Onlinehandel: Zalando in der Wachstumsfalle

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Onlinehandel: Zalando in der Wachstumsfalle

von Henryk Hielscher und Cornelius Welp

Der Berliner Online-Modehändler Zalando verbucht einen Rekordverlust und auch das Wachstumstempo sinkt. Trotzdem ist ein XXL-Börsengang im Gespräch, und Vorstand Rubin Ritter gibt sich im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online optimistisch.

Um zu erahnen, dass die Zahlen des Berliner Online-Modehändlers Zalando nicht sonderlich gut ausfallen würden, genügte im Grunde ein Blick auf die Startseite des Shops: „Sale“ wirbt dort ein roter Button schon seit geraumer Zeit mit Preisnachlässen bis zu 70 Prozent zum Kauf von Ladenhütern.

Heftige Rabattschlachten erschüttern derzeit den deutschen Modehandel und schlagen selbst bei den erfolgsverwöhnten Berlinern ins Kontor: 2013 verbuchte das Unternehmen einen Rekordverlust von mehr als 100 Millionen Euro. Anders als erwartet, konnte der Berliner Versender die Verlustquote kaum senken. Vor allem die widrigen Wetterbedingungen und die Anlaufkosten für neue Logistikzentren hätten dazu geführt, dass die Marge nicht deutlicher gestiegen sei, sagte Zalando-Vorstand Rubin Ritter der WirtschaftsWoche.

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Gedrosselte Expansionsgeschwindigkeit

Der Umsatz des Mode-Händlers kletterte 2013 um rund 52 Prozent von 1,159 auf 1,762 Milliarden Euro. Im stationären Handel würden derlei Zuwachsraten mit ungläubigem Staunen bedacht – doch für Zalando sind sie eine Enttäuschung. Die Branche hatte erwartet, dass die zwei Milliarden Euro Marke fällt. Das Problem: In den Vorjahren hatte Zalando mit Wachstumsraten von jeweils mehr als Hundert Prozent geglänzt. Noch im ersten Halbjahr lagen die Zuwächse bei über 70 Prozent. Nun ist der Wert für das Gesamtjahr auf rund 52 Prozent abgebröckelt.

Das heißt, vor allem im zweiten Halbjahr wurde die Expansionsgeschwindigkeit kräftig gedrosselt. In der Kernregionen Deutschland/Österreich/Schweiz lag die Wachstumsrate im wichtigen vierten Quartal nur noch bei 29 Prozent. Ritter erklärt das vor allem mit dem Basiseffekt. In den Vorjahren hätte der Start neuer Ländershops das Wachstum gepusht, 2013 gab es keine vergleichbaren Starts. Er sei daher auch mit der Entwicklung von 2013 zufrieden. „Zalando hat es geschafft, in vielen Regionen Marktanteile zu gewinnen“, so Ritter.

Vor allem bei Anlegern des schwedischen Zalando-Großaktionärs Kinnevik sorgten die Zahlen derweil für wenig Begeisterung. Die Aktie des börsennotierten Telekommunikationskonzerns, der heute zeitgleich zu den Zalando-Zahlen seinen Geschäftsabschluss für 2013 präsentierte, gab um rund sechs Prozent nach. Das Kinnevik-Papier hatte allerdings auch schon in den vergangenen Wochen kräftig  an Wert verloren, nachdem erste Zweifel an Zalandos Wachstumsraten aufkamen. 

Zalando-Vorstand gibt sich optimistisch

Das Problem: Von einer Randbeteiligung hat sich Zalando im Kinnevik-Portfolio zu einem zentralen Investment entwickelt. Bei den Schweden, die 36,5 Prozent an Zalando halten, steht das gesamte Unternehmen inzwischen mit einem Wert von rund 3,9 Milliarden Euro in den Büchern, vergangenen Herbst taxierten die Schweden Zalando noch auf 3,7 Milliarden Euro. Schon seit Monaten wird für über einen möglichen Börsengang Zalandos spekuliert. Wachsen nun die Bedenken, dass der Siegeszug des Online-Händlers auf Dauer so weiter geht, könnte das den Preis der Kinnevik-Beteiligung drücken.

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Zalando-Vorstand Ritter gibt sich derweil optimistisch: Der Trend zum E-Commerce gerade im Fashion-Bereich sei ungebrochen. Zalando sei in der Pole-Position und „wolle weiter schneller wachsen als der Markt“, so Ritter. Ein Börsengang „kann eine interessante Option sein“, so Ritter, der sich zu  Details wie einem möglichen Zeitpunkt nicht äußern wollte.

Bisher gebe es auch keinen Börsenprospekt oder Termine für Präsentationen, heißt es in Finanzkreisen. Anders als in den vergangenen Tagen spekuliert wurde, seien auch noch keine Banken beauftragt. „Aber klar, die Zeichen stehen auf IPO“, sagt ein Frankfurter Banker. Für einen Börsengang noch im Jahr 2014 spreche dabei das derzeit gute Börsenumfeld, so der Finanzexperte, fügt aber an,  dass weder das Unternehmen noch die Investoren unter Druck stünden. „Taktisch wäre 2015 besser“, dann könnte Zalando darstellen, dass die Internationalisierung funktioniert und weitere Ländern profitabel arbeiten.    

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