Olaf Koch: Metros neuer Chef startet mit schwerer Hypothek

Olaf Koch: Metros neuer Chef startet mit schwerer Hypothek

, aktualisiert 19. November 2011, 09:37 Uhr
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Die Konzernzentrale der Metro-Group in Düsseldorf. Metro-Finanzvorstand Koch wird hier neuer Konzernchef sein.

Quelle:Handelsblatt Online

Er soll Metro als neuer Vorstandschef wieder auf Kurs bringen. Doch die Ära Olaf Koch beginnt mit einem Tiefschlag. Mit nur einer Stimme Mehrheit soll sich der Aufsichtsrat für den Manager ausgesprochen haben.

DüsseldorfNach langer Führungskrise und erbittertem Streit hat der Metro -Aufsichtsrat eine neue Konzernspitze für den Handelsriesen bestimmt. Finanzvorstand Olaf Koch wird zum 1. Januar 2012 neuer Vorstandschef des größten deutschen Handelskonzerns. Der Aufsichtsrat ernannte den 41-jährigen Manager in seiner Sondersitzung am Freitag zum Nachfolger von Eckhard Cordes, er tritt das Amt zum 1. Januar an. Zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrates wurde erwartungsgemäß Franz Markus Haniel gewählt. Das teilte die Metro AG am Abend mit.

Koch, gegen den vor allem aus Kreisen des Arbeitnehmerlagers im Aufsichtsrat Vorbehalte geäußert worden waren, tritt sein Amt aber mit einer Hypothek an: Aus dem Umfeld des Aufsichtsrats und des Unternehmens erfuhr Reuters, dass Koch nur mit einer denkbar knappen Mehrheit in sein Amt gewählt wurde: Der neue Aufsichtsratschef Franz Markus Haniel habe sein doppeltes Stimmrecht einsetzen müssen, um Koch durchzudrücken. Koch habe eine Mehrheit von nur einer Stimme erhalten, hieß es am Freitagabend aus Aufsichtsratskreisen. Ein Haniel-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

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In den vergangenen Jahren hatte Koch bei Metro das Sparprogramm „Shape“ vorangetrieben, dessen Ziel es ist, den Konzern mit Einsparungen und neuen Strukturen bis Ende 2012 auf Rendite zu trimmen. Zahlreiche Mitarbeiter haben durch den Umbau ihren Arbeitsplatz verloren.

Offiziell heißt es allerdings: „Wir freuen uns, mit Olaf Koch einen Vorstandsvorsitzenden gefunden zu haben, der für einen rechtzeitigen Generationswechsel und damit für Nachhaltigkeit in der Führung steht“, sagte der neue Aufsichtsratschef Haniel. Der Aufsichtsrat habe durch die Entscheidung die Voraussetzung geschaffen, dass die Metro ihren „Wachstumskurs fortsetzen kann“. Haniel danke zugleich Saveuse für seinen Verzicht - dieser habe „das Wohl des Gesamtunternehmens in den Mittelpunkt gestellt“ und damit eine Lösung ermöglicht.

Obwohl Koch der Favorit der Metro-Großaktionäre Haniel und Schmidt-Ruthenbeck ist, galt seine Wahl keineswegs als Selbstläufer. In den vergangenen Tagen hatte sich vor allem die Gewerkschaft Verdi öffentlich für einen Handelsexperten an der Spitze der Metro AG stark gemacht. Die Branche brauche Manager mit Handelserfahrung, die das Geschäft von der Pike auf kennen und wissen, was die Kunden wollen, hatte eine Verdi-Sprecherin der dpa gesagt. „Jemanden, der nicht nur die Zahlen kennt“ und auch wisse, dass es auf die Beschäftigten ankomme.

