Onlineshopping: "Bezahlen im Internet ist oft eine Katastrophe"

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InterviewOnlineshopping: "Bezahlen im Internet ist oft eine Katastrophe"

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Sebastian Siemiatkowski bietet den Kunden seines Internetzahldienstes Klarna bankennahen Service an.

von Mark Fehr

Der Chef des Internetzahldienstes Klarna, Sebastian Siemiatkowski, greift den Konkurrenten PayPal an, will die desaströsen Abbruchraten im Onlinehandel verbessern und bietet irgendwann vielleicht sogar Girokonten an.

WirtschaftsWoche: Herr Siemiatkowski, ihr Unternehmen fordert den großen Bezahldienst PayPal heraus. Haben Sie eine Chance?

Siemiatkowski: Ja, denn mittlerweile nutzen 25 Millionen Kunden Klarna für ihre Interneteinkäufe und der Umsatz hat sich seit 2010 auf 147 Millionen Euro fast vervierfacht.

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Im Vergleich zur Ebay-Tochter PayPal mit weltweit rund 123 Millionen Kunden ist Klarna aber immer noch deutlich kleiner. Wie wollen Sie aufholen?

Unser Geschäft dreht sich darum, Einkaufen im Internet drastisch zu vereinfachen. Denn die Abbruchraten im Onlinehandel sind desaströs: über 60 Prozent der Kunden lassen Ihren Einkauf noch während des Bezahlens liegen. Das ist so, als wenn Sie im Supermarkt ihren vollen Einkaufswagen an der Kasse stehen lassen, weil der Scanner kaputt ist. Bei Onlineeinkäufen per Smartphone sieht es für die Händler noch düsterer aus: Mehr als 85 Prozent der Kunden brechen den Einkauf an der virtuellen Kasse ab – mit vollbepacktem Warenkorb wohlgemerkt. Das Bezahlen im Internet ist also oft noch eine Katastrophe. Aber für dieses Problem bieten wir eine Lösung an und sehen natürlich auch großes Geschäftspotenzial für uns. 

Zur Person

  • Sebastian Siemiatkowski

    Sebastian Siemiatkowski ist Chef des auch in Deutschland expandierenden Internetbezahldienstes Klarna aus Schweden.

Woran liegt die hohe Abbruchquote?

Mobile Einkaufsversuche über das Smartphone fallen natürlich oft einer schlechten Internetverbindung zum Opfer. Viele Shops haben Ihre Seiten noch nicht für die mobile Nutzung optimiert und so sind etwa die Ladezeiten zu lang, um optimales Einkaufen zu ermöglichen. Webshops verlieren einen großen Teil der Kunden aber auch deshalb, weil das Zahlen so kompliziert ist. Die Verkäufer wollen die Identität des Käufers gern zweifelsfrei feststellen, um Betrüger abzuwehren. Damit schrecken sie die Masse der Ehrlichen ab, was sich negativ auf ihre Umsätze auswirkt.

Bezahlen per PayPal

  • Seit wann ist das Bezahlen mit Paypal in Deutschland möglich?

    Das Bezahlen mit Paypal ist seit 2004 in Deutschland möglich.

  • Was kostet die Zahlung per Paypal?

    Die Anmeldung bei Paypal ist für den Kunden kostenlos. Die Gebühren für den Einkauf trägt in der Regel der Verkäufer. Laut EHI Payment Studie verlangen 19 Prozent der Händler im Jahr 2014 für diese Bezahlmethode einen Preisaufschlag. Gebühren können auch für Zahlung in Fremdwährung anfallen: https://www.paypal.com/de/webapps/mpp/ua/useragreement-full?locale.x=de_DE#8

  • Wie viele Kunden sind in Deutschland registriert?

    In Deutschland liegt die Zahl der aktiven Kunden bei 15 Millionen. Weltweit gibt es 148 Millionen aktive Kundenkonten. Weltweit gibt es 148 Millionen aktive Kundenkonten.

  • Wie viele Online-Händler bieten das Zahlungsverfahren an?

    In Deutschland bieten 50.000 Online-Händler Paypal als Bezahloption an. Laut einer Studie von EHI bieten 82 Prozent der Top 1.000 Online-Händler ihren Kunden das Bezahlen per Paypal an.

  • Details zum Nutzungsverhalten?

    Eine Auswertung nach Produkten nimmt Paypal nicht vor. Auch zu den durchschnittlich per Paypal bezahlten Warenwerten gibt es keine Angaben.

Was tun?

Als Kunde von Klarna können Sie sich einfach mit ihrer Emailadresse identifizieren, weil unser System zum Beispiel die Geräte erkennt, von denen aus Sie in der Regel einkaufen. Mit dieser Kombination erkennen wir den Nutzer zweifelsfrei wieder und der Webshop kann die Ware gefahrlos versenden. Dabei übernimmt Klarna das gesamte Risiko sowohl für den Händler als auch für den Kunden. Aufgrund unserer Erfahrungen und mit Hilfe unserer Sicherheitsmechanismen können wir Betrüger sehr effektiv herausfiltern, ohne ehrliche Käufer bei Ihrem Einkauf zu behindern.

Wie funktioniert das?

Ich drücke es mal vorsichtig anhand eines überspitzten Beispiels aus: Wenn unser System nachts um drei Uhr eine Bestellung von 15 iPads aus einem Internetcafé im Hauptbahnhof erhält, dann werden wir hellhörig und es kann sein, dass wir zusätzliche Informationen zur eindeutigen Identifikation erbitten. In besonders kritischen Fällen würden wir die Möglichkeit des Rechnungskaufs nicht mehr anbieten, sondern zum Beispiel die Sofortüberweisung oder Zahlung per Kreditkarte. Die Entscheidung fällt aber nach einer Gesamtbewertung, nicht nur aufgrund eines einzigen Merkmals wie der Zeit der Bestellung oder des Ortes. Für sich genommen hat ein einzelner Aspekt so gut wie keine Aussagekraft.

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