Outdoor-Branche: Der Kampf um die Wanderer

Outdoor-Branche: Der Kampf um die Wanderer

, aktualisiert 13. Juli 2016, 20:48 Uhr
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Der Markt für Regenjacken und Wanderstiefel wächst kaum noch.

von Joachim HoferQuelle:Handelsblatt Online

Fast 1.000 Aussteller präsentieren in Friedrichshafen die neuesten Regenjacken, Zelte, Schlafsäcke und Wanderstiefel. Doch die Outdoor-Branche wächst kaum noch. Der Verdrängungswettbewerb fordert erste Opfer.

Friedrichshafen Die Wolken hängen tief über dem Bodensee, es tröpfelt immer wieder. Das Thermometer kommt an diesem Mittwoch nicht über frische 17 Grad hinaus. Eigentlich ideales Wetter für die Outdoor-Messe in Friedrichshafen. Schließlich lebt die Branche davon, dass sie massenhaft Regenjacken und wasserdichte Stiefel verkauft.

Trotzdem sind viele Besucher der weltgrößten Outdoor-Schau gereizt. Das ist kein Wunder: „Der Markt ist ok, aber in der Vergangenheit waren wir andere Wachstumsraten gewohnt“, meint John Jansen, Präsident des Branchenverbands European Outdoor Group (EOG). Die Messegesellschaft in Friedrichshafen ist zwar hochzufrieden, kann sie dieses Jahr doch mit 960 Ausstellern erneut einen Rekord verbuchen.

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Doch für die einzelnen Marken ist die wachsende Vielfalt ein Problem, denn das Geschäft legt kaum noch zu. Der Wettbewerb wird damit immer härter. Vergangenes Jahr haben die Europäer für gut Milliarden Euro Regenjacken, Wanderschuhe und Rucksäcke gekauft. Das entspricht laut EOG einem mageren Plus von rund zwei Prozent.

Ein paar Regentropfen erfreuen die Industrie, gewiss. Doch für viele Firmen ist inzwischen Land unter. Und das aus vielerlei Gründen. „Die meisten Leute haben ja schon drei Regenjacken“, meint Philipp Prechtl, Sportexperte der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner. Da die Ware weitgehend austauschbar sei, entstehe ein enormer Konkurrenzkampf. Der wird noch angeheizt durch die Eigenmarken der großen Sporthandelskooperationen wie McKinley von Intersport. Die sind in den Augen vielen Konsumenten fast genauso gut wie die bekannten Labels, aber deutlich günstiger.

Doch das ist noch nicht alles. Vielen Firmen gelinge es auch nicht, den Nachwuchs für sich zu begeistern. „Die Marken müssen sich ernsthaft fragen, wie sie junge Kunden gewinnen wollen“, kritisiert Berater Prechtl, der einst Vertriebschef bei Jack Wolfskin war.

In der Branche setzt allerdings nur langsam ein Umdenken ein. „Es sind zu viele Produkte auf dem Markt und die sind sich viel zu ähnlich“, kritisiert Stefan Glowacz, Bergsteiger und Chef der hoch spezialisierten Klettermarke Red Chili. Viele Labels hätten sich inzwischen viel zu weit von ihren Wurzeln entfernt.


Welche Marken es besonders hart getroffen hat

Besonders hart getroffen hat es Jack Wolfskin. Vor fünf Jahren war die Marke noch zweitgrößter Lieferant von Intersport, gleich nach Adidas. Inzwischen rangiert das Label bei der größten Sporthandelskette Deutschlands lediglich auf Platz fünf.

Jack Wolfskin ist am tiefsten gestürzt, aber kein Einzelfall. Beispiel Mammut: Immer häufiger bleiben die Shirts, Shorts und Eispickel der Bergsportmarke in den Regalen liegen. Die Schweizer konnten vergangenes Jahr rote Zahlen nur ganz knapp abwenden, der Umsatz ist um sechs Prozent eingebrochen.

Mammut-Chef Rolf Schmid muss deshalb in diesen Tagen seinen Schreibtisch räumen. Eine Personalie, die für Aufruhr in der ganzen Branche sorgt. Schmid ist nicht irgendwer: Der Manager gilt als Urgestein der Outdoor-Industrie, er führte Mammut über zwei Jahrzehnte und stand lange dem Branchenverband EOG vor.

Doch es gibt Hoffnung. Mit attraktiven Läden und den passenden Kollektionen lassen sich nach wie vor die Kunden anlocken. So ist der Outdoor-Umsatz bei der deutschen Kette Sport 2000 im ersten Halbjahr um neun Prozent in die Höhe geschossen. „Das ist eine sehr, sehr ordentliche Entwicklung“, frohlockt Sport-2000-Geschäftsführer Andreas Rudolf. Zum Vergleich: Insgesamt stiegen die Einnahmen der fast 1.000 Ladenbesitzer lediglich um ein Prozent.

Und nach wie vor hätten neue Marken eine gute Chance, meint EOG-Präsident Jansen. Sie müssten nur mit ganz neuen Ideen kommen. Jansen: „In der Nische lässt sich viel verdienen.“

Die Messe in Friedrichshafen ist für Fachpublikum geöffnet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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