Paul Polman: Wie der Unilever-Chef die Welt retten will

ThemaKonsumgüter

InterviewPaul Polman: Wie der Unilever-Chef die Welt retten will

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Unilever-Chef Polman trimmt den Konsumgüterriesen konsequent auf Nachhaltigkeit

von Mario Brück und Yvonne Esterházy

Paul Polman gibt den Messias unter den Konzernvorständen. Der Chef von Unilever will die Welt verbessern: Hunger bekämpfen und dabei den Umsatz verdoppeln. Entlassungen sind bei seiner Mission nicht auszuschließen.

Paul Polman hält den inoffiziellen Grand-Slam-Titel der Konsumgüterbranche: Der 58-jährige Niederländer war bei den drei Top-Konzernen in führenden Positionen – zuerst bei Procter & Gamble, dann bei Nestlé und seit 2009 als Chef von Unilever. Beim Gespräch im Londoner Headquarter mit Blick auf die Themse trägt Polman Manschettenknöpfe in der Form des Unilever-„U“. Der 1,90-Meter-Hüne spricht Englisch mit leicht niederländischem Akzent, trinkt Tee und knabbert Pistazien.

Polman wächst mit drei Brüdern und zwei Schwestern in Enschede im Osten der Niederlande auf. Er studiert Wirtschaft an der Uni Groningen. Für den MBA in Finanzen und Internationalem Marketing geht er in die USA. Weil Bekannte seiner Eltern dort wohnen, verschlägt es ihn nach Cincinnati im Staat Ohio – Sitz des Pampers-Konzerns Procter & Gamble. Dort jobbt er, um sein Studium zu finanzieren – und bleibt für Jahrzehnte. Zunächst als Controller im Hauptquartier, am Ende als Chef für das Europageschäft mit mehr als 60 Milliarden Euro Umsatz. In den USA lernt Polman seine Ehefrau Kim kennen, eine Cellistin, mit der er drei Söhne hat.

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"Vergiss nie deine Hausnummer"

2003 wird er vom „Wall Street Journal“ zum „European Business Leader of the Year“ gekürt. Drei Jahre später holt ihn Nestlé-Chef Peter Brabeck als Finanzvorstand zum Schweizer Maggi- und Nespresso-Hersteller. Knapp drei Jahre später kommt es zum Showdown zwischen Paul und Paul: Polman und Nestlé-Manager Paul Bulcke ringen um die Nachfolge Brabecks. Der Ausgang ist bekannt, Bulcke führt Nestlé bis heute. Polman wird ein Jahr später Chef – beim Konkurrenten Unilever.

Ein, zwei Mal im Jahr kommt der Weltenbummler zum Familienbesuch nach Enschede. Sein Vater, der beim Reifenhersteller Vredestein in der Fabrik arbeitete, habe zwei Nebenjobs gehabt, um seinen Kindern ein Studium zu ermöglichen. „Ich weiß, wo ich herkomme“, sagt Polman. „Bei uns heißt das: Vergiss nie deine Hausnummer.“

Die Umsatzquellen des Unilever-Konzerns

  • Gesamtumsatz

    Im vergangenen Geschäftsjahr setzte der Unilever-Konzern rund 49,8 Milliarden Euro um.

  • Körperpflege

    36 Prozent des Gesamtumsatzes (17,9 Milliarden Euro) macht Unilever mit Drogerieprodukten wie Rexone, Axe und Dove.

  • Lebensmittel

    27 Prozent seines Umsatzes (13,4 Milliarden Euro) macht der Konzern über Lebensmittel. Zu den bekannten Marken gehören Pfanni, Knorr und Du darfst.

  • Haushalts- und Textilpflege

    18 Prozent Umsatz (8,96 Milliarden Euro) macht der Konzern mit Produkten wie Viss, Domestos und Coral im Bereich Haushalts- und Textilpflege.

  • Erfrischungen

    19 Prozent des Gesamtumsatzes (9,46 Milliarden Euro) generiert Unilever über Süßigkeiten und Erfrischungen: Langnese, Lipton und Ben & Jerrys gehören zum Konzern.

WirtschaftsWoche: Herr Polman, Sie sind Chef eines Konzerns, der offiziell in London und Rotterdam beheimatet ist. Haben Sie Angst vor einem EU-Austritt der Briten?

Paul Polmann: Unilever ist in 190 Ländern tätig. Die wenigsten davon sind in der EU. Wir sind es gewohnt, mit unterschiedlichen rechtlichen und kulturellen Bedingungen umzugehen. Schon jetzt ist Großbritannien kein Mitglied der Euro-Zone. Deshalb warne ich davor, diese Debatte zu dramatisieren.

Der Austritt wäre also kein Problem?

Für die Wirtschaft wäre es besser, wenn das Vereinigte Königreich in der EU bliebe. Das eigentliche Problem ist ein anderes: Die Welt verändert sich, Europa muss wettbewerbsfähiger werden. Wir haben wegen der Finanzkrise zu viel Nabelschau betrieben. Heute leben viel mehr Menschen in China als in der EU. Wenn Europa zersplittert, dann haben wir keine gemeinsame starke Stimme.

Wie stark ist Unilever von den Sanktionen gegen Russland betroffen?

Jedes multinationale Unternehmen ist betroffen, wenn eine Volkswirtschaft nicht in der Lage ist, in einem friedlichen Umfeld und rechtsstaatlichen Verhältnissen zu agieren. Unilever gibt es aber schon seit mehr als 100 Jahren, und wir haben den Zusammenbruch von Währungen und Regierungen überlebt – und auch Kriege.

Die Sanktionen schmerzen Sie also nicht?

Geopolitische Konflikte sind für Unternehmen immer Anlass zur Sorge, denn sie führen zu neuen Handelsbarrieren. Es sterben heute zwar weniger Menschen als früher an den Folgen von Kriegen. Aber es gibt mehr Konflikte, und das bewirkt, dass das Wirtschaftsleben nicht mehr richtig funktioniert wie in Nigeria, im Nahen Osten oder der Ukraine. Wir Unternehmen müssen daran arbeiten, dass sich der Lebensstandard der Menschen verbessert.

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