Otto-Vorstand Schneider: "Das Gesetz ist eine Lex Post"

Otto-Vorstand Schneider: "Das Gesetz ist eine Lex Post"

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Otto-Vorstand Hanjo Schneider

von Christian Schlesiger

Der Otto-Vorstand Hanjo Schneider verantwortet das weltweite Service- und Logistikgeschäft und einen Umsatz von rund 1,85 Mrd. Euro in 2011 und ist Vorsitzende der Hermes Logistik Gruppe. Ein Gespräch über die Expansion nach Russland und die Befreiung von der Mehrwertsteuer.

WirtschaftsWoche Online: Herr Schneider, im November vergangenen Jahres haben Sie das Hermes-Päckchen für den deutschen Endverbraucher eingeführt. Wie viele Päckchen haben Sie inzwischen zugestellt?

Schneider: Wir halten uns mit konkreten Zahlen zurück, aber die Entwicklung hat uns positiv überrascht. Das Volumen hat unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen.

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Sie verlangen 3,80 Euro pro Päckchen. Kurz vor Weihnachten konterte die Deutsche Post mit einem Angebot von 3,50 Euro. Konnte das dem Marktstart nichts anhaben?

Schneider: Nein. Der Kunde hat gemerkt, dass er bei uns die bessere Qualität bekommt. Das Päckchen ist mit 50 Euro versichert, darf 25 Kilogramm schwer sein und wird nur gegen Unterschrift zugestellt. Zudem bieten wir eine kostenlose Sendungsverfolgung via Internet an. Die Reaktion des Wettbewerbers, der das Marktsegment Päckchen mit rund 70 Millionen Stück im Jahr bis dahin allein bediente, zeigt ja auch, dass man unser Angebot sehr ernst nimmt. Fraglich bleibt natürlich, ob ein Preis von 3,50 Euro kostendeckend ist.  

Wie meinen Sie das?

Wir kennen doch die Produktions- und Prozesskosten im Paketgeschäft. Die Post aber reagiert vermehrt mit massiv verringerten Preisen, wenn ihr Wettbewerber Marktanteile streitig machen – und das gilt gleichermaßen für das Brief- wie auch das Paketgeschäft.

Inwiefern?

Indem sie gegenüber strategischen Großkunden ihre marktbeherrschende Stellung missbraucht. Das konnte man viele Jahre im Briefgeschäft und mit Blick auf die dort gewährten Rabatte beobachten. Und auch der nationale B2C-Paketmarkt ist ja keine geschlossene Gesellschaft. Der Wettbewerber tritt bei Ausschreibungen sehr aggressiv auf und kann sich das auch leisten, so lange er jedes Jahr eine Milliarde Euro im nach wie vor monopolistisch geprägten Briefmarkt verdient. Die Zusammenlegung der Sparten Brief und Paket im Geschäftsbericht könnte man also auch als Legalisierung der Quersubventionierung interpretieren. Wäre die Liberalisierung in der Telekommunikation ähnlich schleppend wie die im Postmarkt verlaufen, würden wir heute noch mit Wählscheiben-Apparaten telefonieren.

Warum schalten Sie dann nicht die Bundesnetzagentur ein, die missbräuchliches Verhalten untersucht?

Wie alle Marktteilnehmer befinden wir uns in einem stetigen Austausch mit der Behörde. Und dass man dort Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht sehr ernst nimmt, hat beispielsweise das Vorgehen gegen die Post-Billigtochter Firstmail gezeigt, der Preis-Dumping beim Porto nachgewiesen wurde.  Das Unternehmen wurde daraufhin ja auch von der Post geschlossen.

Eigentlich hat sich die Situation aber doch verbessert. Hermes darf sich nun - wie die Deutsche Post - von der Mehrwertsteuer befreien lassen.

Das ist aber faktisch unmöglich, obwohl wir schon heute mehr als den bloßen Universaldienst leisten. Es würde sich doch kein Auftraggeber für uns entscheiden, wenn wir nicht auf die viel zitierte Alm oder Hallig liefern würden! Das Gesetz sieht aber schlichtweg nicht erfüllbare Voraussetzungen vor und ist praktisch eine Lex Post. Ein Beispiel: Als Bemessungsgrundlage für die steuerliche Berechnung wird das Gewicht einer Sendung angeführt. Dieses ist für die Logistik im Hinblick auf den benötigten Laderaum und daraus resultierende ökologische Aspekte aber völlig unerheblich.

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