Nach dem Edeka-Tengelmann-Deal: Wie Rewe seine Führung umkrempeln will

Nach dem Edeka-Tengelmann-Deal: Wie Rewe seine Führung umkrempeln will

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Rewe-Chef Alain Caparros wird 2018 abgelöst, jetzt beginnt die Nachfolgeplanung.

von Henryk Hielscher und Mario Brück

Rewe plant einen grundlegenden Umbau der Führungsstruktur. Die Schlappe im Kampf um Kaiser’s Tengelmann könnte die Pläne beschleunigen. Was das für den Lebensmittelhändler bedeutet.

Flammende Appelle, eine Anzeigenkampagne und reihenweise eigene Angebote – was hat Rewe-Chef Alain Caparros nicht alles unternommen, um die Übernahme der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann durch den Rivalen Edeka zu torpedieren. Allein, es half nichts. Am Dienstag hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel den seit Jahren größten und umstrittensten Deal im deutschen Lebensmittelhandel genehmigt: Edeka darf trotz massiver Wettbewerbsbedenken des Bundeskartellamtes alle 451 Kaiser’s-Tengelmann-Filialen übernehmen, muss aber happige Auflagen erfüllen. Rewe geht leer aus.

Zwar hatte Caparros im Vorfeld angekündigt, „alle rechtlichen Schritte“ zu nutzen, „um einen Kauf durch Edeka zu verhindern“. Doch hinter den Kulissen ist den Beteiligten klar, dass der Edeka-Durchmarsch kaum noch zu stoppen ist. Stattdessen müssen sich die Rewe-Granden mit der veränderten Lage arrangieren – und wollen zugleich die Führungsstruktur ihres Konzerns neu justieren.

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So ist nach Informationen der WirtschaftsWoche ein grundlegender Umbau des Rewe-Vorstands geplant. Statt wie bisher sechs sollen mittelfristig nur noch drei Vorstände den Konzern mit seinen europaweit rund 330.000 Mitarbeitern steuern und die Bereiche Handel national, Handel international und Finanzen abdecken. Auch unterhalb des Vorstands dürfte die Zahl der Manager sinken. So könnten einzelne Funktionen, die von Tochtergesellschaften separat besetzt werden, zusammengelegt werden, heißt es im Konzernumfeld.

Über den Zuschnitt des Vorstands „müssen die Aufsichtsräte erst noch entscheiden“, sagt ein Rewe-Sprecher dazu, bestätigt aber „Überlegungen“, bei denen auch die „Zahl der Vorstände und der Zuschnitt der Vorstandsressorts zur Debatte“ stehen. Mit der Tengelmann-Entscheidung hätten derlei Ideen indes nicht zu tun.

Tatsächlich lagen die Umbaupläne schon in den Schubladen der Konzernoberen, bevor Gabriel ihre Hoffnungen beerdigte, bei der Supermarktkette noch zum Zuge zu kommen – oder zumindest Edeka als Käufer zu verhindern. Jetzt dürfte die Caparros-Crew die internen Pläne mit Verve vorantreiben, Ziel der Überlegungen sei schließlich die „Steigerung der Effizienz und Agilität“ der Gruppe, sagt der Rewe-Sprecher.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

  • Platz 10

    Globus

    Bruttoumsatz 2015: 4,82 Milliarden Euro

  • Platz 9

    Rossmann

    Bruttoumsatz 2015: 5,75 Milliarden Euro

  • Platz 8

    dm Drogeriemarkt

    Umsatz in Deutschland: 7,03 Milliarden Euro

  • Platz 7

    Tengelmann-Gruppe

    Bruttoumsatz 2015: 7,7 Milliarden Euro ( Außenumsatz aller Vertriebsbereiche (Obi inkl. Franchisenehmer))

  • Platz 6

    Lekkerland

    Bruttoumsatz 2015: 9,08 Milliarden Euro

  • Platz 5

    Metro (Real, Cash & Carry)
    Bruttoumsatz 2015: 26,13 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 4

    Aldi (Nord und Süd)
    Bruttoumsatz 2015: 27,8 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 3

    Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland)
    Bruttoumsatz 2015: 34,54 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 2

    Rewe-Gruppe
    Bruttoumsatz 2015: 39,61 Milliarden Euro

  • Platz 1

    Edeka (inkl. Netto)
    Bruttoumsatz 2015: 53,28 Milliarden Euro

    Quelle: TradeDimensions / Statista

Nicht minder wichtig: Der weitverzweigte Handels- und Touristikriese soll steuerbar bleiben, wenn der Vorstandschef Ende 2018 seinen Posten räumt. Seit zehn Jahren führt Caparros Rewe, mal charmant, mal robust, durch die Widrigkeiten des Tagesgeschäfts. Er hat die Strukturen auf sich zugeschnitten und leistet sich bisweilen Auftritte der lautstarken Art wie zuletzt bei einer Anhörung im Wirtschaftsministerium. Als Lügner kanzelte er dort im November Tengelmann-Eigner Karl-Erivan Haub ab und warf ihm vor, nur mit Edeka, nicht aber mit Rewe verhandelt zu haben. „Bei Edeka kümmert sich der Vorstandschef um das Thema, bei Rewe nicht“, frotzelte Haub zurück. Tatsächlich hatte nicht Caparros, sondern Vorstand Lionel Souque das Interesse signalisiert. Assistenz- statt Chefarztbehandlung also?

In der Praxis geht Souques Rolle weit darüber hinaus. Der Franzose ist derzeit der heißeste Anwärter für die Caparros-Nachfolge, auch wenn der Rewe-Sprecher betont, dass es „keine Entscheidungen“ zur Nachfolge gibt. Höchstens Souques Vorstandskollege Jan Kunath taugt noch zum Kronprinzen. Der brachte zunächst die Baumarkttochter Toom auf Kurs und leitet seit 2010 Rewes Discountableger Penny. Souque lenkt das deutsche Supermarktgeschäft, das 2014 knapp 17 Milliarden Euro Umsatz in die Kassen gespült hat und nach Schätzungen eines Insiders 2015 kräftig gewachsen ist.

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1 Kommentar zu Nach dem Edeka-Tengelmann-Deal: Wie Rewe seine Führung umkrempeln will

  • Timeo Danaos et dona ferentes - ein Quäntchen humanistischer Bildung würde die Freude des EDEKA-Managements über das Geschenk des Wirtschaftsministers vermutlich sehr dämpfen.
    Weiß der Teufel, was der sich dabei mal wieder gedacht hat.
    Aus Nostalgie und Sentimentalität habe ich über die Jahre immer mal wieder Kaiser's/Tengelmann-Filialen aufgesucht und auch ein bissschen was gekauft.
    Die Lagen - lausig, die Ausstattung - grausig, das Angebot - naja.
    Meine Großmutter amüsierte uns Kinder immer aufs Neue mit dem Reim:
    "Hauve jecke Tengelemann, kick dich ding Banone an, behau dich denge Schlaat, mör jelde op der maat!" (Orthografie ohne Gewähr)
    REWE muss bestimmt keine Träne weinen, und Herr Caparros kann sich besten Gewissens dem Kunsthandel widmen.

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