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Performance-Philosoph Brock: Willkommen im Amt für unlösbare Probleme

von Dieter Schnaas

Bazon Brock, Performance-Philosoph und ordentlicher Professor für Bürgerertüchtigung, hat in Berlin-Kreuzberg das “Amt für Arbeit an unlösbaren Problemen” eröffnet. Seine “Denkerei” ist typenoffen für alle Tapferen, die keine Krisen mehr lösen, sondern meistern wollen.

Der Problemlöser - Der Künster Bazon Brock wünscht sich den "professionalisierten Bürger" Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche
Der Problemlöser - Der Künster Bazon Brock wünscht sich den "professionalisierten Bürger" Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

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Es ist später Freitagnachmittag, das Wochenende ist nah, die meisten Menschen schlendern ihrer Freizeit entgegen, einige gehen noch rasch etwas einkaufen. Schön ist es nicht hier. Ein Stückchen weiter die Straße runter, zwischen verrammelten Wirtshäusern und Bierkneipen, zwischen Copyshop, Telecenter und Asia-Imbiss, zwischen allerlei Sprühdosen-Sudeleien, verwaisten Ladenlokalen und rettungslos verpinkelten Hauswänden, gibt’s “Brandenburger Landwaren”, eine Bäckerei, ein Kiosk, immerhin - das Nötigste. Ganz vorn aber, an der Ecke Oranienplatz-Oranienstraße, hat ein neues Spezialitätengeschäft eröffnet, eine schicke Boutique mit großzügigen Schaufenstern, in der ein großgewachsener, älterer Herr philosophische Delikatessen und ästhetische Feinschmeckereien anbietet.

Platz 7: Robert Rauschenberg

Robert Rauschenberg (1925-2008) zählt zu den Wegbereitern der Pop Art. Der Amerikaner arbeitete Medienübergreifend als Maler, Grafiker, Fotograf und Objektkünstler. Im Bild ist ein Ausschnitt aus seinem Werk "Lastkahn" zu sehen.

Bild: AP

Bazon Brock veröffentlicht sich neu

Das Angebot reicht von naturbelassenen Inspirationen über handgefertigte Geistesblitze bis hin zu fair gehandelten Denkanstößen. Und für die eilige Laufkundschaft gibt es frische Irritationen aus garantiert biodynamischem Anbau, eine philosophische Notrufsäule, eine poetische Weltformel, das Versprechen “stoischer Diätetik” und die endgültige Widerlegung von René Descartes: “Cogito ergo bum bum”.

Kein Zweifel, Bazon Brock, emeritierter Professor für Ästhetik und Kulturvermittlung an der Bergischen Universität Wuppertal, rastloser Meister der ästhetischen Theorie und künstlerischen Lebensführung, Weggefährte von Wolf Vostell und Joseph Beuys, der unermüdliche “Denker im Dienst”, always fishing for complications, der nimmermüde Förderer einer Passivitäts-Kompetenz, die Rezipienten zum Kunstgenuss ermächtigt, der notorisch anstößige “Beweger”, der unentwegt die Republik bereist und zu langen “Lustmärschen” durch deutsche Museen einlädt… - Bazon Brock ist nach Berlin-Kreuzberg gezogen, um sich wieder einmal neu zu veröffentlichen.

Literatur

  • Lustmarsch durchs Theoriegelände

    Ein höchst unterhaltsame Einführung in den Kosmos von Bazon Brock bietet seine Kampfschrift “Lustmarsch durchs Theoriegelände”, Verlag Dumont, 24,90 Euro.

  • Der Profi-Bürger

    Erste Handreichungen für die Ausbildung zum “Profi-Bürger” gibt’s auch in Buchform: “Der Profi-Bürger”, Verlag Wilhelm Fink, 14 Euro

Eine hochnotpolitische Koalition

Ausgerechnet hier, mitten im Kiez der materiellen Engpässe, will er also seine “Denkerei” etablieren als Kompetenzzentrum für ein gelingendes Leben. Ausgerechnet hier, inmitten grün-alternativer Autoritätsverächter, will er der Öffentlichkeit pädagogisch besonders wertvolle Denkmittel (Besucherschulen, action teachings) zur Erfassung von Wissenschaft und Erkenntnis stiftender Kunst zur Verfügung stellen.

Und ausgerechnet hier, mitten im multikulturellen Nebeneinander, zwei Kilometer nur vom Deutschen Bundestag entfernt, will er eine hochnotpolitische Koalition schmieden, die den Ehrgeiz hat, keine Krise der Welt mehr zu lösen, um sie im Wege gemeinschaftsstiftender Diskurse zu meistern.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 19.02.2012, 09:06 UhrGudrun Wolf

    Ich wünsche diesem Amt, daß es sich schnell verbreitet. Nur leider meine Erfahrung, bei Wachstum kommt immer Organisation dazu und Strukturen verfestigen sich. Wir hatten diese Ansätze schon öfter, zum Beispiel Zukunftskonferenzen, Bürgerbeteiligungsplattformen ....
    Die drei Regeln sind es wert, verbreitet zu werden.

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