Onlinehändler: Endet Zalandos Siegeszug?

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Onlinehändler: Endet Zalandos Siegeszug?

von Henryk Hielscher

Aus für Emeza: Der Luxus-Ableger des Berliner Online-Modehändlers Zalando soll offenbar eingestellt werden. Bei Zalando scheint nicht mehr alles rund zu laufen.

Mit dem Online-Shop Emeza wollte der Berliner Modehändler Zalando die Luxus-Kundschaft umgarnen und dem Münchner Anbieter Mytheresa Paroli bieten. Nur wenige Monate nach dem Start ist klar: Der Versuch ist gründlich gescheitert, der Ausflug in die Armani-Liga wird wohl wieder abgeblasen. So berichtet das Online-Portal „Gründerszene“ (http://www.gruenderszene.de/allgemein/zalando-emeza-kiomi-eingestellt) , dass Emeza auf Dauer wieder eingestellt werden soll.
Künftig sollen die Nobel-Marken wieder unter dem Zalando-Dach geführt werden. Ob das gelingt ist allerdings fraglich. Insbesondere bei den Managern hochpreisiger Designer-Marken dürfte sich die Begeisterung darüber in Grenzen halten, in einer Liga mit 9,90-Euro-Shirts verkauft zu werden. Gerade das war ursprünglich der Grund, auf einen separaten Shop zu setzen. Doch viele zentrale Marken für die Premiumklasse ignorierten Emeza von Anfang an und blieben exklusiveren Formaten wie Mytheresa treu.

Zalando auf einen Blick

  • Die Gründer

    Die Berliner Robert Gentz und David Schneider starteten im Oktober 2008 mit dem kleinen Online-Schuhshop Zalando. Ihr Büro diente als Warenlager, der Service lief über ihre Mobiltelefone.

  • Die Investoren

    Zu den Investoren zählen die Tengelmann-Gruppe (6 Prozent), der Facebook-Investor Digital Sky Technologies DST (9 Prozent), Holtzbrinck Ventures (8 Prozent) sowie die Samwer-Brüder Marc, Oliver und Alexander über ihren Berliner Startup-Entwickler Rocket Internet und European Funders Fund (17%). Die schwedische Investment AB Kinnevik hat mehrfach aufgestockt und hält mittlerweile 36 Prozent an Zalando direkt und indirekt via Rocket Internet. Damit sind die Schweden die größten Gesellschafter des E-Commerce Unternehmens. Im August 2013 stieg die Mode-Gruppe Bestseller von Anders Holch Povlsen mit 10 Prozent ein. Er kaufte u.a. Holtzbrinck und Tengelmann Anteile ab. Weitere Investoren wie der russischen Dotcom-Finanziers Yuri Milner halten insgesamt zusammen 13,5 Prozent.

  • Die Strategie

    Zalando expandierte in den vergangenen vier Jahren extrem schnell und aggressiv in ganz Europa und ist mittlerweile in 15 Ländern aktiv. Dafür setzte das Unternehmen große Summen für das Marketing, vor allem TV-Spots ein. Das Marktforschungsunternehmen Nielsen berechnete die Ausgaben für die Spots im Jahr 2011 allein in Deutschland auf 90 Millionen Euro. Der Bekanntheitsgrad der Marke Zalando liegt in der werberelevanten Zielgruppe bei 95 Prozent. In Frankreich kennt den Online-Händler nach einem Jahr am Markt bereits jeder Zweie.

  • Die Umsatzentwicklung

    Laut Bundesanzeiger wies Zalando für 2009 einen Fehlbetrag von 1,6 Millionen aus. 2010 waren es 20,4 Millionen. Der Umsatz lag 2010 bei 150 Millionen Euro. 2011 waren es bereits 510 Millionen Euro, 2012 hat Zalando die Milliarden-Marke mit 1,15 Milliarden Euro Nettoumsatz geknackt und den Vorjahresumsatz verdoppelt. 2013 kletterte der Umsatz um 52 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro. Dabei steht aber ein Rekordverlust von 100 Millionen Euro in den Büchern.

  • Mitarbeiter und Logistik

    Zalando beschäftigt aktuell mehr als 1200 Mitarbeiter. In Berlin entsteht ein neuer Bürokomplex mit 20.000 Quadratmetern für mehrere hundert Mitarbeiter. Ab Sommer 2013 sollen weitere Büroflächen in Berlin Mitte angemietet werden. In Erfurt eröffnet Anfang Dezember das erste eigene Logistikzentrum, mit dem Bau eines weiteren hat der Online-Händler in Mönchengladbach begonnen, hier sollen bis zu 1000 Beschäftigte arbeiten.

Laut „Gründerszene“ wird auch der Webshop der Eigenmarke Kiomi wieder vom Netz genommen. Die Marke selbst soll dabei erhalten bleiben und weiterhin über Zalando vertrieben werden.
Der Umbau lässt zwei Schlüsse zu: Zum einen läuft auch beim dem erfolgsverwöhnten Berliner Onlinehändler längst nicht alles rund. Was nach Binsenweisheit klingt, wurde bei dem hohen Wachstumstempo der vergangenen Jahre gerne ignoriert.

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Zum anderen scheint die Zalando-Spitze mit Nachdruck daran zu arbeiten, die Bilanz aufzupeppen und die auf Konzernebene erheblichen Verluste der Vorjahre einzudämmen. Der Hintergrund: Derzeit bereitet sich das Unternehmen auf einen möglichen Börsengang vor. Das zeigen unter anderem die Details von Optionsvereinbarungen für eine Beteiligung des Managements am Unternehmen, über die die „Wirtschaftswoche“ bereits berichtete. Bei einem Treffen in Berlin haben die Vertreter der Zalando-Gesellschafter erörtert, wie viele Anteile für Management und Mitarbeiter reserviert werden sollen. Zuletzt war Zalando mit rund 3,7 Milliarden Euro bewertet worden.

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