39 Prozent teurer wurden, auf manchen Strecken haben sich die Preise sogar verdreifacht.

Das ruft längst auch Wettbewerbshüter auf den Plan. So erwägt das Bundeskartellamt in Bonn, ein Verfahren zu eröffnen, falls die hohen Preise auch nach der Fusion von Air Berlin und Lufthansa bestehen bleiben. “Natürlich schadet der Wegfall von Air Berlin dem Wettbewerb“, sagte Behördenchef Andreas Mundt dem Handelsblatt. „Ein Preiseffekt zum Nachteil des Kunden ist auch nicht wirklich überraschend.“

Daniel Zimmer, Direktor des Instituts für Handels- und Wirtschaftsrecht an der Universität Bonn und Ex-Chef der Monopolkommission, kritisiert: „Der Lufthansa-Chef tut so, als ob die Preise vom Himmel fallen. Aber die Preise sind von der Lufthansa gesetzt.“

Experten wie Monopolkommissionschef Achim Wambach rechnen damit, dass die Preise mindestens so lange hoch bleiben, bis die laufenden Fusionskontrollverfahren abgeschlossen sind und das Angebot von Flügen wieder auf dem vorherigen Niveau angelangt ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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