Neuer Rowling-Roman: „Ab einer Million verkaufter Bücher gibt es Champagner“

Neuer Rowling-Roman: „Ab einer Million verkaufter Bücher gibt es Champagner“

von Peter Steinkirchner

Die Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling soll dem Hamburger Carlsen-Verlag Millionen Euro in die Kasse spülen. Mit ihrem neuen Buch. Wir haben mit Carlsen-Geschäftsführer Joachim Kaufmann gesprochen.

WirtschaftsWoche: Herr Kaufmann, haben Sie die neue Rowling schon gelesen? Die ganzen 576 Seiten?

Kaufmann: Ja, ich gehöre wohl zu den 30 Leuten auf der Welt, die das neue Buch von Frau Rowling bereits vor dem Verkaufsstart an diesem Donnerstag lesen durften – und ich bin begeistert. Natürlich kennt alle Welt J. K. Rowling als Erfinderin von Harry Potter. Aber mit „Ein plötzlicher Todesfall“ erfindet sie sich praktisch als Autorin neu. Was dem Potter-Kosmos und dem neuen Buch aber gemeinsam ist: Rowling hat hier wieder wunderbare Charaktere geschaffen, die im Lauf der Lektüre regelrecht zu persönlichen Bekannten werden.

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Der Carlsen-Verlag hat zwar seit 1998 alle sieben Harry Potter-Bücher veröffentlicht, aber Rowling hat in den meisten anderen Ländern für ihr erstes „Erwachsenen-Buch“ den Verlag gewechselt; in England etwa von Bloomsbury zu Little, Brown. In Deutschland ist Sie dagegen Carlsen treu geblieben. Wie hart war der Bieterkampf um die deutschen Rechte?

Joachim Kaufmann, Geschäftsführer des Carlsen Verlags

Joachim Kaufmann führt zusammen mit Verlegerin Renate Herre die Geschäfte beim Hamburger Carlsen-Verlag. Bei Carlsen erscheinen neben den „Harry Potter“-Romanen von J. K. Rowling Comics („Tim und Struppi“, „Gaston“) sowie Kinder- und Jugendliteratur. Zu den bekanntesten Marken des Verlags zählen „Die drei ???“, „Percy Jackson“ und „Ritter Rost“.

An den Rechten waren viele große deutsche Verlage interessiert; diesen Titel und diese Autorin würden wohl alle Häuser gerne in ihrem Programm haben. Dass es am Ende wir waren, die im April den Vertrag mit Rowling unterschreiben konnten, lag sicher an verschiedenen Dingen: Zum einen haben wir zusammen mit dem Ullstein-Verlag, der wie wir zur Bonnier-Gruppe gehört und der die Taschenbuchausgabe herausbringen wird, unsere Kräfte sehr gut gebündelt. Zum anderen war Frau Rowling an der Entscheidung über den Rechteverkauf beteiligt. Sie kennt uns, sie weiß sehr genau, in welchem Umfeld ihre Bücher erscheinen. Und jeder weiß, dass sie mit den Harry Potter-Büchern sehr viel Geld verdient hat. Deshalb war es am Ende sicher auch nicht allein eine Frage des höchsten Gebots.

Sie wird Ihnen das Buch nicht geschenkt haben…

Nein, das Buch hat uns eine ordentliche Summe gekostet, die ich aber nicht nennen darf.

„Ein plötzlicher Todesfall“ geht mit einer Auflage von 500.000 Exemplaren an den Start – rechnen Sie wie bei Potter mit Verkaufsrekorden?

Die Startauflage ist für ein Buch mit diesem Inhalt sicher außergewöhnlich. In diesem Jahr dürften höchstens noch „Shades of Grey“ und der neue Ken Follett in ähnliche Größenordnungen gehen. Mit Harry Potter wird sich das neue Buch aber sicher nicht vergleichen lassen. Natürlich sind wir alle von dem Buch überzeugt. Aber niemand weiß, wie die Leser es annehmen werden und ob sie der Autorin in ein neues Genre folgen. Einen solchen Hype wie bei Harry Potter 7, als am ersten Verkaufswochenende eine Million Bücher über die Ladentheke gingen, wird es sicher nicht geben. „Ein plötzlicher Todesfall“ ist kein Hype-Buch, sondern einfach ein toller Gesellschaftsroman.

Mit wie vielen verkauften Büchern rechnen Sie denn?
Das ist tatsächlich sehr schwer einzuschätzen. Sagen wir es so: Ab einer halben Million verkauften Exemplaren stoßen wir im Verlag mit Sekt an, ab einer Million verkauften Büchern darf es gern ein guter Champagner sein. Wenn es nur 200.000 Stück würden, wäre das nicht so schön.

„Ein plötzlicher Todesfall“ veröffentlichen Sie gleichzeitig auch als E-Book – mit welchen Verkaufszahlen rechnen Sie beim elektronischen Buch?

Anders als bei den Potter-Büchern, für die Frau Rowling die Digitalrechte behalten hat, haben wir diesmal alle Rechte kaufen können. Der Markt für E-Books hat sich seit 1998, als wir die Potter-Rechte gekauft haben, dramatisch verändert. Auch in Deutschland hat das Thema E-Book richtig Fahrt aufgenommen, deshalb rechnen wir mit bis zu 100.000 verkauften Exemplaren.

Der Carlsen Verlag hat im vergangenen Jahr rund 53 Millionen Euro umgesetzt – wie hoch wird der Umsatz im Rowling-Jahr ausfallen?

Ohne das Buch gehen wir im laufenden Jahr von einem Umsatz von gut 50 Millionen Euro aus. Was da noch hinzukommt, ist der Rowling-Effekt: Das könnten durchaus zehn Millionen Euro oder mehr sein.

J. K. Rowling wird auch nach „Ein plötzlicher Todesfall“ weitere Bücher veröffentlichen – haben Sie bereits einen Vorvertrag?

Nein, der Vertrag bezieht sich allein auf dieses neue Buch, sie schließt keinen Mehrbuchvertrag mehr ab. Wenn wir aber nun bei ihren Kinder- und Jugendbüchern und auch bei ihrem ersten Erwachsenenbuch einen guten Job machen, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie uns treu bleibt.

Der letzte Potter-Band ist vor fünf Jahren erschienen – kauft die heute eigentlich noch jemand?

Aber sicher: Harry Potter ist ein echter Klassiker geworden. Wir verkaufen immer noch jedes Jahr jeweils 70.000 Exemplare von jedem der sieben Teile, als Taschenbuch oder in der gebundenen Ausgabe. Es wachsen also immer noch neue Leser nach. Allerdings ist Carlsen nicht von Harry Potter abhängig – insgesamt stehend die Potter-Bücher für gut zwei Prozent unseres Umsatzes.

Kommt J. K. Rowling für Lesungen nach Deutschland?

Nein, sie wird einige wenige Auftritte in Großbritannien und den USA haben, und das war es. Sie will nicht rein in diesen Star-Zirkus – das ist wirklich nicht ihr Ding.

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