Metro-Vorstandsmitglied Joël Saveuse war in den vergangenen Wochen ebenfalls für den Vorstandsvorsitz im Gespräch. Der 58 Jahre alte Handelsexperte hatte das Deutschlandgeschäft der Metro-Tochter Real saniert. Er ist im Konzernvorstand für das wichtige Europageschäft der Metro-Großhandelsmärkte verantwortlich.


Der Druck war immens

„Der Druck, dass im Sinne des Unternehmens endlich eine Entscheidung fällt, ist immens“, hatte ein Eingeweihter vor der Sitzung gesagt. Denn zunächst hatte es bei der Metro über Monate eine auch in der Presse ausgetragene, für einen Dax-Konzern ungewöhnlich offene Schlammschlacht gegeben um eine Verlängerung des im kommenden Jahr auslaufenden Vertrags von Metro-Chef Eckhard Cordes. Die Konsequenz: Cordes will die Metro verlassen, wie er im Oktober ankündigte. Auch Metro-Aufsichtsratschef Jürgen Kluge blieb auf der Strecke. Franz Markus Haniel ist nun sein Nachfolger an der Spitze des Metro-Aufsichtsrats.

Im Aufsichtsrat hinterließ der Machtkampf zwischen den Großaktionären untereinander und auch mit Arbeitnehmervertretern tiefe Gräben. Es gab ein Patt zwischen den Anhängern Kochs und des Franzosen Saveuse. Der erst 41-jährige Betriebswirt Koch hatte wie Cordes beim Autokonzern Daimler gearbeitet und war dann im September 2009 vom Finanzinvestor Permira nach Düsseldorf gewechselt. Dort hatte er zusammen mit Cordes das Sparprogramm Shape durchgeboxt - das im Lager der Arbeitnehmer auf teils erbitterten Widerstand stieß.

Auf der Kapitalseite konnte Koch indes Anhänger sammeln - sie versprechen sich mit einem Vorstandschef Koch nicht zuletzt einen raschen Verkauf der Warenhauskette Kaufhof. Saveuse wiederum verfügte über Anhänger im Lager der Arbeitnehmer. Er war vom Konkurrenten Carrefour zunächst als Chef zur Metro-Tochter Real gewechselt, seit April 2008 sitzt er im Metro-Vorstand. Saveuse hatte unter anderem ohne größeren Theaterdonner das einstige Sorgenkind Real wieder in die Spur gebracht - das Cordes ebenfalls zur Disposition gestellt hat. Koch muss nun auch das Arbeitnehmerlager befrieden: Die Gewerkschaft Verdi hatte sich offen dafür ausgesprochen, dass ein neuer Metro-Chef ein Manager sein solle, der den Handel und nicht nur Zahlen kenne.

Zur Metro AG gehören die gleichnamigen Großhandelsmärkte für Gewerbetreibende, die Elektronikketten Media Markt und Saturn, der Lebensmittelhändler Real und die zum Verkauf stehende Warenhauskette Kaufhof. Vorstandschef Cordes will dem Aufsichtsrat einen Überblick über den Stand der Gespräche mit den Kaufhof-Interessenten geben.

Erörtert wurde bei dem Treffen auch der Verkauf der Warenhaustochter Kaufhof. Der österreichische Investor Rene Benko mit seiner Signa-Holding habe im Verkaufsprozess um den Kaufhof die Nase klar vorn, hatte es geheißen. Es gebe im Aufsichtsrat auch Stimmen, die sich für einen „breiteren Blick“ auf das Bewerberfeld bei Kaufhof aussprächen, hieß es weiter. Unter anderem bietet auch Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen für Kaufhof. Cordes selbst sagte bei einem Besuch in Berlin lediglich, der Vorstand spreche mit mehreren Parteien. Details wolle er nicht nennen. Benko selbst setzt auf einen schnellen Abschluss: „Sollten wir Metro überzeugen können, dann könnte die Entscheidung bei der Metro-Aufsichtsratssitzung am 16. Dezember erfolgen“, sagte er der österreichischen Zeitung „Kurier“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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