Otto-Tochter EOS: Inkasso wächst dank Schuldenkrise

21. Mai 2013
von Anne Grüttner und Henryk Hielscher

Wie die Otto-Tochter EOS das internationale Inkasso-Geschäft ausbaut.

Deutsche Unternehmen dürften in Südeuropa derzeit kaum Beliebtheitspreise gewinnen – erst recht, wenn sie in der Inkassobranche tätig sind. Dennoch hat Finanzdienstleister EOS das Geschäft vor allem in Spanien zuletzt deutlich ausgebaut. „Die Banken verkaufen Kreditpakete, die ihre Bilanzen belasten“, sagt EOS-Chef Hans-Werner Scherer. „Wir haben die Situation genutzt und Pakete erworben.“ Zudem hat EOS in Spanien die Inkassotöchter der Banken Pastor und Popular übernommen und damit das Exklusivrecht zum Eintreiben überfälliger Forderungen, meist Konsumentenkredite etwa für neue Möbel.

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Das Ziel: EOS will die Krise aussitzen und hofft, dass die Schuldner ihre Außenstände doch noch begleichen. Bis dahin setzt der Konzern nach eigenen Angaben auf kleinere Raten oder akzeptiert Zahlungspausen von Konsumenten. „Die spanischen Schuldner zahlen – zwar auf niedrigerem Niveau, aber sie zahlen“, sagt Scherer.

Vor Ort trifft das Inkasso der Deutschen derweil auf wenig Gegenliebe. So meldet die spanische Verbraucherschutzorganisation Facua viele Beschwerden über EOS, vor allem bei Forderungen von Telekommunikationsunternehmen. Handyanbieter, Stromversorger und Banken zählen zu den wichtigsten Auftraggebern. „Wir haben das Unternehmen oftmals darüber unterrichtet, dass sich Konsumenten beklagen, weil EOS Schulden einzutreiben versuchte, die gar nicht existierten“, sagt eine Sprecherin von Facua.

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Auch in Online-Foren wird Kritik laut. „Ich habe eine Hypothek bei Banco Pastor, und bis jetzt habe ich jeden Monat bezahlt, jetzt bin ich arbeitslos und habe keine Einkünfte“, klagt etwa ein Nutzer mit dem Pseudonym „suka Rojo“. „Diesen Monat habe ich nur 450 Euro von meiner Rate bezahlt und bin 200 Euro schuldig geblieben – und die Bank hat die Leute von EOS auf mich gehetzt, die rufen mich jetzt ständig an und schicken mir SMS.“

Die Auswirkungen der Krise in Spanien bekommt EOS derweil auch in anderen Regionen zu spüren. „Rumänische Gastarbeiter haben früher aus Spanien oft Geld nach Hause geschickt“, sagt Scherer. „Damit wurden teilweise Rechnungen beglichen, die wir verwalten.“ Dann brach die Krise in Spanien aus, und plötzlich konnten auch rumänische Schuldner ihre Raten nicht bezahlen.

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Mit einer Präsenz in mittlerweile 27 Ländern ist EOS breit genug aufgestellt, um Rückschläge in einzelnen Regionen zu verkraften. Der wichtigste Markt bleibt Deutschland: Rund 45,5 Prozent der Umsätze entfielen zuletzt auf das Geschäft in der Heimat. Westeuropa steuerte 21,1 Prozent bei, Osteuropa 16,2 Prozent. Wachstumschancen sahen die Hamburger in den vergangenen Jahren auch in Nord- und Südamerika. So übernahm EOS im November 2011 einen kanadischen Inkassodienstleister, der nun eng mit der US-Tochter von EOS zusammenarbeitet. Auch beim brasilianischen Schulden-Samba verdient die Otto-Tochter mit. Dort übernahm EOS die Mehrheit an Hoepers Recuperadora de Crédito, einem der größten Inkassoanbieter des Landes.

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