Online Handel: Amazon-Rabattaktion beim Bücherkauf vor Bundesgerichtshof

Online Handel: Amazon-Rabattaktion beim Bücherkauf vor Bundesgerichtshof

Bild vergrößern

Amazon vor Gericht.

Bücher sind ein Kulturgut in Deutschland, ihr Preis ist geschützt. Rabatte auf neue Bücher sind nicht erlaubt. Der BGH prüft nun eine Gutschein-Aktion von Online-Händler Amazon.

Ob der Online-Händler Amazon in einer Werbeaktion unerlaubte Rabatte auf neue Bücher gewährt hat, will der Bundesgerichtshof (BGH) noch am Donnerstag entscheiden. Den Richtern liegt eine Klage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vor, der Amazon einen Verstoß gegen das Gesetz zur Buchpreisbindung vorwirft. Ein Urteil soll demnach noch am Nachmittag verkündet werden. (Az.: I ZR 83/14)

Der Börsenverein befürchtet eine Aushöhlung der Preisbindung in Deutschland durch derartige Aktionen und erhofft sich ein BGH-Grundsatzurteil zu Rabattaktionen im Buchhandel. Der BGH deutete an, der Argumentation des Vereins folgen zu wollen.

Anzeige

Die Amazon-Aktion fand beim sogenannten Trade-In-Programm des Online-Händlers statt, über das Kunden gebrauchte Bücher gegen einen Wertgutschein eintauschen können. Wer mindestens zwei alte Bücher einschickte, bekam im Rahmen einer zweiwöchigen Werbeaktion zusätzlich zu diesem Wertgutschein eine Gutschrift in Höhe von fünf Euro auf sein Kundenkonto.

Die teuersten Amazon-Übernahmen

  • Platz 9 woot!

    Der Online-Händler woot! gilt als einer der Vorreiter des „Deal of the day“: Jeden Tag wird ein besonders Produkt für 24 Stunden zum Discountpreis angeboten. Ist das Produkt ausverkauft, rückt ein neues nach. Ist das Interesse nicht groß genug, wechselt das Angebot um Mitternacht.

    Preis: 110 Millionen US-Dollar

    Übernahmejahr: 2010

  • Platz 8 goodreads

    In der Lese-Community goodreads treffen sich Literaturfreunde online, um über ihre Lieblingsbücher und aktuelle Bestseller zu diskutieren und sie zu rezensieren. Seit Amazon die Website übernommen hat, schnellen die Nutzerzahlen in der Höhe. Mittlerweile sind mehr als 30 Millionen Mitglieder angemeldet.

    Preis: 150 Millionen Dollar

    Übernahmejahr: 2013

  • Platz 7 Alexa

    Der Webdienst Alexa sammelt Daten über Seitenabrufe von Internetseiten und stellt diese zur Auswertung bereit. Der sogenannte Alexa Rank gibt an, wie bekannt Internetseite ist und gilt als wichtiges Tool zur Bewertung dieser, weil ein hoher Rang auf eine hohe Beliebtheit hindeutet. Mittlerweile ist Alexa Teil der bekannten Sammlung Amazon Web Services (AWS).

    Preis: 250 Millionen

    Übernahmejahr: 1999

  • Platz 6 audible

    Audible bietet Hörbücher zum Download an. Dabei setzt der Dienst auch auf ein Abo-Modell: Für einen monatlichen Beitrag gibt es ein Hörbuch im Monat kostenlos und weitere vergünstigt. Das bereits 1995 gegründete Unternehmen wurde 2008 von Amazon gekauft und unter anderem mit dessen Angeboten für das Tablet Kindle verzahnt.

    Preis: 300 Millionen

    Übernahmejahr: 2008

  • Platz 5 Lovefilm

    Lange Zeit galt Lovefilm als eine von Europas größten Online-Videotheken und verlieh Film-DVDs und -Blu-rays. Später bot das Unternehmen auch Video-on-Demand an. Im Februar 2014 ging Lovefilm mit dem Streaming-Angebot Amazon Instant Video auf.

