Neuer Großaktionär: Etihad steigt bei Air Berlin ein

Neuer Großaktionär: Etihad steigt bei Air Berlin ein

, aktualisiert 19. Dezember 2011, 10:36 Uhr
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Etihad will offenbar bei Air Berlin einsteigen.

Quelle:Handelsblatt Online

Das angeschlagene Luftfahrtunternehmen Air Berlin hat einen Retter gefunden: Die arabische Airline Etihad steigt bei Deutschlands zweitgrößter Fluglinie ein. Doch noch ist Air Berlin nicht über den Winter.

FrankfurtDie arabische Fluggesellschaft Etihad steigt in großem Stil bei Deutschlands zweitgrößter Airline Air Berlin. Etihad werde ihren Anteil von derzeit 2,99 Prozent in Zuge einer Kapitalerhöhung auf 29,21 Prozent aufstocken, teilte Air Berlin am Montag mit. Etihad werde dabei 31.574.312 neue Aktien für 2,31 Euro - dem Schlusskurs vom Freitag - je Anteilsschein kaufen. Die Araber greifen der angeschlagenen deutschen Fluggesellschaft auch finanziell unter die Arme und wollen Mittel von bis zu 255 Millionen Dollar mit einer Laufzeit bis Ende Dezember 2016 bereitstellen.

Zudem wurde eine umfassende strategische Zusammenarbeit vereinbart, die vor allem den Abschluss einer weitreichenden Code-Share-Vereinbarung vorsieht. Air Berlin erhofft sich dadurch im kommenden Jahr Einsparungen von 35 bis 40 Millionen Euro.

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„Die strategische Partnerschaft mit Etihad Airways eröffnet einzigartige Möglichkeiten für die Zukunft unseres Unternehmens“, sagte Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn. „Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die zukünftige Marktentwicklung und die Realisierung von Synergien.“

Air Berlin steckt nach Jahren schneller Expansion tief in den roten Zahlen und hat einen Schuldenberg von mehr als 600 Millionen Euro angehäuft. Die Air-Berlin-Aktie befindet sich bislang überwiegend im Streubesitz. Zu den größten Aktionären gehören die ESAS Holding, die im Besitz der Sabanci-Familie ist, mit gut 16 Prozent und der Investor Hans-Joachim Knieps mit mehr als sieben Prozent.

Die Unternehmen kennen sich bereits – schon 2008 gab es Verhandlungen über einen Einstieg. Etihad ist eine der drei rasant wachsenden Airlines aus den Emiraten. Über den bevorstehenden Einstieg bei der zweitgrößten Fluggesellschaft Deutschlands hat das Handelsblatt bereits vor rund Wochen berichtet.

Damals hieß es, es sei die Ausgabe neuer Aktien geplant, um den Investor ins Boot zu holen. Ein solches Szenario sorgte an der Börse für Unruhe. Die Aktien von Air Berlin gaben damals um 6,3 Prozent nach. Die Sorge der Anleger: Um wirklich Liquidität in größerem Umfang zu bekommen, müsste eine Kapitalerhöhung so groß ausfallen, dass der Anteil der anderen Investoren, allen voran die türkische Esas Holding (16,48 Prozent), stark verwässert würde. Gleichzeitig darf die Grenze von 49,9 Prozent nicht überschritten werden, sonst würde Air Berlin die Verkehrsrechte verlieren. Heute stieg die Aktie von Air Berlin um zwischenzeitlich über acht Prozent.

Seit Hartmut Mehdorn, der frühere Bahn-Chef, im September die Führung von Air-Berlin aus den Händen des Gründers Joachim Hunold übernommen hat, geht es vor allem um zwei Dinge: die kurzfristige Sicherung der Liquidität, um den Winter zu überstehen, sowie die langfristige Sanierung der Airline.


Air Berlin setzt nicht nur auf Geld

Denn immer noch braucht Air Berlin mehr Geld, um den Betrieb zu sichern, als das Unternehmen mit dem operativen Geschäft einnimmt. Die Eigenkapitalquote betrug Ende des dritten Quartals magere 14 Prozent..

Zwar steuert Mehdorn nach Kräften gegen, spart, kappt die Kapazitäten, versucht, die Ticketpreise anzuheben. Doch er braucht Zeit. Und gegen ihn läuft die neue Schwächephase in der weltweiten Luftfahrt. Der Einstieg eines solventen Investors könnte also zur Rettung von Air Berlin, der deutschen Nummer zwei, erheblich beitragen.

Wie zu hören ist, setzt Air Berlin aber nicht nur auf das Geld, sondern auch auf die hohe Leistungsfähigkeit von Etihad. Airlines aus der Golfregion sind seit Jahren sehr erfolgreich, selbst in Krisenzeiten. Der Einstieg eines solchen Investors würde der Lufthansa, der Nummer eins in Deutschland und Europa, wehtun, heißt es.

Experten vermissen jedoch die strategische Komponente hinter dem Etihad-Deal. Denn Air Berlin plant gerade, der Partnerschaft One World um British Airways beizutreten. Ein Investor aus diesem Kreis erscheint für die Sicherung der Zukunft geeigneter. Etihad gehört aber keiner Airline-Partnerschaft an.

Branchenkenner halten es aber für denkbar, dass Etihad als eine Art Ankeraktionär Ruhe reinbringen und Air Berlin Zeit verschaffen soll, bis eine andere Lösung gefunden würde, etwa der dauerhafte Einstieg eines Mitglieds der Allianz One World.

Quelle:  Handelsblatt Online
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