Online-Händler: Woran Amazon tatsächlich verdient

Online-Händler: Woran Amazon tatsächlich verdient

, aktualisiert 24. April 2015, 08:56 Uhr
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Amazon-CEO Jeff Bezos

von Matthias Hohensee und Jana Reiblein

Amazons Quartalszahlen zeigen: Der Online-Handel ist nur ein teures Hobby. Hohe Investitionen fressen den Gewinn auf. Viel lukrativer ist dagegen das Vermieten von Rechenkapazität und Speicher - zumindest noch.

Astronomische Umsätze - doch unterm Strich bleiben nur Verluste: Im ersten Quartal ist Amazon wieder in die roten Zahlen gerutscht. Ein sattes Minus von 57 Millionen Dollar folgt auf einen Gewinn von 108 Millionen Dollar noch vor einem Jahr. Der Online-Riese kann aber auch punkten: Das Geschäft mit den Cloud-Diensten läuft rund, der Umsatz schoss um nahezu die Hälfte nach oben auf 1,57 Milliarden Dollar. Und: hier lässt sich sogar Geld verdienen. Amazon vermeldet einen Gewinn von 265 Millionen Dollar.

Wieviel Amazon mit seinem Internet-Infrastruktur Service Amazon Web Services (AWS) umsetzt, war bislang eines der am besten gehüteten Geheimnisse. Branchenkenner raunten von traumhaften Margen. Nur so ließ sich erklären, warum Amazon regelmäßig die Preise für seine Dienste heruntersetzen konnte. Über den Online-Speicher-Service können Kunden, zu denen etwa auch der bekannte Cloud-Dienst Dropbox zählt, Kapazität in Amazons Rechenzentren mieten.

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Seit dem Start von AWS setzte der Online-Gigant bereits 48 Mal die Preise herab. Das setzte die Konkurrenz unter Druck: Die Wettbewerber Microsoft, Google und IBM mussten wohl oder übel nachziehen.

Amazon in Zahlen

  • Umsatz

    Der Umsatz stieg um 15 Prozent auf 22,7 Milliarden Dollar. Dazu führten laut Amazon höhere Umsätze in Nordamerika (dem größten Markt) und die schnell wachsende Cloud-Sparte Amazon Web Services zurück.

  • Unterm Strich

    Amazon ist im ersten Quartal in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich stand ein Verlust von 57 Millionen Dollar.

  • Wie geht's weiter?

    Für das laufende Quartal rechnet Amazon mit einem Wachstum des Nettoumsatzes um sieben bis 18 Prozent auf 20,6 Milliarden bis 22,8 Milliarden Dollar. Operativ könnte ein Verlust von 500 Millionen Dollar bis zu einem Gewinn von 50 Millionen Dollar anfallen.

JP Scandalios, der den Technologiefonds von Franklin Templeton verwaltet und sehr früh in Amazon investierte, verweist gern auf den sagenumwobenen Webservice als Hauptgrund für die astronomische Bewertung des Online-Händlers. Die beträgt momentan 181 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Deutschlands größter Autobauer Volkswagen wird von der Börse mit rund 118 Milliarden Dollar bewertet.

Neun Jahre nach dem Start von AWS hat Amazon am Donnerstagabend bei der Veröffentlichung der aktuellen Ergebnisse erstmals Umsatz und Gewinn des geheimnisumwitterten Geschäftssegments offengelegt. Und damit Analysten von Citibank und Goldman Sachs überrascht. Die gingen bislang davon aus, dass Amazon mit der Sparte Verlust macht oder im besten Fall eine schwarze Null schreibt. Das hätte zum Stil von Amazon-Gründer Jeff Bezos gepasst, der Gewinne lieber reinvestiert.

Herrschaft des Scanners Amazons Kampf um Effizienz

Amazon gilt als Logistik-König. Doch rasantes Wachstum und hoher Lieferdruck stellen die Logistikzentren des Onlineriesen vor Herausforderungen. Amazon muss seine Effizienz steigern.

Amazon im Weihnachtsgeschäft Quelle: rtr

Doch die Finanzmarktexperten haben falsch spekuliert, die Aktie ging nachbörslich gleich um rund zwei Prozent nach oben. AWS ist profitabel - und das schon seit mindestens zwei Jahren. Mehr noch: Umsätze und Margen sind eindrucksvoll. Das Kerngeschäft von Amazon, der Handel mit Elektronik und digitalen Medien, wirkt im Vergleich nur noch wie ein teures Hobby. Auch die Expansion diverser Geschäftszweige geht ins Geld. Schon in der Vergangenheit haben die hohen Investitionen Amazon immer wieder rote Zahlen eingebracht.

Zwar macht der Milliarden-Umsatz des Online-Mietservices nur etwa sieben Prozent des gesamten Quartalsumsatzes aus. Doch die 265 Millionen Dollar Gewinn der Sparte entsprechen immerhin einer Umsatzrendite von rund 17 Prozent.

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