    Preis: 312 Millionen

    Übernahmejahr: 2011

  • Platz 4 Quidsi

    Bis 2010 betrieb Quidsi unter anderem die Baby-Bedarfs-Seite diapers.com und den Hygieneprodukte-Händler Soap.com. Dann schluckte Amazon das Unternehmen, um sich die erfolgreichen Seiten einzuverleiben.

    Preis: 545 Millionen

    Übernahmejahr: 2010

  • Platz 3 Kiva Systems

    Das US-Unternehmen Kiva Systems ist auf die Herstellung von Maschinen für große Fulfilllment-Center von Onlinehändlern spezialisiert. Roboter von Kiva übernehmen etwa große Teile der Lagerung in Amazons gigantischen Lagerhäusern.

    Preis: 775 Millionen Dollar

    Übernahmejahr: 2010

  • Platz 2 Twitch

    Das Live-Streaming-Videoportal Twitch hat sich auf die Übertragung von Videospielen wie World of Warcraft oder League of Legends spezialisiert. Laut eigenen Angaben hatte das Portal 2013 monatlich etwa 45 Millionen Zuschauern.

    Preis: 970 Millionen Dollar

    Übernahmejahr: 2014

  • Platz 1 Zappos

    Der Onlineshop Zappos konzentriert sich auf den Verkauf und Versand von Schuhen und Mode. Im Juli 2009 übernahm wollte Amazon den Händler für rund 850 Millionen Dollar übernehmen. Der Kaufpreis sollte zum Großteil mit eigenen Aktien beglichen werden. Der Deal verteuerte sich damals auf rund 1,2 Milliarden Dollar, weil die Amazon-Aktie stark im Kurs stieg.

    Preis: 1,2 Milliarden Dollar

    Übernahmejahr: 2009

    Quelle: Statista / Unternehmen

Dieser weitere Gutschein konnte später auch beim Kauf preisgebundener Bücher eingesetzt werden. Der Börsenverein sieht darin einen unzulässigen Preisnachlass. Denn neue Bücher dürfen in ganz Deutschland nur zu den Preisen verkauft werden, die die Verlage vorher festgesetzt haben.

Beim BGH ging es daher um die Frage, ob diese Gutschrift überhaupt einen realen Gegenwert hat, etwa durch die eingesandten Bücher. Nur dann könnte die Aktion erlaubt sein.

Einen solchen Gegenwert bestreitet der Börsenverein jedoch: Gebrauchte Bücher seien auf der Plattform für ein paar Cent zu haben, sagte BGH-Anwalt Thomas Winter in Karlsruhe: „Goethes Faust, Teil eins und zwei bei dtv für 16 Cent“. Die fünf Euro seien kein „willkürlich überhöhter Betrag“, widersprach ein Amazon-Anwalt. Dem Händler gehe es schließlich darum, einen Warenbestand an gebrauchten Büchern aufzubauen.

Amazon in Zahlen

  • Umsatz

    Der Umsatz stieg um 15 Prozent auf 22,7 Milliarden Dollar. Dazu führten laut Amazon höhere Umsätze in Nordamerika (dem größten Markt) und die schnell wachsende Cloud-Sparte Amazon Web Services zurück.

  • Unterm Strich

    Amazon ist im ersten Quartal in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich stand ein Verlust von 57 Millionen Dollar.

  • Wie geht's weiter?

    Für das laufende Quartal rechnet Amazon mit einem Wachstum des Nettoumsatzes um sieben bis 18 Prozent auf 20,6 Milliarden bis 22,8 Milliarden Dollar. Operativ könnte ein Verlust von 500 Millionen Dollar bis zu einem Gewinn von 50 Millionen Dollar anfallen.

Der Senat ließ scheint dennoch dem Börsenverein recht geben zu wollen: Amazon könne die Bedingungen für den Ankauf gebrauchter Bücher zwar frei bestimmen, sagte etwa der Vorsitzende Richter Wolfgang Büscher. Das gelte jedoch nicht für den Verkauf preisgebundener Bücher. Wenn der Online-Händler folglich einen Gutschein ohne realen Gegenwert beim Kauf neuer Bücher akzeptiere, gewähre er unerlaubte Geschenke.

Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt hatte dem Börsenverein recht gegeben. Dagegen war Amazon in Revision gegangen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%