NYSE und Deutsche Börse: Fusion der Börsenbetreiber droht zu scheitern

NYSE und Deutsche Börse: Fusion der Börsenbetreiber droht zu scheitern

, aktualisiert 11. Dezember 2011, 13:27 Uhr
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Die Fusion von Deutscher Börse und Nyse steht auf der Kippe.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Fusion von Deutscher Börse und NYSE droht zu scheitern. EU-Wettbewerbshüter lehnen einen Zusammenschluss, wie er momentan vorgesehen ist, ab. Börsenchef Francioni will allerdings keine großen Kompromisse eingehen.

FrankfurtDie Deutsche Börse will ihre Fusion mit der New York Stock Exchange (Nyse) platzen lassen, wenn die EU-Wettbewerbsbehörden sie zu allzu großen Zugeständnissen zwingen sollte. Deutsche-Börse -Chef Reto Francioni will die Mega-Fusion mit der New Yorker Nyse nicht ohne Rücksicht auf Verluste durchziehen.

Im Poker um die Zustimmung der EU-Kommission zu dem neun Milliarden Dollar schweren Zusammenschluss werde er keine zu harten Auflagen akzeptieren, machte Francioni in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ und der „Berliner Zeitung“ deutlich. „Grundsätzlich verläuft die rote Linie dort, wo die Fusion durch die Auflagen unattraktiv wird“, sagte der Vorstandschef. „Wenn die Bedingung für die Genehmigung wäre, eine der beiden Terminbörsen, Eurex oder Liffe, zu verkaufen, dann würden signifikante Vorteile der Fusion fehlen.“

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Einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ zufolge, lehnen die Beamten des EU-Wettbewerbskommissars Joaquín Almunia einen Zusammenschluss der beiden Börsenbetreiber in der jetzt vorgesehenen Form strikt ab. Dem Urteil könnten die
EU-Kommissare folgen. Demzufolge wollen die Beamte eine Fusion nur zulassen, wenn die NYSE ihre Derivatebörse Liffe veräußern würde oder die Deutsche Börse ihre Tochter
Eurex. Dies käme für die Anteilseigner jedoch nicht infrage.

Zuletzt war spekuliert worden, Francioni sei zu weitreichenden Zugeständnissen an EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia bereit, um die umstrittene Fusion mit der New Yorker Börse zu erreichen. Insidern zufolge erwägt die Börse den EU-Wettbewerbshütern anzubieten, diverse Derivate-Geschäfte abzuspalten und daraus einen neuen, eigenständigen Konkurrenten zu bilden. Das könnte für mehr Wettbewerb sorgen und die EU-Kommission milde stimmen, so das Kalkül des Konzerns.

Francioni sprach in diesem Zusammenhang von einem Gerücht, das er nicht kommentieren wolle. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, die Bedenken der EU gegen die Fusion ausräumen zu können. „Ich glaube nicht, dass unsere Argumente nicht überzeugen können.“

Wettbewerbshütern und Konkurrenten stößt vor allem die dominierende Rolle der Deutsche-Börse-Tochter Eurex und der zu Nyse gehörenden Londoner Derivatebörse Liffe auf, die im Derivatehandel an europäischen Börsen zusammen auf einen Marktanteil von über 90 Prozent kommen würden.

„Ich teile die Sorgen überhaupt nicht, denn die Definition vom relevanten Markt ist eine weltweite“, sagte Francioni. „Sie müssen auf den gesamten Markt für Derivate blicken, also auf den regulierten, der über Börsen läuft, und auf den viel größeren unregulierten Bereich, auch OTC-Markt genannt. Hier findet der Wettbewerb statt.“ In Europa hätte die neue Super-Börse laut Francioni in diesem Segment gerade einmal einen Marktanteil von 15 Prozent, weltweit wären es weniger als vier Prozent.

Der Chef der Deutschen Börse betonte, der geplante Zusammenschluss sei „großartig für den Standort Frankfurt, er ist klasse für den europäischen Kapitalmarkt und er ist auch gut für die NYSE“. Die Ängste vor Arbeitsplatzverlusten in Frankfurt nehme er ernst, sagte der Börsenchef. Sie seien allerdings „eine Folge von Sorge vor Veränderung“. Durch die Fusion würden auch neue Stellen entstehen können.

Francioni steht bei den Verhandlungen von zwei Seiten unter Druck. Auf der einen Seite muss er der Kommission möglicherweise weitere Zugeständnisse machen, um den Zusammenschluss genehmigt zu bekommen. Auf der anderen Seite gibt es Insidern zufolge innerhalb des Frankfurter Konzerns Sorgen, Francioni werde zu hohe Auflagen akzeptieren und somit die Ertragschancen des fusionierten Konzerns zu stark einschränken.

Quelle:  Handelsblatt Online
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