Online-Händler: So funktioniert der Amazon-Buchladen

Online-Händler: So funktioniert der Amazon-Buchladen

, aktualisiert 26. Mai 2017, 12:21 Uhr
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Am Columbus Circle in New Yorker Stadtteil Manhattan hat Amazon einen Buchladen eröffnet: Dort will das Unternehmen mehr über seine Kunden erfahren.

von Thomas JahnQuelle:Handelsblatt Online

Amazon hat in Manhattan ein Buchgeschäft eröffnet. Das sieht zwar ganz klassisch aus. Doch der Internethändler nutzt die Läden, um mehr über seine Kunden zu erfahren – und mit raffinierter Datenanalyse mehr zu verkaufen.

New YorkSchöner Holzboden, moderne Quadratleuchten an der Decke, braune Buchregale: Der Laden sieht aus wie aus einem Traum. Denn über dem Geschäft im dritten Stock des Time Warner Centers in New York steht „Amazon Books“.
Amazon, das steht doch für Online. Im Internet erlöst das Unternehmen mit Sitz in Seattle ansässige Unternehmen mit dem digitalen Verkauf aller erdenklichen Waren und IT-Dienstleistungen 136 Milliarden Dollar.

Doch eröffnet Amazon in den USA jetzt einen Buchladen nach dem anderen. Seit Donnerstag gibt es auch einen in Manhattan, genauer gesagt am Columbus Circle, nur einen Steinwurf entfernt vom Central Park. „Die Menschen sollen Bücher entdecken“, sagt Jennifer Cast, Vice President von Amazon Books, die zur Eröffnung gekommen ist.

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Bis zum Jahresende plant Amazon 13 Läden zu eröffnen. Die sind keine Werbeinseln für Amazon, sondern sollen laut Cast eines Tages alle Geld verdienen. „Wir schauen, wie es läuft“, sagt Cast, „aber es sind keine Showrooms“.

Rund 3000 Buchtitel sind vorrätig, im Vergleich zu sonst 5000 bis 7000 in anderen Läden von Amazon. Das Geschäft in Manhattan ist mit 370 Quadratmetern eines der kleinsten. Kein Wunder, denn die Ladenmiete gemessen nach Durchschnittswerten in Midtown Manhattan kostet wohl einige Hunderttausend Dollar im Jahr. Dafür strömen täglich 40.000 Besucher in das Time Warner Center mit seinen zahlreichen Edelgeschäften und Restaurants von den Edelköchen Thomas Keller, Jean-Georges Vongerichten und Masa Takayama.

Der Laden ist anders eingerichtet als herkömmliche Buchgeschäfte. Alle Bücher sind mit dem Titel nach vorne gerichtet, um einfaches Anschauen zu ermöglichen. Es werden nur Bücher mit einer Bewertung von mindestens vier von fünf Sternen geführt. Vor den Büchern können die Besucher ausführliche Kritiken über die Werke lesen. „Das hilft sehr bei der Orientierung und dem Entdecken neuer Werke“, sagt Cast.

Spezialthemen wie Kochen oder Kinder sind überproportional viel Platz eingeräumt worden. Es gibt überraschende Kategorien wie „Page Turner“: Das sind Bücher, die Leser in weniger als drei Tagen verschlungen haben. Gemessen hat Amazon die durchschnittliche Lesezeit auf dem E-Reader Kindle, der neben anderer Elektronik wie dem Fire TV von Amazon ebenfalls zum Verkauf steht.

Wie aus dem Internet gesprungen ist die Kategorie „If you like…“: Dort werden Bestseller ausgestellt und daneben drei Werke vorgestellt, die einen ähnlichen Geschmack treffen sollen. Amazon-Kunden kennen das von der Website.


Die Neugier ist groß

Eine andere Kategorie ist „New York Books“. Laut Cast misst Amazon den Buchgeschmack sehr genau, kann beispielsweise die Daten von den Stadtteilen Chelsea, Greenwich Village oder Upper West Side vergleichen. „Wir sind neu in New York und lernen jeden Tag“, sagt Cast.

Über das Buchangebot entscheiden aber nicht nur Daten, sondern auch Lektoren. Die Geschäfte liefern zudem auch Anhaltspunkte. So schreiben die Verkäufer nach Gesprächen mit Kunden deren Eindrücke oder Wünsche auf, die dann in die Datenbank von Amazon wandern.

Vor der Tür bildete sich rasch eine Schlange. Die Neugier ist groß. Die Besucher im Laden zollten Lob, übten aber auch Kritik. „Es könnte mehr Platz zum Hinsetzen und Lesen geben“, kritisiert die Großmutter Moira, die mit ihrem fünf Monate alten Enkel durch die Gänge geht. „Auch kenne ich die meisten Titel schon.“

Student Zachary White ist dagegen zufrieden. Der Laden sei übersichtlich, er würde einige neue Titel entdecken. Es sei schon eine Ironie, dass ausgerechnet Amazon Buchläden eröffne, nachdem es die traditionellen Anbieter verdrängt habe: „Läden haben etwas Romantisches“, sagt der New Yorker, „die Leute gehen gerne dahin“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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